Das Leben in den Griff bekommen

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Sie säubern Bauminseln, erneuern Tütenspender für Hundekotbeutel oder sammeln Unrat von Wegen und Grünflächen im Stadtteil Styrum auf: 20 arbeitslose Frauen und Männer, die psycho-sozial und gesundheitlich beeinträchtigt sind sowie Arbeitslosengeld II beziehen, erhalten mit Hilfe der Arbeitsgelegenheit „Aktiv im Stadtteil“ (AiS) der hiesigen Sozialeinrichtung „Ruhrwerkstatt“ nicht nur die Möglichkeit, Erfahrungen in beruflichen Tätigkeiten zu sammeln und ihren Alltag wieder zu organisieren, sondern verbessern auch gleichzeitig das Wohnumfeld des Stadtteils.

„Nach einem ersten Durchlauf im Jahr 2013 konnte die Maßnahme ab dem Sommer vergangenen Jahres erneut durchgeführt werden“, freut sich Renate Weiß, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Ruhrwerkstatt. Denn sie weiß um die Wichtigkeit der Arbeitsgelegenheit „AiS“ für die Arbeitslosen: „Die Teilnehmer sind schon sehr lange aus dem Erwerbsleben heraus, so dass auch ihre Kompetenzen nicht mehr abgefragt wurden – da ist es umso wichtiger, ihnen eine sinnvolle Aufgabe zu geben.“

Bauminseln gepflegt

Das bestätigt auch Ralf Langnese, Bereichsleiter der Abteilung Weiterbildung: „Die Menschen, die zu uns kommen, bringen ein Bündel an gesundheitlichen Problemen mit, haben zudem ein geringes Selbstwertgefühl und sind zurzeit nicht Arbeitsmarktkonform. Doch mit der Maßnahme bekommen sie wieder eine Alltagsstruktur und werden aus der Anonymität herausgeholt.“

Die 20 Teilnehmer hatten in den vergangenen Monaten alle Hände voll zu tun, um den Stadtteil zu verschönern: Auf der Styrumer Allee haben sie die von der Vorgängermaßnahme bereits gestalteten und aufgebauten Tütenspender für die Hundekotbeutel aufgefüllt, renoviert und teilweise erneuert, Müll aufgesammelt, Bauminseln in der unmittelbaren Nachbarschaft gepflegt, ein Insektenhotel sowie Nisthilfen für Vögel gebaut und ein Kräuterbeet angelegt. „Natürlich bekommen sie dabei eine besondere Anleitung und fachliche Unterstützung, aber sie entdecken Fähigkeiten und sehen, dass sie auch etwas leisten können – und von den Anwohnern kommen durchweg positive Rückmeldungen“, erzählt Langnese. So blüht der 57-jährige Willi seit der Maßnahme richtig auf: „Ich war vorher depressiv und Alkoholiker – jetzt habe ich damit keine Probleme mehr.“ Er schätzt vor allem das gute Verhältnis zu den Mitarbeitern und Arbeitskollegen: „Für jedes Problem findet man hier einen Ansprechpartner. Selbst wenn jemand von uns mal einen schlechten Tag hat, werden wir hier aufgefangen und nicht abgeschoben.“ Auch sein Arbeitskollege Daniel ist von der Arbeitsgelegenheit „Aktiv im Stadtteil“ begeistert: „Ich hatte eine sehr schwere Kindheit, bin auf die schiefe Bahn geraten. Das hier ist meine erste richtige Perspektive, um mein Leben anständig aufzubauen.“

Trotz des Lobs: Die Maßnahme läuft heute aus. Wie es für die Teilnehmer weitergehen wird, weiß noch keiner von ihnen. Willi: „Wir haben große Angst, wieder in den alten Alltagstrott zu verfallen.“

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