Das ganze Schmachtendorf zeigt Flagge

Zum Abschluss der Festwoche „250 Jahre Schmachtendorf“ gab es einen historischen Festumzug. Foto: Kerstin Bögeholz
Zum Abschluss der Festwoche „250 Jahre Schmachtendorf“ gab es einen historischen Festumzug. Foto: Kerstin Bögeholz
Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.. Die Knirpse haben Spaß. Sie sitzen brav in einer Reihe. Auf Schulbänken. In historischen Kostümen. Der Lehrer steht vorne. Ebenfalls gewandetet wie es in vergangenen Jahrhunderten üblich war. Ein tolles Bild und der Clou daran: Für die Szenerie aus der Schmachtendorfer Geschichte muss man nicht einmal in einer Schlange anstehen – denn das Klassenzimmer rollt.

Am Sonntagmittag zieht der große Festumzug durch den Ortsteil. Und der Wagen der Gemeinschaftsgrundschule ist ein Teil davon. 250 Jahre Schmachtendorf wird zu einem riesigen Feiertag. Die ganze Woche über haben sich die Gäste im Zelt am Buchenweg getroffen. In den Einrichtungen bei kleinen, aber feinen Veranstaltungen gefeiert. Das Dorf rückt zusammen. Und zeigt, welche kreativen Ideen im Norden schlummern.

An langes Ausschlafen denkt keiner: Schon früh pilgern die Besucher zum Marktplatz – und die Bewohner verlagern ihr Wohnzimmer an den Straßenrand. Zeltpavillons stehen in der Einfahrt. Bunte Fahnen wehen an den Häuserfassaden. Überall klebt das Schmachtendorfer Wappen. An der Bierzeltgarnitur werden Mettwurst und Käsehappen serviert. Dazu ein Gläschen Sekt. Die Nachbarschaft trifft sich. Wunschlos glücklich? „Wir haben extra eine Kerze angezündet. Hoffentlich bleibt es trocken!“

Zwar gibt es kein Sonnenwetter und auch ein Paar Tropfen, aber die ganz große Dusche bleibt aus. Am Startpunkt „Am Dunkelschlag“ ist man guter Dinge. Mehr als 120 Einheiten haben sich angemeldet. Damit ist die Parade sogar etwas größer als Karnevalsumzug in der Innenstadt. Vereine, Institutionen – das ganze Dorf zeigt Flagge. Die Länge des Zuges: stolze 1600 Meter. Die Wegstrecke: 4,5 Kilometer. Vorbei am Buchenweg, über die Sternstraße, Lütticher – und Oranienstraße. Der Straßenrand ist gut gefüllt, aber es gibt kein Geschiebe. Nach Angaben der Polizei sind 50.000 Besucher gekommen. Das Publikum feiert die dörfliche Gemütlichkeit.

Die Stimmung: zwischen Karnevalszug und Fronleichnamsprozession. Trinkgelage sieht man nicht. Dafür gibt es viele staunende Gesichter: Denn alle Wagen sind historisch abgestimmt. Preußische Kapellen marschieren vorweg. Dazu: Feuerwehrfahrzeuge aus Großvaters Zeiten. Die Reiterei galoppiert mit 40 Pferden über den Straßenasphalt. Auch das Handwerk thematisiert den Wandel der Zeit: Klempner oder das metallverarbeitende Gewerbe haben Werkzeuge wie Hammer und Zangen an die Wagen montiert – säuberlich dekoriert mit Birkenzweigen. Die Bauern zeigen die Ernte, die Sportler ihre Lebensfreude. Eine Gruppe mit reiferen Athleten findet: „Wer turnt, hat mehr vom Leben.“

Auch die Karnevalsvereine sind dabei. Doch was ruft man eigentlich den Wagen zu? Manchen kommt fast versehentlich ein „Helau“ über die Lippen. Doch es wird improvisiert: „Hallo Schmachtendorf!“ Statt Kamelle verteilen die Ehrensenatoren der 1.KG Königshardt Körnerbrötchen. Alles muss passen.

Musik? Gibt es auch! Zehn Kapellen sorgen für den richtigen Ton. Sogar Ministerpräsidentin Hannelore Kraft fährt einen Teil der Strecke in einer Kutsche mit. Zum Knattern der alten Trecker fällt das Fazit einstimmig aus: „So etwas erlebt man nur einmal im Leben!“#

 

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