Bram Jansens Käthchen feierte Premiere auf kleiner Bühne

Ein als Märchen für Erwachsene in Szene gesetztes „großes Ritterschauspiel“, kurzweilig mit schönen Effekten. Theater zum Genießen. Es geht um den Widerstreit zwischen Vernunft und Gefühl. Regisseur lässt die Figuren als Marionetten agieren.

Oberhausen. Als Märchen für Erwachsene inszeniert Bram Jansen, der junge niederländische Regisseur, das „große historische Ritterschauspiel“ von Heinrich Kleist. Sein „Käthchen von Heilbronn“ auf der kleinen Bühne im Malersaal des Theaters stellt die Suche nach der Wahrheit in den Mittelpunkt, die den Dichter umtrieb.

Es geht um den Widerstreit zwischen Vernunft und Gefühl sowie um die Abhängigkeit des Menschen von gesellschaftlichen Normen und den Drang, sich davon zu lösen.

Werden wir an unsichtbaren Fäden geführt oder können wir uns frei bewegen? Beides, meint der Regisseur und lässt die beteiligten Figuren als Marionetten agieren, die ins Schauspiel hinüber gleiten. Das ist amüsant und schafft einen Abstand zum Geschehen, das im finsteren Mittelalter spielt.

Die Inszenierung

Finster lässt Jansen das Spiel beginnen, denn die Verhandlung vor dem heimlichen Gericht, in der der Waffenschmied (Torsten Bauer) den Grafen vom Strahl (Jürgen Sarkiss) beschuldigt, seine Tochter zu verhexen, erleben die Zuschauer entweder als Hörspiel oder verfolgen sie schemenhaft mit Hilfe eines Nachtsichtgeräts. Ein geschickter Schachzug, zwingt er doch dazu, sich aufs Zuhören zu konzentrieren, was die von den beteiligten Schauspielern hervorragend intonierte Kleistsche Sprache in den Vordergrund rückt. Als Licht ins Dunkel kommt, bleibt’s geheimnisvoll-mystisch. Schließlich sind weissagende Engel im Spiel neben Eifersucht, Intrige und Machtstreben.

Angenehm ist, dass die Inszenierung keinerlei Längen enthält. Sehr gelungen sind die Kostüme (Esmeé Thomassen), die Musik (Jorg Schellekens) und die Bühne (Guus van Geffen), beeindruckend die Leistung von Maskenbildner Thomas Müller, der die Charaktere erst zu dem macht, was sie sind: Wesen zwischen Realität und Fantasie, die übrigens alle mimisch, gestisch und sprachlich überzeugen.

Bram Jansens Käthchen ist Theater zum Genießen, sehr kurzweilig mit vielen schönen Effekten.

 
 

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