Dampflokverein steht vor dem Aus

Jahrelang kümmerten sich die Mitglieder des Vereins Dampflok-Tradition Oberhausen (DTO) liebevoll um die Instandhaltung historischer Lokomotiven und Eisenbahnwaggons, regelmäßig organisierten sie die beliebten nostalgische Sonderfahrten für alle Bürger. Doch der Verein ist in finanzielle Schieflage geraten, am 10. August ordnete das Amtsgericht Duisburg das vorläufige Insolvenzverfahren an. Der Grund: Das Finanzamt soll dem Verein die Gemeinnützigkeit aberkannt – und nachträglich Steuern verlangt haben. Doch diese Steuerschuld kann der Verein finanziell nicht tragen.

Formale Gründe für die Pleite

„Der Verein selbst hat den Antrag für das Verfahren am 12. Juli gestellt“, erklärt Maximilian van Kell von der Oberhausener Sozietät Schwentker-Bückmann, das die vorläufige Insolvenzverwaltung übernommen hat. Der Fahrbetrieb mit den alten Loks und Waggons für Touristen wurde bereits im Frühjahr eingestellt. Dass die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde, will van Kell nicht bestätigen, er spricht von formalen Hintergründen. Es sei wohl zu spät, daran jetzt noch was ändern zu können.

Van Kell ist mit umfangreichen Rechercheaufgaben betreut. Zwar hat der Verein zahlreiche Waggons und auch zwei Loks gepflegt und für öffentliche Sonderfahrten genutzt, doch ein Großteil davon ist nicht in seinem Eigentum, gehört vielmehr einer anderen Gesellschaft oder der Bahn AG; mit beiden steht er in Kontakt.

Zudem ist der Besitz des Vereins nicht leicht zu Geld zu machen. „Da ist beispielsweise ein historischer Speisewagen.“ Auch eine Dampflok soll sich in Vereinsbesitz befinden. Doch findet man dafür wirklich ernsthafte Kaufinteressenten? Einen Verkauf müsste der Vorstand vornehmen, in Absprache mit dem Insolvenzverwalter. „Es gibt auch eine riesige Menge an Ersatzteilen, Güterwaggons sind damit voll bis unter das Dach“, sagt der Insolvenzverwalter. Man sei dabei, sich einen genauen Überblick zu verschaffen. Van Kell hat mit dem Deutschen Bahnmuseum Kontakt aufgenommen, das bei der Durchsicht Unterstützung signalisiert hat. Van Kell geht davon aus, dass der Verein am Ende des Verfahrens aufgelöst wird. Vielleicht bestehe aber auch die Chance, eine Nachfolgelösung zu erreichen, von der die Züge, die Liebhaber historischer Eisenbahnen und die Bahn AG profitieren können. „Alle Beteiligten haben ein Interesse daran, dass es irgendwie weiter geht.“ Wenn er alle Unterlagen erhalten und gesichtet hat, will der Insolvenzverwalter eine Mitgliederversammlung des Vereins organisieren. Dort könnte dann über die Zukunft der Dampfloktradion in Oberhausen gesprochen werden. Der Verein selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

 
 

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