Aufregung um Nacktbilder-Verbot in Oberhausen

Foto: Privat
30 Beschwerden führten zur Entfernung von Bildern der Künstlerin Maria Mancini aus ihrer Ausstellung im Technischen Rathaus. Stadtdechant ruft zu mehr Toleranz für die Kunst auf. OGM-Chef Hartmut Schmidt, der das Abhängen veranlasste: Wir mussten abwägen.

Oberhausen. Hat die stadteigene Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM) zu Recht gehandelt, als sie vier Bilder der Künstlern Maria Mancini im Technischen Rathaus abhängen ließ, weil sich Bürger von den dargestellten nackten Frauenbrüsten belästigt fühlten? Die Antworten darauf fallen sehr unterschiedlich aus.

Oberbürgermeister Klaus Wehling fand die Werke überhaupt nicht anstößig. Dass sie entfernt wurden, habe ihn schon überrascht. „Ich hätte die Bilder nicht abgehängt. Die Freiheit der Kunst ist für mich ein sehr hohes Gut.“

Gleichstellungsbeauftragte Britta Costecki stellt die Freiheit der Kunst nicht in Abrede, weist aber auf den Ort hin: „In einem öffentlichen Raum ist das wieder etwas anderes.“ Sie hat Verständnis dafür, dass die OGM auf die Befindlichkeiten von Bürgern Rücksicht genommen habe, sie habe richtig gehandelt. Kunst muss man viel Raum geben, aber in einem Kunst-Raum. Verlässt man ihn, muss man auch die Gedanken und Gefühle der Menschen berücksichtigen.“ Dieselbe Aufmerksamkeit wünscht sie sich bei allzu freizügigen Werbetafeln, beispielsweise an Straßenrändern.

Nackte Engel der Barockzeit

Stadtdechant Peter Fabritz betont die Freiheit der Kunst und sieht in dem Vorgang ein Grundproblem unserer Tage: „Es immer allen recht zu machen, das geht nicht. Toleranz kommt vom lateinischen Wort ,tolere’, und das bedeutet ,ertragen’. Kunst war immer sehr freizügig, denken Sie etwa an die nackten Engel der Barockzeit.“ Wer das nicht ertrage, dem rät er: „Man kann ja auch weggucken.“

Das Thema erregt auch viele Leser: Die allermeisten zeigten sich empört über die Entfernung der Bilder. Leserin Claudia Mischke sieht das anders: Die Katholikin sagt: „Es ist beleidigend für Frauen, dass diese immer nackt gezeigt werden. Das gilt für die Kunst wie für die Werbung.“

Völlig anderer Meinung ist Marie-Luise O’Byrne-Brandl, eine von drei Sprechern des Arbeitskreises Oberhausener Künstler: „Es ist ein Skandal, dass die Bilder abgehängt wurden. Das ist ein Abgrund von Piefigkeit. Nacktheit gehört zur Kunst wie die Luft zum Atmen.“

Für die Leiterin der Ludwiggalerie, Christine Vogt, hat die Diskussion nichts mit der Kunst zu tun. „Es geht um die Frage des Raums. Ein Rathaus ist etwas anders als etwa unsere Galerie, das ist eine ganz andere Umgebung.“ Besucher hätten sich auch schon über ausgestellte Werke in der Ludwiggalerie beklagt, aber dort wären sie natürlich nicht abgehängt worden.

Und was sagt der Geschäftsführer der OGM, Hartmut Schmidt, der das Abhängen veranlassen ließ? „Eine Grenzziehung ist immer schwierig. Wir mussten abwägen.“ In den zweieinhalb Tagen, die die vier Werke ausgestellt waren, beschwerten sich rund 30 Personen. „Die kamen übrigens aus allen Bereichen und Altersgruppen.“ Es sei falsch, wenn man meine, es seien überwiegend Migranten gewesen, die sich beklagt hätten.

 
 

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