Archäologie-Verein forscht in Baugrube in Oberhausen-Holten

Holtener Boden erzählt seine Geschichte: Die "Freunde der Archäologie im Raum Oberhausen" (FARO) stellen in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland  in Oberhausen-Holten ihre archäologischen Arbeiten vor.  Foto: Kerstin Bögeholz
Holtener Boden erzählt seine Geschichte: Die "Freunde der Archäologie im Raum Oberhausen" (FARO) stellen in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland in Oberhausen-Holten ihre archäologischen Arbeiten vor. Foto: Kerstin Bögeholz
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Bis die Baugenehmigung für das Gelände an der Krummestraße erteilt ist, dürfen die Vereinsmitglieder der "Freunde der Archäologie" dort nach der Stadtgeschichte graben. Wichtiger als wertvolle Funde ist dabei, die Vergangenheit Holtens zu begreifen.

Oberhausen-Holten.. Die Baugrube sieht aus wie der Tatort eines Verbrechens. Flatterband schottet das Gefälle ab. Feine Schnüre vermessen dicht über dem Erdreich die Distanz. In den Sand hat jemand gelbe Kronkorken gedrückt - auf der Außenseite sind Nummern eingetragen.

Freunde der Archäologie ermitteln

Mitten in Holten wird ermittelt. Doch die Maßnahmen haben keinen kriminalistischen Charakter. Obgleich in einem der Schächte an der Krummestraße Knochenreste freiliegen und der Teil eines Schädels sichtbar wird. Auf einem Privatgelände forschen die „Freunde der Archäologie Oberhausen“ (FARO) in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland und der Unteren Denkmalbehörde Oberhausen nach Überresten aus vergangenen Jahrhunderten. Bis die Baugenehmigung für das Gelände erteilt ist, haben die Besitzer dem Verein nach Abrissarbeiten ihre Baustelle für die Forschung zur Verfügung gestellt. Ein Glücksfall.

Fast wie in Rom

„Holten bietet sich für Ausgrabungen an - das ist fast wie in Rom“, sagt Albert Karschti, Geschäftsführer des Vereins mit einem Augenzinkern. Der mittelalterliche Stadtkern bietet Archäologen ein wahres Paradies. „Es kann passieren, dass jemand in seinem Garten mit dem Sparten gräbt und bereits Stücke findet.“ Nirgends im Stadtgebiet sei die Chance größer, erkenntnisreiche Fundstücke zu sichern als im Norden.

Mit der Kelle, bei Feinarbeiten mit einem Pinsel, wird der Untergrund freigelegt. Schicht für Schicht reisen die Entdecker um Jahrhunderte zurück. Im Querschnitt sind die verschiedenen Zeitphasen im Erdreich deutlich erkennbar, die Schichten sind farblich und in ihrer Konsistenz unterschiedlich - feiner Sand ist manchmal zwischen Torf gepresst. Karschti: „Dunkle Stellen deuten auf eine Brandschicht hin. Aus Recherchen wissen wir, wann es hier ein Feuer gab.“ So können Fundstücke zugeordnet werden. Diese werden später im Labor zeitlich näher bestimmt.

Geldwert der Funde ist zweitrangig

Erfolge sind zahlreiche Funde. Der Hals eines Bartmannkruges, einem grünen Behältnis mit auffälliger Musterung, der dem 17. oder 18. Jahrhundert zugeordnet wird. Aus der gleichen Zeit stammt wohl das Fragment einer Porzellanpfeife. Eine weitere Keramikscheibe stammt aus dem 13. Jahrhundert, vermuten die Forscher in Holten. Ob die Gegenstände auch einen Geldwert haben, richtet sich nach Zustand und Art des Fundes. Für die Archäologen ist dies aber zweitrangig. Viel wichtiger sei es, die Vergangenheit des Ortes zu begreifen. Denn: Der Holtener Boden erzählt seine Geschichte. So werden derzeit erhaltene Teile eines Schachtes und einer Wegstruktur freigelegt. Auf dem Grund des Schachtes sind Schädel- und Körperknochen aufgetaucht. Offenbar ist ein Tier hier im Wasser auf den Grund gesunken und über Jahrhunderte mit Erdreich bedeckt worden.

Karschti: „Es ist eine sehr gute Gelegenheit, hier zu forschen. Zu oft geht Geschichte für immer verloren.“

 

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