Ansturm auf Ganztags-Betreuung

Der Offene Ganztag in Oberhausen stößt an seine Grenzen: In Anbauten, die ursprünglich für 50 Kinder geplant waren, drängeln sich fast 100 Grundschüler. Für die Kleinen bedeutet das: In Schichten geht’s zum Mittagstisch und zur Hausaufgabenbetreuung. Für das Essen selbst, die Unterstützung beim Lernen bleibt oft zu wenig Zeit. Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder gibt es kaum. Lärmpegel und Enge verwandeln eine sinnvolle Freizeitgestaltung auch für die Betreuer in einen Kraftakt.

Mehr als4000 Schüler

Wie in Bottrop und Mülheim steigt der Bedarf an Plätzen im Offenen Ganztag in Oberhausen seit Jahren – und das trotz sinkender Schülerzahlen. Nutzten 2013 noch 3954 Kinder dieses Angebot, waren es 2014 bereits 4016 Schüler. „Das entspricht fast 60 Prozent aller Kinder in den Grundschulen“, sagt Stadtsprecher Martin Berger. „Bislang haben alle Eltern mit Betreuungsbedarf in Oberhausen aber einen Platz erhalten.“

Der Offene Ganztag sei eine gute Sache, sind sich die Träger einig. Sorgen bereiten Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Kurbel, Ev. Kirchenkreis Oberhausen sowie den Schulen, die das Angebot eigenständig organisieren, aber die zunehmende räumliche Enge. „Wir sind zwischenzeitlich sogar auf Kirchenräume ausgewichen“, erzählt Guido Ernek, Leiter des Caritasbereichs Familie. Eine solche Lösung sei aber nur im Einzelfall möglich. „Die Wege sind meist einfach zu lang.“ Als umständlich habe sich auch die zusätzliche Nutzung von Klassenräumen erwiesen. „Denn die Zimmer müssen dafür täglich umgeräumt werden.“

Dass es trotzdem noch immer zu einer qualitativ recht guten Betreuung komme, sei nur dem hohen Engagement und der Kreativität der Ganztagsmitarbeiter zu verdanken. Es müssten aber schnellstmöglichst Dauerlösungen her.

Stadtsprecher Berger räumt ein: „Durch die Schließung von Grundschulen kam es zeitweise zu räumlichen Engpässen.“ Vor Herausforderungen habe die Träger dabei auch die Aufnahme von Flüchtlingskindern innerhalb des laufenden Schuljahres in internationale Vorbereitungsklassen gestellt.

Für eine rasche Entschärfung der Lage aber fehlen der klammen Kommune die entsprechenden Gelder. Immerhin: Um auf die aktuell stetig sinkenden Schülerzahlen reagieren zu können, erarbeitet die Stadtverwaltung im nächsten Jahr einen neuen Zukunftsplan für alle Schulen für die Jahre 2016 bis 2020.

Stadtsprecher Berger verspricht: „Im Rahmen dieser Planung der Stadt Oberhausen soll auch die Situation des Offenen Ganztags an allen Standorten neu bewertet werden.“

 
 

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