Altweiber in Oberhausen - Launige Lichtblicke im Konfetti-Regen

Dirk Hein
Möhnen im Möhrenkostüm: Wie hier vor dem Rathaus wurde in Oberhausen an Altweiber gefeiert.
Möhnen im Möhrenkostüm: Wie hier vor dem Rathaus wurde in Oberhausen an Altweiber gefeiert.
Foto: FUNKE Foto Services
Längster Narren-Ticker der Welt: Die Möhnen ziehen in Oberhausen mit einer Schirm-Parade vom Altmarkt zum Rathaus. Was zur Weiberfastnacht los war.

Oberhausen. Je oller, desto toller? Die tollen Tage haben mit ihren Ausläufern die Stadt erreicht. Wolkenlos glücklich sieht anders aus, doch die Möhnen nehmen es mit Humor — und Schirm. Der wuselige Karnevalstag im längsten Narren-Ticker der Welt.


10 Uhr: Was isst man eigentlich an Altweiber? Ein Möhn-Brötchen? Vielleicht, die CDU bittet im Hotel zum Rathaus zum Prinzenfrühstück. Politiker heben die Fraktionsgrenzen auf. Ex-Kämmerer Bernd Elsemann geht als Schotte. SPD-Ratsherr Manfred Flore bleibt lieber ein Blauer Funke. Ansonsten: Seemänner, Mönche, Mariechen – nur OB Daniel Schranz trägt schwarz. Auf der Nase. Schwarze Pappnasen machen die Runde.

10.30 Uhr: Oberkarnevalist Walter Paßgang schickt Prinz Thomas I. auf die anstrengende Reise und übt sich im Witzeerzählen. Der Prinz denkt schon an den zu erobernden Stadtschlüssel: „Der Oberbürgermeister sollte lieber im Rathaus sauber machen, dann muss ich das später nicht tun.“ OB-Sprecher Hannes Fritsche schmeichelt einer besonderen Frau auf seinem T-Shirt: „I don’t need Google, my wife knows everything!“ („Ich brauche kein Google, meine Frau weiß alles!“) Sein knapper Kommentar: „Stimmt doch auch!“


11 Uhr: Ja, können die denn Gedanken lesen? Die „Drei Dötze“ singen „Die Hände zum Himmel“ und alle Schirme sind schon obenauf. Dunkle Wolken, fröhliche Narren: „Da kann man nichts machen, in den vergangenen Jahren hatten wir viel Glück“, sagt eine Besucherin im Clownskostüm. Folie schützt die Uniformen. „Wir lassen uns den Spaß nicht verderben“, schallt es aus einer Gruppe Feier-Frauen. Vorsicht, Bierdeckel bedecken Sektgläser. Nachschenken vom Himmel ist nicht erwünscht. Schmuddel-Wetter sorgt für weniger Schunkel-Freund(innen), knapp 500 sind wasserfest. Bestes Kostüm: Die Zeichentrick-Figuren Marge und Lisa Simpson. Genial gelb! Auf der (überdachten) Bühne üben sich die Herren der AOK Weiß-Rot als Kavaliere: „Rot, Rot, Rot sind die Rosen!“


12 Uhr: Regen, überall Konfetti-Regen. Und das Kinderprinzenpaar Silvan I. und Chantal II. wartet auch noch auf den Sturm — aufs Rathaus. Ein bisschen Zeit ist ja noch. Und so erinnern sie sich an weite Reisen während der Session. Ein tolles Ziel: Am vergangenen Wochenende ging es nach Neukirchen-Vluyn. Sparkassen-Chef Bernhard Uppenkamp, dort Ehrensenator, hatte die Mini-Tollitäten eingeladen.
13 Uhr: Abmaaaarsch! Jetzt sind die Trutzburgen der Narr-bel der Karnevalswelt. Prinz Thomas verhaftet. Am Polizeipräsidium herrscht Einigkeit bei Ordnungshütern und Karnevalisten: „Auf einen friedlichen Karneval!“ Die Kommandeuse zückt die Handschnellen, der neue Polizeipräsident Ingolf Möhring wird einkassiert. Hände hoch!


13.30 Uhr: „Der bleibt hier!“, schallt es durch das Foyer im Amtsgericht. Direktor Joachim Busch erhält lautstarke Unterstützung. Richter Michael Bonifacio ist Verteidiger. Er gibt den „Calli“ Calmund. Nutzt nix. Aber wer will schon klagen?


13.45 Uhr: Die Karawane zieht weiter — zum Finanzamt. Es ist zwar kühl, aber gleich Weihnachtsmannkostüme? Egal, es geht ans Eingemachte. Dienststellenleiterin Jutta Kieseler-Thanscheidt kann sich keine großen Chancen ausrechnen. Einkassiert. Der gigantische Rotstift, sparsamerweise existiert das Stück seit 30 Jahren, hilft nicht, der Prinz funktioniert wie ein Radiergummi. „Wenn Sie mitkommen möchten?“


14 Uhr: Drei Chefs verhaftet – nun wartet auf Neu-Oberbürgermeister Daniel Schranz die närrische Feuertaufe. Sein Vorgänger Klaus Wehling sang, dichtete und reimte schon erfolglos auf den Treppenstufen des Rathauses gegen die royal-jecke Eroberung. Schranz lässt sich nicht lumpen. „Kaum habe ich den Stadtschlüssel erobert, schon muss ich ihn wieder hergeben!“ Das Partyzelt vor dem Rathaus bebt. Hüttengaudi statt Freiluftsause. „Draußen verläuft die Schminke so“, sagt eine Piratin. Arggg, na gut!


15.30 Uhr: Was geht denn hier ab? Erst mal ein Stück vom Engel, der es locker nimmt und sich vom begleitenden Teufelchen die Flügel zurechtrücken lässt. Der Altweiberball der KG Weiß-Grün HOAG in der Luise-Albertz-Halle ist schon auf Siedetemperatur. Knapp 800 Frauen, weniger als im Vorjahr, singen sich warm. Dschungelcamp-Bewohnerinnen, Krankenschwestern und Kobolde reimen gemeinsam frei nach Vicky Leandros: „Ja, ja, wir lieben das Leben!“


17 Uhr: „Altweiber ist nur einmal im Jahr, Olé, Olé und Schalala!“ Ja, sind wir denn schon wieder auf Mallorca? Fast! Peter Wackel ist als Stargast angekündigt und beim Partybarden bleibt die Stimmung meist stabil. Wackliger ist es da schon auf den Stühlen, die an den langgezogenen Tischen manchen Möhnen als Balkon dienen. Unten: Klopfer, Klopfer, Klopfer. Oben: „Guuute Aussicht!“ Jau, Helau!


18 Uhr: Ein langer Tag und noch ist nicht Schluss. Hunger! Was landet auf Tellern oder in Tupperdosen? „Frikadellchen, Gürkchen und Würstchen!“ Dafür ist zwischendurch auch mal Bützchen-Pause „Sorry, Schokoküsse schmecken besser!“ Was ein Quark, meint mancher Mann - ist aber logisch.