BOB: Flüchtlingsheim auf belastetem Boden?

Andrea Rickers

100 Flüchtlinge sollen künftig auf dem Zirkusplatz an der Kapellenstraße eine Bleibe finden. Auf einem Boden, der mit Schwermetallen belastet ist!? So lautet jedenfalls der Vorwurf der neuen Bürgerinitiative „Wohnumfeld Kapellenstraße“ sowie der Ratsfraktion des Bündnisses Oberhausener Bürger (BOB). Beide verweisen auf ein Gutachten der Firma Geotech aus dem Jahr 2002, wonach in Bodenproben des Zirkusplatzes erhöhte Arsengehalte ermittelt wurden.

Laut Gutachten sind in zwei Proben jeweils einmal die Prüfwerte des Bundesbodenschutzgesetzes für Wohngebiete beziehungsweise für Kinderspielplätze überschritten worden. Der Gutachter empfahl damals, das Areal als Spielverbotsfläche kenntlich zu machen und bei einer Neunutzung Flächen zu versiegeln oder zu überdecken.

Bürgerinitiative und BOB kritisieren die Standortauswahl der Rathausspitze und bezweifeln, „dass überhaupt objektive Kriterien an die Flächenauswahl angelegt wurden“ (Bürgerinitiative). BOB-Fraktionschef Karl-Heinz Mellis sieht große Versäumnisse bei der Festlegung der Standorte: „Die Kriterien Altlasten und Kosten stehen offensichtlich nicht auf der Prüfliste der Verwaltung. Ansonsten ist es nicht nachvollziehbar, wie ein Grundstück in die Liste genommen wird, welches gesundheitsgefährdende Kontaminationen aufweist und damit völlig ungeeignet ist, um Flüchtlingen ein Zuhause zu bieten.“

Wissen um das Problem

„Dieses Gutachten ist uns bekannt und die Bodenbelastung wurde bei der Auswahl des Standortes mit berücksichtigt“, sagt Planungs- und Umweltdezernentin Sabine Lauxen. „Es handelt sich an der Kapellenstraße um einen typischen Ruhrgebietsboden mit Bauschutt, Bergematerial, Sanden, Schlacken.“ Die punktuellen Belastungen des Bodens seien kein Grund, von der geplanten Nutzung abzusehen. „Wir wissen um das Problem und werden damit umgehen. Das Gelände wird so hergerichtet, dass die Menschen dort gut leben können“, sagt Sabine Lauxen.

Das Gelände müsse befestigt werden, neu abgedeckt und unter Umständen auch versiegelt werden. Welche Maßnahmen im Detail nötig sind und was diese kosten werden, „dazu können wir jetzt noch keine Angaben machen“. Aber die Standorte seien hoch- und runtergeprüft worden und der an der Kapellenstraße gehört mit den anderen vier genannten (Duisburger- und Ruhrorter Straße, Sperber- sowie Gabelstraße), „wo wir die Unterkünfte am schnellsten und kosteneffektivsten umsetzen können“.

Der stete Hinweis der Stadtverwaltung auf den Zeitdruck, unter dem die Entscheidungen für die Flüchtlingsstandorte stehen, „ist ein hausgemachtes Problem“, meint Karl-Heinz Mellis. Die Zahl der Flüchtlinge steige vorhersehbar bereits seit vier Jahren. „Die Verwaltung hat dennoch bis heute auf das Prinzip Hoffnung gesetzt und kein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt.“