Demenz-Station erweitert

Wolfgang Bolten, Leiter der Demenz-Station im Johanniter Krankenhaus.
Wolfgang Bolten, Leiter der Demenz-Station im Johanniter Krankenhaus.

Oberhausen. Der kleine Gasherd in der Nische der neuen Demenz-Krankenstation stammt vermutlich aus den 60er Jahren; Wolfgang Bolten zeigt das „gute alte Stück“ voller Stolz. Nicht, weil damit in der so gut wie fertig gestellten Einrichtung des Sterkrader Johanniter-Hauses noch gekocht würde. Der Herd ist eine Art Requisite, erläutert Bolten, Leiter der Einrichtung, „der Herd gehört zum Ambiente aus der guten alten Zeit, die unsere Patienten erinnern“.

Wiedererkennen und wohlfühlen – zwei Prinzipien, nach denen sich die Konzeption der 3,8 Mio Euro teuren Erweiterung richtete. An solchen Requisiten können sich Demenz-Erkrankte orientieren, „sogar besser als an Farben“, sagt Bolten. So haben die Apartments im offenen und der geschlossenen Bereich eigene unterschiedliche Themen: eine Küche, einen Marktplatz mit Bistro-Stühlen, Schrebergarten-Motive, eine Kneipe.

Demenz ist nicht gleich Demenz

Dazu hängen an den Wänden große Fotos, die zum Teil an die 50er und 60er Jahre erinnern. Das hat noch einen anderen Grund, so Bolten, die heutigen Patienten des Johanniter-Hauses sind in dieser Zeit groß geworden. „Wir haben einen relativ jungen Durchschnitt von 70 Jahren“, sagt Bolten, der jüngste ist erst 35 Jahre alt. „Demenz ist nicht gleich Demenz“ – will sagen: Die Ursachen sind sehr unterschiedlich: „Ein Unfall, ein nicht rechtzeitig behandelter Herzinfarkt“, nennt er Beispiele für Demenz-Auslöser.

Woran erkennt man erste Symptome? Nicht daran, dass man mal wieder vergessenen hat, wo man das Auto geparkt hatte, aber daran: „Man kommt vom Einkauf und stellt fest, dass man alles schon am Morgen besorgt hatte.“

Von ehemals 52 Plätzen erweiterten die Johanniter mit dem dreistöckigen Neubau auf 79. Zusätzlich sollen zwölf Plätze in der Tagespflege eingerichtet werden. Ein Jahr dauerte der Umbau an der Steinbrinkstraße 96a. Zu den überwiegenden Einzel-Apartments gehören Küchen, in denen diejenigen, die es noch können, selbst kochen dürfen. Zudem besitzt die Einrichtung Gruppen- und Therapieräume sowie einen Versammlungsraum, in dem regelmäßig gemeinsam Filme angeschaut werden können. Geraucht werden darf hier auch – „nur auf den eigenen Zimmern und wenn es den Nachbarn nicht stört“, sagt Bolten, dies verstoße nicht gegen den Nichtraucherschutz.

Elektronische Türsperre sorgt für Sicherheit

Noch ist nicht alles fertig: Ein großer, gesicherter Balkon, von dem aus man in der geschlossenen Abteilung das Treiben draußen sehen kann, ist noch im Rohbau. Für die Patienten in der offenen Abteilung wird es einen Garten zum Spazierengehen geben.

Gegen das „Sonnenuntergangs-Syndrom“, wie Wolfgang Bolten den Impuls von Demenz-Erkrankten nennt, plötzlich die Einrichtung verlassen und etwa „nach Hause“ gehen zu wollen, helfe „gutes Zureden der Fachkräfte“, wie Bolten betont. Pro Abteilung seien in der Spätschicht drei Mitarbeiter beschäftigt, im Frühdienst fünf bis sechs. Dazu kommen Kräfte für die soziale Betreuung. Der Leiter sieht die Einrichtung damit „recht gut aufgestellt“.

Zudem sind die Türen und einige Zimmer der geschlossenen Abteilung mit einer elektronischen Sperre versehen. Über ein Armband, das der Patient trägt, wird ein Signal gesendet, das ein Öffnen der elektrischen Türen verhindert. Hält ihm jemand die Tür auf, meldet ein Signal, sobald der Patient die Schwelle überschreitet. „

Damit gewährleisten wir Sicherheit, auch wenn mal keine Aufsicht guckt“, sagt der Leiter. Fixierungen, wie es sie in manchen Häusern bei der Altenbetreuung noch gebe, sind im Johanniter-Haus seit 20 Jahren abgeschafft.

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