Denglisch in Oberhausen angeprangert

Umfrage am Strand des Vereins Deutsche Sprache auf der Marktstraße in Alt-Oberhausen.
Umfrage am Strand des Vereins Deutsche Sprache auf der Marktstraße in Alt-Oberhausen.
Foto: privat
Immer mehr Geschäfte und Unternehmen geben sich englische Bezeichnungen, die dazu sprachlich oft auch noch falsch sind. Der „Verein Deutsche Sprache“ beließ es jetzt an seinem Infostand nicht dabei, auf diese aus seiner Sicht gegebenen Missstände hinzuweisen.

Oberhausen. Hans-Joachim Thelen, Regionalvorsitzender des „Vereins Deutsche Sprache“ (VDS) für den nördlichen Niederrhein, streitet mit seinen Leuten tapfer gegen die zunehmende Verdenglisierung der Sprache – vor allem in den Innenstädten der Region.

„So mancher Passant in der Oberhausener Fußgängerzone mag sich schon gefragt haben, wo bin ich hier? Kommt mir stellenweise vor wie in einer amerikanischen Provinzstadt mit all den englischen und pseudoenglischen Geschäfts- und Produktbezeichnungen“, schreibt Thelen. „Dieses Sprachkauderwelsch ist nicht nur oft falsch, sondern überwiegend fantasielos und eintönig.“

Weil diese Kritik nicht gerade neu ist, haben sich Thelen und seine Mannschaft Alternativen überlegt (siehe Kasten rechts) – für alle möglichen Geschäfte im Bereich Marktstraße, darunter Friseure, Banken und Boutiquen. Am Samstag präsentierte er auf Fotos an ei­ner Stellwand in der Fußgängerzone in Alt-Oberhausen das Original und die deutsche Schöpfung aus seiner Kreativabteilung.

Absage an Werbekauderwelsch

Alle Fußgänger wurden von dem Verein eingeladen, ihr Urteil zu fällen: Welche Variante klingt und liest sich besser - die deutsche oder die englische?

Das Ergebnis fiel überraschend stark zugunsten der deutschen Sprache aus – auch wenn sich manche Wortfindungen wie „Schopfgestalter“ höchst lustig und merkwürdig anhören. „Oberhausener erteilen Werbekauderwelsch eine derbe Abfuhr“, lautet das Fazit des Vereins zum Umfrageergebnis von zufällig vorbei eilenden Passanten. „Die Antwort fiel klarer aus, als der Verein es sich zu erträumen gewagt hatte. 93 Prozent der Beteiligten stimmten gegen das Werbekauderwelsch und für klare Begriffe in deutscher Sprache.“

Umfrage durchgeführt

Bemerkenswert fand es Hans-Joachim Thelen, dass auch viele Oberhausener aus Zuwandererfamilien die deutsche Version bevorzugten. Gewählt wurde nach Veranstalterangaben überaus fleißig: Im Durchschnitt wurde alle 150 Sekunden eine Stimme abgegeben.

Einen besonders interessanten Beitrag lieferte ein Mazedonier, der erzählte, Geschäftsempfehlungen mit diesen englischen Bezeichnungen könne er gar nicht verfolgen, weil die meisten Ausländer in Oberhausen kein Englisch könnten und ihm die eigentümlichsten bis eigenwilligsten Lautkombinationen zu Ohren kämen, aus denen er sich keinen Reim machen könne. Ein deutscher Besucher des In­fostandes meinte, ihm gehe es genauso. Bei den Deutschen sei das oft nicht viel anders.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Viele glaubten allerdings auch, dass die Arbeit des „Vereins Deutsche Sprache“ zwar sinnvoll sei, aber letztendlich vergeblich. „Da hört doch sowieso keiner drauf. Die Werbemacher sind voreingenommene, arrogante Ideologen, die uns das über die Ohren ziehen“, sagte ein Passant frustriert.

Am Stand meldeten sich aber auch Werbetexter und Inhaber der fotografierten Geschäfte. Erstere vertraten die Meinung, dass Werbung international auftreten und deshalb in Englisch sein müsse. Offener reagierten Gewerbetreibende: Einer brachte sogar seinen Wer­beberater mit und bat ihn, die Alternativvorschläge des Vereins zu prüfen. Der Verein bot seine Hilfe an, ansprechende Bezeichnungen und Lösungen zu finden.

 
 

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