„Damit haben wir nicht gerechnet“

Familie Gashi ist glücklich über ihr neues Zuhause – gemeinsam wollen sie die Zimmer nach und nach einrichten. Im Bild v.l.: Mutter Fakete, Vater Halil, Sohn Flamur und Tochter Rona.
Familie Gashi ist glücklich über ihr neues Zuhause – gemeinsam wollen sie die Zimmer nach und nach einrichten. Im Bild v.l.: Mutter Fakete, Vater Halil, Sohn Flamur und Tochter Rona.
Foto: Herbert Höltgen
Familie Gashi ist von der Flüchtlingsunterkunft an der Bahnstraße in eine eigene Wohnung gezogen – endlich gibt es mehr Platz für die Kinder.

Oberhausen.. Für Familie Gashi ist die Wohnung in der zweiten Etage ein Geschenk. „Hier ist viel mehr Platz und Ruhe“, sagen die Eltern der drei Kinder. Als die Familie, die aus dem Kosovo stammt, Ende Dezember vergangenen Jahres in Deutschland ankam, musste sie sieben Monate in der Flüchtlingsunterkunft an der Bahnstraße mit Hunderten Flüchtlingen aus den verschiedensten Ländern verbringen – zu Fünft auf engstem Raum.

Nun durfte sie endlich an der Thüringer Straße in Buschhausen eine eigene Wohnung mit gut 96 Quadratmetern beziehen. Doch die Freude über ihr neues Zuhause ist getrübt, denn die Asylanträge der Familie laufen noch – ihre Zukunft in Oberhausen ist ungewiss.

Hell ist die Wohnung, sie wirkt freundlich und warm, obwohl sie bislang nur mit dem Nötigsten ausgestattet ist. Die Wände sind kahl, es gibt noch keine Dekoration. Doch die Familie ist zufrieden: „Wir sind überglücklich, haben jetzt mehr Platz für die Kinder“, freut sich Vater Halil für seine Familie. Vor allem die beiden Älteren, Fitore und Flamur, haben nun Rückzugsmöglichkeiten zum Lernen.

Erst mal an die Ruhe gewöhnen

Denn den aufgeschlossenen Kosovaren stehen statt einem nun zwei Schlafräume zur Verfügung. Außerdem können sie ein großes Wohnzimmer mit Balkon, eine Küche, einen geräumigen Flur und ein Bad nutzen – etwa 96 Quadratmeter. Die Haltestelle liegt direkt vor der Haustür: „Wir können mit dem Bus Richtung Innenstadt oder Sterkrade fahren – einfach super.“

Die erste Nacht war für alle noch etwas ungewohnt: „In der Flüchtlingsunterkunft ist immer etwas los, ob laute Musik oder Leute, die sich bis in die Nacht draußen unterhalten. Hier ist es hingegen sehr ruhig – das komplette Gegenteil, daran muss man sich erstmal gewöhnen“, erzählt Vater Halil. Lachend ergänzt Sohn Flamur: „Wir haben hier super geschlafen.“

Dass die Familie innerhalb weniger Wochen nach Antragstellung eine Wohnung gefunden hat, sorgt für große Freude: „Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Es gab noch eine Wohnung an der Marktstraße – diese hier hat uns aber besser gefallen.“

Unterstützung vom Sozialamt

Gemeinsam mit Freunden hat der Vater die Wohnung vor dem Einzug renoviert und geputzt: „Wir haben die Küche und das Wohnzimmer neu gestrichen“, erzählt er. Auch das Badezimmer wurde erneuert. Mit Sack und Pack hat die Familie dann in der vergangenen Woche den Wohncontainer gegen die größere Wohnung eingetauscht. „Beim Umzug haben alle mitgeholfen – innerhalb einer Stunde hatten wir alles eingepackt und in die Wohnung gebracht“, sagt der Vater.

Flüchtlinge in Deutschland Mitnehmen durfte die Familie nur die Möbel, die sie sich auch angeschafft hat: einen Esstisch, Geschirr, die Couch, einen Schuhschrank, Matratzen, einen Fernseher und einen Wohnzimmertisch. „Nach und nach wollen wir die Räume einrichten und weitere Möbel besorgen“, erzählt der Vater. Hilfe findet die Familie dabei beim städtischen Sozialamt: „Wir haben von den Mitarbeitern eine Übersicht mit verschiedenen Anlaufstellen in der Stadt für Möbel und Haushaltssachen bekommen.“

Schulstart für Fitore und Flamur

Und es ist für die Familie ein Neuanfang in doppelter Hinsicht: Die 17-jährige Fitore ist ihrem großen Traum einen Schritt näher gekommen. Sie beginnt mit einer Ausbildung zur Krankenpflegerin und besucht seit zwei Wochen das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg. Und weil aller guten Dinge drei sind, gibt es weitere erfreuliche Neuigkeiten: Auch Flamurs Ehrgeiz hat sich ausgezahlt. Seit diesem Montag besucht der 20-Jährige das Hans-Sachs-Berufskolleg, um eine Ausbildung zum Informatiker zu absolvieren.

Halil Gashi: „Ob es tatsächlich mit einem Studienplatz geklappt hätte, wissen wir nicht. Eine Ausbildung ist daher sicherer – studieren kann er später immer noch.“

Die kleine Wohnung an der Bahnstraße ist nun frei für eine neue Familie. Ob aus Syrien, dem Kosovo oder aus Afrika – die Menschen kommen nach Oberhausen auf der Suche nach einem besseren Leben.

 
 

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