Der Kanal aus der Sicht der Schiffer

Lautlose Fahrt an einem abgestellten Tankschiff vorbei.
Lautlose Fahrt an einem abgestellten Tankschiff vorbei.
Foto: Michael Dahlke
Mit einer Fahrt durch die Schleuse Oberhausen in Lirich, einer Führung über das Gelände und einem anschließenden Kerzenlicht-Dinner in der Pumpenhalle feierte die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Samstag das 100-jährige Bestehen der Wasserstraße.

Oberhausen. Seit 100 Jahren übernimmt der Rhein-Herne-Kanal ein Teil des Massengutverkehrs zwischen Ost- und Westeuropa. Grund genug für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), an allen fünf Schleusen auf den 45 Kilometern Strecke ein Event anzubieten. Die Oberhausener Künstlerin Billie Erlenkamp hat sie organisiert. Samstagabend öffneten sich Schleuse und Tore für eine 50-köpfige Besuchergruppe zur Schleu­sensoiree in Lirich.

Das feine Kerzenlicht-Dinner freilich musste wegen des unbeständigen Wetters in die Pumpenhalle verlegt werden. Aber bevor die Besucher dort an der 15 Meter langen Tafel Platz nahmen, waren eine Fahrt auf dem Kanal und eine Führung über die Schleuse angesagt.

Lautlose Fahrt

Für die lautlose Fahrt auf dem ruhigen Wasser war ein Arbeitsboot präpariert worden. Darauf musizierte das Minimal-Trio, eine dreiköpfige Jazzband. Zu feinfühligen Klängen des Trios ging es in die Schleuse. 4,10 Meter Höhe sind in Lirich zu überwinden, insgesamt auf dem Kanal fast 40 Meter. Während das Boot sich millimeterweise hob, nutzte die Band das Echo in der Schleuse für eine Improvisation. Mit „Mackie Messer“ ging es aus der Schleuse und unter den Klängen von „Besame Mucho“ unter einer Brücke hindurch. Vor der Müllverbrennungsanlage wurde gedreht. Angler winkten vom Ufer. Fotofreunde hatten sich ans Bug begeben, um sich kein Motiv vom begrünten Ufer entgehen zu lassen.

Zurück an der Schleuse, ging es auf den Turm, wo Schichtleiter Michael Stoppelkamp gerade dem Tankschiff „Lynn“ aus Basel Einfahrt gab. „Gebaut wurde die Schleuse für 80 bis 100 Meter lange Schiffe mit 1350 Tonnen Fracht“, erläuterte Dirk Radermacher von der WSV. Ein Schubverband wie die „Lynn“ bringt es aber auf 172 Meter Länge und fast 5000 Tonnen. Und bei 11,70 Metern Schiffsbreite bleiben beiderseits nur 15 Zentimeter Platz. Maßarbeit für den Schiffsführer. Für die „Lynn“ war hinter der Schleuse Lirich Feierabend. Denn samstags und sonntags sind die Schleusen nachts dicht.

Geburtstagsgeschenk

Auf dem Weg in die Pumpenhalle ein Abstecher ins Maschinenhaus. An einer riesigen „Fahrradkette“ wird dort das Hub-Senk-Tor bewegt. Und in der Pumpenhalle selbst fördern fünf mannshohe Elektroaggregate bei Bedarf bis zu 5000 Liter Wasser pro Sekunde kanalaufwärts bis zur Lippe.

„So nah an den Schiffen zu sein, ist schon beeindruckend“, bilanziert Michael Königs aus Bocholt. Seine Frau hat ihm die Tour zum Geburtstag geschenkt. Helga Korinth aus Oberhausen hatte es vor allem die malerische Beleuchtung der Schleuse im Dunkeln angetan. Denn dann spiegeln sich ihre Lichter sogar im Wasser.

 
 

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