Busfahrer nach Überfall in Oberhausen traumatisiert

Stoag - Busfahrer Peter Wolf wurde im Bus überfallen und musste am Auge operiert werden.
Stoag - Busfahrer Peter Wolf wurde im Bus überfallen und musste am Auge operiert werden.
Foto: WAZ FotoPool
Vor rund einem Monat ist der Oberhausener Busfahrer Peter Wolf von einem angetrunken Fahrgast attackiert und schwer verletzt worden. Bleibende körperliche Schäden wird er wohl nicht davon tragen. Doch die Angst vor einer erneuten Auseinandersetzung mit einem Fahrgast ist geblieben.

Oberhausen.. Das Gesicht ist noch immer geschwollen, die Augen sind entzündet und manchmal versagen sie auch ganz ihren Dienst. Aber Peter Wolf ist wieder zu Hause – „und es geht mir von Tag zu Tag besser“. Vor knapp vier Wochen hatte ein angetrunkener Fahrgast den 58-jährigen Busfahrer so schwer verletzt, dass er zwei Mal an den Augen operiert werden musste. „Voraussichtlich werde ich aber keine bleibenden Schäden zurückbehalten“, ist Wolf erleichtert.

Knochen verschoben

Das sah wenige Tage nach dem Angriff noch ganz anders aus. Bei der Attacke des Unbekannten hatte Peter Wolf schwere Gesichtsverletzungen erlitten: Der Augenhöhlenboden war gebrochen, die Knochen verschoben, das Auge verrutscht. Wolf litt unter Sehstörungen, sah alles doppelt. „Ich hatte wirklich große Angst, dass das so bleibt, ich meinen Führerschein verlieren würde und meinen Beruf nicht mehr ausüben könnte.“

Wie lange es dauert, bis Peter Wolf wieder seinen Dienst antreten kann, ist noch ungewiss. „Einige Wochen werden es wohl sein, vielleicht auch Monate.“ Er wolle aber auf jeden Fall wieder als Busfahrer arbeiten, sagt Wolf, gleichzeitig aber sei ihm bange: „Ich weiß nicht, wie es sein wird, wenn ich das erste Mal wieder im Bus sitze.“ Wie wird er reagieren, wenn während einer Nachtfahrt ein Betrunkener den Bus betritt? Wie, wenn sich ihm jemand plötzlich von der Seite nähert? Was wird er tun, wenn es im Bus zu einer Auseinandersetzung zwischen angeheiterten Fahrgästen kommt?

"Ich will eigentlich gar nicht daran denken"

Es sind immer die gleichen Fragen, die ihm durch den Kopf gehen. „Ich will eigentlich gar nicht daran denken. Aber momentan habe ich eben viel Zeit dazu.“ Nachts liege er stundenlang wach, in ruhigen Minuten spult er das Geschehene auch tagsüber immer wieder ab: „Ich denke dann darüber nach, was passiert ist und warum es passiert ist“ – ergebnislos. Der Opferschutzberater der Polizei habe ihm geraten, einen Psychologen aufzusuchen: „Einen Termin habe ich schon, das kann mir nur helfen.“

Eigentlich möchte Peter Wolf im August mit Freunden eine lange geplante Motorradtour durch die Dolomiten unternehmen: „Ob das was wird?“ Da ist sich der 58-Jährige noch nicht ganz sicher. Die Hoffnung aufgeben will er nicht, doch der Angriff des Unbekannten habe sein Leben gehörig durcheinandergebracht.

„Die Chance, dass sie den Täter noch bekommen, ist wohl sehr gering“, meint Wolf. Er hofft auf einen Zufall – „vielleicht verplappert er sich ja in einer Kneipe, wenn er betrunken ist und jemand meldet es der Polizei“ – und wünscht sich, dass der Täter gefasst und verurteilt wird. Beschreiben könne er den Mann nicht. „Aber wenn ich ihn sehe, werde ich ihn wiedererkennen“, sagt Wolf. „Was mir an diesem Tag passiert ist, werde ich nicht vergessen.“

EURE FAVORITEN