Der Olga-Park ist die grüne neue Mitte von Oberhausen

Über allem der Zechenturm. Auf dem Gelände des Olga-Parks erinnert er an die Geschichte der grünen neuen Mitte als eines der einst größten und leistungsfähigsten Steinkohle-Bergwerke des Ruhrgebiets.
Über allem der Zechenturm. Auf dem Gelände des Olga-Parks erinnert er an die Geschichte der grünen neuen Mitte als eines der einst größten und leistungsfähigsten Steinkohle-Bergwerke des Ruhrgebiets.
Foto: Funke Foto Services
Am Rand des Osterfelder Zentrums entstand vor 17 Jahren der Olga-Park - einst Zeche, dann Gartenschau, heute ein unaufgeregtes Naherholungsgebiet.

Oberhausen. Diesmal hatten Alicia, Christopher, Jacqueline und Alisa Glück. Sie haben einen Platz auf dem obersten Treppenabsatz des Aussichtsturms ergattert. Über ihnen ist nur noch der Himmel, unter ihnen streckt sich das Grün des Osterfelder Olga-Parks aus bis an den Rand der Neuen Mitte. „Der Platz hier oben ist beliebt“, weiß die 15-jährige Alicia. Man habe eben einen guten Ausblick, vor allem abends, dann sei der Gasometer ja so schön beleuchtet. Den Olga-Park mit seinem Grün und den vielen Bänken mag die Gruppe. „Wir kommen fast täglich hierher.“

Es ist nur wenig älter als die 15-Jährige, dieses Kleinod am Rande des Osterfelder Zentrums. 1999 wurde das heutige Parkgelände als Areal für die Oberhausener Landesgartenschau (Olga) eröffnet – ein 80-Millionen-Mark-Projekt, mit dem eine 90 Hektar große Industriebrache in einer vom Strukturwandel gebeutelten Stadt aufgewertet werden sollte. Geblieben ist auch 17 Jahre später ein Naherholungsgebiet, das begleitet vom ewigen Rauschen der nahen Autobahn auf bemerkenswert unaufgeregte Weise alte und junge Menschen zusammenbringt.

Geschichte des Areals begann 1873

An diesem Abend etwa sind nicht nur die vier Freunde im Olga-Park. Radler fahren über die schwingende Brücke zur Neuen Mitte, verfolgt von dem Blick einer älteren Frau im Rollstuhl. Unter Bäumen stehen zahlreiche Bänke, auf denen sich junge Paare streiten und wieder versöhnen, ältere Tee aus Thermoskannen trinken. Die Rasenflächen sind karreeartig von Hecken und Böschungen umzogen. Mal sind sie Fußballplatz, mal Kunstgarten, mal Liegewiese. Auf einer von ihnen pflückt eine Frau Löwenzahn. An jeder Ecke ist etwas los, aber nie wirkt der Park voll. „Hier ist viel Platz “, sagt die zehnjährige Edanur. Sie ist mit ihren zwei kleinen Brüdern aus Essen hergekommen. Mutter Ebru sagt, sie habe früher in Sterkrade gewohnt. „Ich weiß, wie das hier früher aussah. Ist toll geworden.“

Die Geschichte dieses Areals begann 1873 mit dem Bau der Zeche. 1879 wurde der erste Schacht in Betrieb genommen. Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte Osterfeld zu den leistungsfähigsten Steinkohle-Bergwerken des Ruhrgebiets. Nach dem Aus beschloss der Rat der Stadt 1992, mit dem Industriegebiet nahe dem damals noch nicht eröffneten Centro an dem Wettbewerb zur Landesgartenschau teilzunehmen.

Kein Brennpunkt für die Polizei

Auf den Zuschlag 1995 folgten vier emsige Jahre: 300.000 Kubrikmeter Boden wurden aufgebracht, hunderte Bäume, zehntausende Staudengewächse und Blumen in die Erde gebracht und die ehemalige Kohlenmischanlage zum Gartencenter umgebaut. Für 30 Millionen Mark wurden neue Wege für Radfahrer angelegt, sieben Brücken gebaut sowie mehrere Kinderspielplätze und ein Skaterpark geschaffen. Zur Landesgartenschau mit 156 Tagen Programm kamen über 400.000 Menschen. Heute ist die Olga Veranstaltungsfläche, Spielplatz und Treffpunkt, mit der angrenzenden Siedlung sogar Wohngebiet, mit den Kreativen im und am Steigerhaus auch Unternehmenssitz und Gastronomiestätte sowie bald Vorplatz für eines der modernsten Lehrzentren der Bauindustrie.

Dabei ist der Park immer Zeuge seiner Besuche. Manche Hundebesitzer setzen sich auch an diesem Abend vehement gegen das Gassigeh-Verbot durch. Zerbrochene Flaschen liegen am Aussichtsturm. Manche Senioren fühlen sich im Park unsicher, obwohl keine Statistik der Polizei hier einen Brennpunkt festmachen würde. Wege sind gepflegt, aber auch verwittert: Einige Wasserläufe liegen trocken, Fliesen an Skulpturen sind abgesprungen oder besprüht.

Solche Details fallen von der Spitze des Aussichtsturms, wo Christopher, Alisa, Jacqueline und Alicia sitzen, nicht auf. Zentral liegt der Turm in dem Park, umrandet von Hecken, Wasserbecken und einem Netz aus Wegen und Bäumen. Ideen zur Verbesserung haben die Osterfelder dennoch: Der Labyrinth-Garten solle wieder geöffnet werden. „Und einen weiteren Basketballkorb“, sagt Christopher (30). „Manchmal wollen da so viele spielen, dass man warten muss.“

 
 

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