Blutspende scheitert an Sprache

Stephanie Weltmann

Oberhausen. Muss man Deutsch sprechen können, um Blut zu spenden? In der Aksemseddin-Moschee in Holten hat diese Frage am Freitag für Verunsicherung und Ärger gesorgt. Dort hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf Einladung der Gemeinde sein Spendemobil aufgestellt. Vor allem türkische Landsleute sollten gewonnen werden, Blut zu geben. Doch wer nicht genug Deutsch verstand, durfte nicht spenden.

„Das hat uns keiner gesagt“, sagt Hümeyra Celik. Die 22-jährige Studentin will selbst Blut spenden, sie ist an diesem Freitagmorgen aber auch gekommen, um ihrer Mutter und vielen anderen beim Übersetzen der deutschen Unterlagen ins Türkische zu helfen. Zu dritt sitzen die jungen Frauen im Versammlungsraum der Moschee, übersetzen für jede Frau, die Hilfe braucht, in langen Gesprächen den gelben Bogen, den jeder Spender zur Krankheitsgeschichte ausfüllen muss.

Keine Übersetzung im Besprechungszimmer

Mit dem Bogen in der Hand begleiten die Dolmetscherinnen die Frauen zum Mobil, übersetzen dort, dass der Arzthelfer ihnen ins Ohrläppchen pikst, um den Hämoglobinwert zu messen. Vor der Tür zum Besprechungszimmer, in dem der Arzt mit letzten Fragen wartet, ist mit der Übersetzung aber Schluss.

„Hier spreche ich mit den Spenderinnen allein“, sagt Dr. Theocharis Gimpiritis und zieht die Tür zu. Dolmetscherinnen bleiben draußen. Denn hier geht es um Vertrauliches: Jeder Spender bekommt vor der Blutabnahme einen Bogen zum „Vertraulichen Selbstausschluss“. Mit einem Sticker darauf kann jeder geheim für sich entscheiden, ob die Spende auch verwendet werden soll.

Auf dem Bogen sind Gründe angegeben, warum das Blut nicht weitergegeben werden sollte. Etwa, weil man ungeschützt mit einem neuen Partner geschlafen hat. Geschrieben ist die Liste auf Deutsch, Spender müssen sie selbst lesen. „Das sind intime Fragen, wird etwas falsch übersetzt, steht der Arzt dafür ein“, sagt eine Arzthelferin. „Das ist keine Diskriminierung, sondern eine rechtliche Frage. Hier geht es um die Sicherheit der Blutspenden.“

Einige gehen nach Hause

Die 42-jährige Serife Celik ist enttäuscht. Sie kann den Bogen nicht ohne Hilfe lesen, will aber spenden. „Wie mein Bruder.“ Einige Frauen stehen verunsichert vor dem Mobil, andere gehen nach Hause.

„Der Gemeinde ist gesagt worden, es kann nur spenden, wer auch die deutschen Unterlagen versteht“, sagt Iris Knipping vom DRK. Sie spricht von einem „Missverständnis. Eine Dolmetscherin kann doch erklären, worum es beim Selbstausschluss geht, dann entscheidet die Spenderin trotzdem vertraulich für sich.“

Letztlich findet Dr. Gimpiritis eine Lösung. Im Zweiaugengespräch liest er Serife Celik die Punkte auf dem Bogen vor, erklärt sie mit einfachen Worten. „Ich unterliege der Schweigepflicht, damit bleiben die Antworten vertraulich.“ Aber, heißt es zu den übrigen Frauen: „Wer selbst meine Erklärung nicht versteht, kann nicht spenden.“