„Bahnhof nicht einfach zupflastern“

Stephanie Weltmann
Foto: Michael Nicolas
Schallschutz am Sterkrader Haltepunkt ist schon jetzt ein Streitpunkt bei Betuwe. Wohl im Frühjahr bekommen Bürger Einblick in Unterlagen für Schienen-Ausbau

Oberhausen. Nach einer über zwei Jahrzehnte andauernden Debatte um den Ausbau der Güterbahnstrecke Betuwe wird es für Oberhausener Bürger nun ernst: Die Deutsche Bahn AG hat beim Bundeseisenbahnamt Planungsunterlagen für den sieben Kilometer langen Streckenabschnitt im Oberhausener Norden zur Prüfung eingereicht.

Geplant ist die Strecke auf drei Gleise auszubauen, was die Anzahl der Güterzüge um ein Vielfaches erhöhen wird. Anwohner fürchten Lärmbelastung; weil auch Gefahrengut über die Strecke transportiert wird, wurden zudem mehrfach Sicherheitsbedenken laut.

Vertreter der Bürgerinitiative „Betuwe – so nicht“ rechnen damit, dass die Planungsunterlagen noch im Frühjahr für die Öffentlichkeit ausgelegt werden. Dann haben Anwohner auch die Chance, Einwände zu äußern. Vom Betuwe-Ausbau sind 30 000 Oberhausener direkt betroffen – ein zentraler Streitpunkt wird wohl der Sterkrader Bahnhof sein.

Private Grundstücke kaum betroffen

Die Deutsche Bahn AG plant vor der Offenlage der Unterlagen eine Veranstaltung, um Anwohner über den Ausbau zu informieren. Dabei soll auch geklärt werden, an wen sich Bürger mit ihren Einwänden wenden müssen. Anschließend liegen die Planungsunterlagen vier Wochen im Rathaus aus. Die Frist, um Kritik zu äußern, dauert zwei weitere Wochen an.

Bürger in anderen Städten haben sich bereits geäußert - und nicht zu knapp: 890 Briefe zählte das Voerder Rathaus, in Dinslaken haben 580 Bürger Einwände schriftlich formuliert. Mit einer so hohen Resonanz rechnet Initiativen-Sprecher Manfred Flore in Oberhausen nicht. „Hier sind weniger private Grundstückseigentümer von dem Ausbau betroffen, in erster Linie ist es die Stadt selbst.“ Eine Ausnahme bilde Barmingholten: „Da grenzen viele private Grundstücke ans Planungsgebiet.“

Alle Einwendungen werden von der Bahn AG geprüft, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. „Wenn sie plausibel und machbar sind, werden die Vorschläge in die Planungen eingearbeitet.“ Geprüft werden technische Machbarkeit und auch die Kosten von Umplanungen.

Teil des Ausbauplans ist die Sanierung des Sterkrader Bahnhofs für neun Mio Euro. Der Bahnhof soll zudem hohe Schallschutzwände bekommen, ein Konzept, mit dem Flore in dieser Form nicht konform geht: „Man kann den Bahnhof nicht einfach zupflastern. Er muss ansehnlich bleiben.“ Es brauche kreative Vorschläge beim Schallschutz. „Da werden wir der Bahn Einiges abverlangen.“