Auswege aus dem Klischee

Kunstaktion im Flüchtlingsheim: Die Darsteller der Gruppe Ruhrorter erinnerten mit einer Szene aus ihrem Stück „Zwei Himmel“ an Ensemblemitglieder, die bereits abgeschoben worden sind.
Kunstaktion im Flüchtlingsheim: Die Darsteller der Gruppe Ruhrorter erinnerten mit einer Szene aus ihrem Stück „Zwei Himmel“ an Ensemblemitglieder, die bereits abgeschoben worden sind.

Oberhausen.. Flüchtlingsgeschichten erzählen ohne die Schreckensszenarien der Medien und ohne dabei die Menschen selbst wieder zu Opfern zu machen – geht das? Die Theater- und Kunstgruppe „Ruhrorter“ unternimmt diesen schwierigen Versuch. Ein wichtiger Schritt dabei: Die Flüchtlinge selbst sind hier die Akteure. Am vergangenen Samstag zeigten sie einen Ausschnitt aus ihrem Theaterstück „Zwei Himmel“ im Flüchtlingscontainerdorf an der Weierstraße.

Sie erzählen dort nicht einfach ihre Story, sondern verarbeiten ihre Erlebnisse in der Sprache der Kunst, in Bildern, die selten direkt auf Geschehnisse verweisen. „Ich kann meine Probleme schildern, ohne sprechen zu müssen“, sagt die Ägypterin Reem und wirkt erleichtert, die Marokkanerin Sabrina stimmt ihr zu.

Inszenierung ohne Worte

So wie in dem Ausschnitt, den die „Ruhrorter“ an der Weierstraße zeigen. In der Inszenierung ohne Worte spielen sie sich auf unsichtbaren Instrumenten zu, verschließen ihre Ohren, streuen Erde auf drei Briefe, die an bereits abgeschobene Ensemblemitglieder erinnern sollen. Der Zuschauer muss sich dafür öffnen, sich reindenken, statt die Geschichte einfach nur zu konsumieren.

Das sich über einen solchen Bilderfundus entwickelnde Theaterstück „Zwei Himmel“ ist dabei nur ein Teil des Projekts, das in einer ehemaligen Asylunterkunft an der Ruhrorter Straße 110 in Mülheim einen festen Standort hat. „Wir versuchen, die Themen in den verlassenen Räumen mit einer Kunstinstallation kontinuierlich sichtbar und erfahrbar zu machen“, sagt Regisseur Adem Köstereli.

„Theater stellt Kommunikation her“

[kein Linktext vorhanden] Daneben bearbeiten Kunstaktionen wie die an der Weierstraße das Themenfeld ‘Flüchtlinge’. „Wir haben etwa Leute auf der Straße gefragt, was sie mitnehmen würden, wenn sie in 15 Minuten das Land verlassen müssten. Denn das ist die Situation von Flüchtlingen.“

Köstereli hat bereits in mehreren Projekten mit Einwanderern gearbeitet. Immer wieder ging es dabei um die Frage: Wie bricht man die stigmatisierenden Opfer- und Angstbilder von ‘Flüchtlingsströmen’ auf? Wie wird aus dem Objekt der Rechtsprechung und Einwanderungspolitik wieder ein Subjekt, ein Mensch? Vielleicht mit Hilfe des Theaters: „Es stellt die Kommunikation her“, lobt Darsteller Peimann aus dem Iran das Projekt. „In anderen Ländern könnten wir nicht spielen, was wahr ist, ohne uns verstellen zu müssen.“

 
 

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