Bandidos weihen Clubheim in Oberhausen ein

Das Oberhausener Bandidos-Chapter „Del Centro“  hat sein Vereinsheim eingeweiht.  Foto: Ulla Emig WAZ FotoPool
Das Oberhausener Bandidos-Chapter „Del Centro“ hat sein Vereinsheim eingeweiht. Foto: Ulla Emig WAZ FotoPool
Foto: Ulla Emig/ WAZ FotoPool
Das Oberhausener Bandidos-Chapter „Del Centro“ hat am Wochenende mit rund 300 weiteren Bandidos aus Deutschland sein Vereinsheim eingeweiht. Bierstand, qualmender Grill und Zelte mit Bank- und Tischreihen vermittelten Schützenfest-Atmosphäre.

Oberhausen.. Was an diesem Samstag in Oberhausen abläuft, ist einem Schachspiel vergleichbar. Mit dem Unterschied: Die beiden gegnerischen Parteien, Polizei und Rocker, wissen um die Strategie und nächsten Züge des jeweils anderen. Die Polizei kontrolliert die Rocker bereits kurz nach deren Einreise in die Stadt, um unliebsamen Überraschungen erst gar keinen Nährboden zu bieten. Die Rocker haben, so sagt es ein Polizeisprecher, die Anweisung von ganz oben: Ruhig bleiben, nur ja nicht auffallen.

Und so ist das, wenn das Oberhausener Bandidos-Chapter „Del Centro“ mit rund 300 weiteren Bandidos aus Deutschland sein Vereinsheim einweiht:

Die Ankunft der Rocker: Rund um das Clubhaus, das in Sterkrade an der Heidstraße liegt, hat die Polizei vier Kontrollstellen eingerichtet. Straßensperren sind das mit zehn bis 30 Polizeikräften aus Einsatzhundertschaften. Das sind nur einige wenige Polizisten, von den Hunderten, die an diesem Samstag auch wegen des RWO-Spiels im Einsatz sind.

Am Kontrollpunkt „Von-Trotha-Straße“, wie die übrigen bereits um 17 Uhr eingerichtet, stehen Kuttenträger bereits mehr oder weniger ordentlich aufgereiht auf dem Gehweg. Einer nach dem anderen wird von Polizisten durchsucht. Ja, auch die Schuhe müssen die Herren ausziehen. Drogen oder Waffen könnten darin versteckt sein. Die Bandidos, die mit Autos oder Harleys angereist sind, lassen die Prozedur über sich ergehen.

Eine Anwohnerin, die in ihrem Auto im kleinen Stau an die Kontrollstelle feststeckt, ist entnervt: „Ich wohne hier“, sagt die Frau. Ihre kleine Nichte liege in der Wohnung im Bett und heule, weil ihr das alles nicht geheuer sei. Und: „Mit meinen Hunden kann ich nicht raus gehen, weil die Angst vor all diesen Menschen haben“, erklärt die Anwohnerin weiter.

Es sind nicht nur Bandidos, deren Personalien die Polizei festhält. Irgendwann knattert auch eine Gruppe Oberhausener Freeway Riders mit Harleys in den Kontrollpunkt. Nach Einschätzung der Polizei sind beide Clubs befreundet. Michael, der Pressesprecher der Banditen, wird später dagegen von einem ganz alt eingesessenen Oberhausener Motorradclub reden.

Schützenfest-Atmosphäre am Clubhaus der Rocker

Vor und im Clubhaus, dem ehemaligen Xanadu: Um 18 Uhr hat die Party offiziell begonnen. Um 20 Uhr treffen immer noch Bandidos am Vereinsheim ein. Die Ankommenden begrüßen die bereits Anwesenden mit dem obligatorischen Handschlag. Ein Bierstand draußen, ein mächtig qualmender Grill, der wegen des Regen kurzerhand unter einem Zelt postiert und weitere Zelte mit Bank- und Tischreihen vermitteln draußen ein wenig Schützenfest-Atmosphäre.

Michael, nicht nur PR-Mann, sondern auch Vize-Präsident der Recklinghäuser Bandidos, empfängt Pressevertreter und korrigiert seine erste Ansage: Das Chapter „Del Centro“ hat nicht 20, sondern 30 Mitglieder mit Supportern sogar über 50. Und der Vorstand des Chapters posiert dann sogar fürs Foto. Da stehen sie: Präsident, Vize-Präsident, Sergeant-at-Arms (Waffenmeister), Treaserer (Schatzmeister). Nur ihre Namen wollen die Herren nicht nennen.

Ach ja, der Präsident hat sich gerade das 1 %-Symbol auf dem Hals tätowieren lassen. Ein Symbol, das viele der Herren als Patch auch auf ihren Kutten tragen - und das sich einst in den USA jene verdienten, die sich entsprechend danebenbenommen hatten.

Im Vereinsheim: Ist die Stimmung nicht viel anders als draußen. Man trinkt was, unterhält sich. Wie ne richtige Sause wirkt die Party nicht. Eher wie eine Pflichtveranstaltung, zu der man muss, bei der sich alle aber auch ein wenig langweilen. Aber immerhin zeigen die Bandidos Flagge. Das sei überhaupt ihr Anliegen, sagt ein Polizeisprecher. Oberhausen ist die Grenze zwischen Ruhrgebiet und Rheinland, zwischen Bandidos-Grund und Hells Angels-Revier. Nachdem nun die Rotlichtmeile Flaßhofstraße fest in Hells Angels Hand sei, wollten die Bandidos nach ihrem Rückzug 2012 aus der Innenstadt die Stadt nicht gänzlich aufgeben und gründeten 2013 erneut ein Chapter – diesmal jenseits des Kanals.

 
 

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