Die letzten Tage der Oberhausener Markthalle

Martina Nattermann
Ein Blick ins Erdgeschoss der alten Markthalle. Hier wird jetzt entrümpelt, entkernt und entsorgt. Danach wird das Gebäude abgerissen.
Ein Blick ins Erdgeschoss der alten Markthalle. Hier wird jetzt entrümpelt, entkernt und entsorgt. Danach wird das Gebäude abgerissen.
Foto: Funke Foto Services
Bevor das so lange schon leerstehende Gebäude an der unteren Marktstraße abgerissen wird, hat sich die NRZ noch mal darin umgesehen

Oberhausen. Die Absperrzäune stehen schon, ab heute morgen ist kein Durchkommen mehr: Wegen der Abrissarbeiten der ehemaligen Markthalle und angrenzender Gebäude ist die Gutenbergstraße zwischen Marktstraße und der Straße „Am Altmarkt“ für rund drei Monate komplett gesperrt. Und bevor heute die „Abrissparty“ steigt, hat sich die NRZ noch einmal in den verlassenen Gebäuden umgesehen, die schon in Kürze Geschichte sein werden.

Die Fußbodenplatten, die im Erdgeschoss verlegt sind, erinnern mit ihrer Kopfsteinpflaster-Optik daran, was hier Mitte der 1980er Jahre mit großen Hoffnungen an den Start ging: Die Markthalle mit Frischemarkt, Gastronomie und ihrer Shop-in-Shop-Konzeption sollte einen Hauch von KaDeWe in die Oberhausener City bringen. Die Pläne gingen nicht auf. Heute liegt allerhand Zeug auf dem Boden zwischen den pink-bonbonfarbenen Wänden und grünen Holztheken: der Torso einer Schaufensterpuppe, aufgestapelte Rigipsplatten, Dämmwolle, ein kaputter Spielautomat, der noch mit D-Mark gefüttert wurde, ein paar Schuhkartons mit fabrikneuen Turnschuhen: „Bei Sachen, die noch verwendbar sind , sprechen wir mit dem Bereich Soziales“, erzählt OGM-Sprecher Alexander Höfer. Einiges sei schon abgegeben worden.

Auch in der ersten Etage, wo Drachenreliefs an der Wand an ein ehemaliges China-Restaurant erinnern, findet sich noch manches, was demnächst möglicherweise in mancher Notunterkunft für Flüchtlinge noch gute Dienste leisten wird: Stühle und kleine Tische – zum Teil mit dem Emblem eines Fisch-Schnellrestaurants. Den früheren Küchenbereich hat das Efeu von der Außenfassade erobert, das durch die Ritzen der undichten Fenster allmählich über den Boden kriecht.

Bonbon- und Knallfarben an den Wänden

In der Etage drüber – einstmals ein „Fitnessparadies“ – herrscht gähnende Leere: kein Boxring mehr, keine Sportgeräte für „Eisenbieger“. Nur die getönten Spiegelwände ringsum zeugen noch von Zeiten, in denen Wolfgang Ufer große sportliche Events dort etablieren wollte. Eine noch komplette Sauna gibt’s im Stockwerk drüber.

Von alledem wird bald nichts mehr zu sehen sein. Denn jetzt beginnt der Abriss. „Da kommt nicht gleich der Bagger“, macht Torsten Becker deutlich. Der Bauleiter der Abbruchfirma „Becker Sanierungstechnik“ erklärt: „Es wird erst ausgeräumt und entkernt und entsorgt. Erst am Ende kommen die Fenster raus und werden die Mauern abgetragen – genau umgekehrt als beim Aufbau.“ Grob geschätzt werde es wohl vier bis fünf Wochen dauern, bis man soweit sei: „Kommt drauf an, ob wir noch irgendwelche Schadstoffe finden.“

Davon geht man aber erstmal nicht aus, denn dem Auftrag an das Abbruchunternehmen ist ein Gutachten vorausgegangen, das Arten und Mengen der zu entsorgenden Stoffe ausweist, erläutert Geologe Gregor Pattberg vom Gutachterunternehmen „Agua GmbH“: „Die Entsorgung ist heutzutage das Teuerste am Abbruch.“