Das Geheimnis liegt in Oberhausen in der Soße

Kapern in der Soße gehören zu Königsberger Klopsen einfach dazu.
Kapern in der Soße gehören zu Königsberger Klopsen einfach dazu.
Foto: Fabian Strauch
In der 7. Folge der Serie „Das isst der Pott“, in der wir Leibgerichte unserer Leser vorstellen, geht es um Königsberger Klopse von Frau Henseleit.

Oberhausen.. Es gibt nicht viel, was Manfred Henseleit in der Küche zu schaffen hat. Eigentlich macht er hier nur ab und an mal Kruschkemus, eine süße Milchsuppe mit Birnen aus seiner ostpreußischen Heimat. Ansonsten führt Hannelore Henseleit hier das Regiment. Es sei denn, es gibt Königsberger Klopse, so wie heute. Da darf ihr Mann dann doch kurz mitmischen: als Abschmek­ker in Soßen-Angelegenheiten. Ei­ne Aufgabe, die er mit großem Ernst erfüllt, wie wir sehen werden.

Auch die Königsberger Klopse sind eine Spezialität aus Ostpreußen. Hannelore Henseleit hat das Rezept von ihrer Schwiegermutter. „Da kommen viele Geschichten hoch“, sagt sie. Mehrmals hat sie sich mit ihrem Mann auf die Spuren seiner Vergangenheit begeben, in Tilsit, dem heutigen Sowetsk in Nordwestrussland, direkt an der litauischen Grenze.

Nach mehreren Geschichten von damals müssen wir Manfred Henseleit stoppen. Er darf beim alkoholfreien Bier im Wohnzimmer abwarten, bis seine Frau ihn ruft. Die schreitet gleich zur Tat und knetet Hackfleisch, Zwiebeln und Brötchen. Alles ist bestens vorbereitet. Die Gewürze warten aufgereiht auf ihren Einsatz und die Kartoffeln hat Hannelore Henseleit auch schon geschnibbelt, wie für eine richtige Kochshow im Fernsehen. „Sonst gibt’s das ja nur sonntags bei uns“, erzählt die 60-Jährige schmunzelnd. Ein Festtag sei dies deshalb heute für ihren Mann. Wenn’s nach ihm ginge, müsste sie auch so viel zubereiten, dass es für die ganze Woche reicht. Von seinem Lieblingsessen bekommt der 76-Jährige nie genug.

Zügig geht’s voran: Hannelore Henseleit formt die Kloße („Ganz so dick mag ich sie auch nicht“) und lässt sie in den Topf mit Brühe plumpsen. „Wenn man gerne kocht“, sagt sie, „geht das ruckzuck.“ Aber dann gibt es doch eine Einschränkung: Bei der Soße, da müsse man aufpassen, „dass die Mehlschwitze, die Brühe und die Buttermilch nicht ansetzen.“ Das erfordere Fingerspitzengefühl. Ihr Tipp: „Immer schön rühren.“

Wenn niemand da wäre, der sie davon abhält, dann würde die Klosterhardterin jetzt ein bisschen lesen. „Australische Sagen, Historisches oder Liebesromane.“ Nun erzählt sie uns von ihrem Berufsleben. Mehr als 30 Jahre hat sie im Krankenhaus gearbeitet. Erst als Hauswirtschafterin, später als Hilfskraft auf der Station kam sie ihrem Traumberuf Krankenschwester zumindest ziemlich nah. Und lernte so auch ihren Mann kennen: „Das war 1973 im St. Josef. Er arbeitete da als Maler.“

Auftritt des Handwerkers im Ruhestand in der Küche. Er darf jetzt abschmecken. Nimmt einen Löffel Soße, schmeckt genau hin, schweigt und nickt dann zufrieden. Sein Lieblingsessen, es ist ihr wieder einmal gelungen.

Un so geht’s

Zuaten: 500 Gramm Gehacktes (halb und halb), ein Brötchen, ein Ei, eine Zwiebel, 500 ml Buttermilch, 100 Gramm Mehl, 50 Gramm Butter oder Margarine, Kapern, Zitronensaft, Salz und Pfeffer.

Einige Zeit vor dem Kochen schon das Brötchen in etwas Wasser einweichen. Das Gehackte (Frau Henseleit nimmt immer halb Schwein, halb Rind) mit dem weichen Brötchen, dem Ei, der Zwiebel, etwas Salz und Pfeffer mischen und aus der Masse kleine Klopse formen (Aus 500 Gramm Hackfleisch werden etwa neun bis zehn Stück). Diese dann in Brühe köcheln lassen. Nach 20 Minuten rausholen. Die Brühe nicht wegschütten. Fett und Mehl in der Pfanne zu einer Mehlschwitze bereiten, dann diese mit Brühe von den Klopsen und der Buttermilch zu einer Soße binden. Zum Schluss mit Kapern, Zitronensaft und Salz abschmecken. Dazu gibt es bei Henseleits gerne Salzkartoffeln und Rote Beete.

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