Altstar Michy Reincke kommt nach Oberhausen

Musiker Michy Reincke bei einem Auftritt im vergangenen Jahr.
Musiker Michy Reincke bei einem Auftritt im vergangenen Jahr.
Foto: dpa
In den 1980er-Jahren hatte Michy Reincke mit „Taxi nach Paris“ einen Riesen-Hit. Inzwischen hat er sich von Zwang befreit, noch einmal Musikgeschichte zu schreiben. Auf der Bühne steht er aber immer noch. So auch am 17. April in Oberhausen.

Oberhausen.. „Reichtum des Lebens heißt, mir heute zu überlegen, was kann ich auf die Beine stellen, das mir jetzt Freude bereitet – und mich im Hinblick auf die Zukunft stolz macht, dass ich die Zeit so genutzt habe.“ Nein, kein Guru sinniert hier, und auch kein Pfarrer predigt seiner Gemeinde: Es ist Michy Reincke, der da seine ganz eigene Philosophie umreißt. Genau, jener Sänger, dessen „Taxi nach Paris“ in den 1980er Jahren deutschlandweit in der Erfolgsspur unterwegs war und mit dem mindestens eine halbe Generation die Schönheit von Valérie besang – mit Sicherheit auch wieder bei seinem Konzert am 17. April im Oberhausener Ebertbad.

Und der doch so viel mehr komponiert und geschrieben hat als jene „vier populäreren Lieder, die auch im Radio schon mal hoch und runter gelaufen sind“, wie der Hamburger ganz nüchtern mit Blick auf seine Erfolge feststellt. Ohnehin sieht der Pop-Poet die deutsche Radiolandschaft kritisch: „Wenn die zu Abspielstationen von Top-Hits aus den USA werden und nur deutschsprachige Titel nach deren Verkaufszahlen senden: Warum beschäftigen die dann eigentlich noch Musikredakteure?“

Was den 55-Jährigen nicht davon abhält, dem Mainstream auf seinem aktuellen Album erneut etwas andere Töne entgegenzusetzen – auch wenn Titel wie „Hatte ich dich nicht gebeten im Auto zu warten“ oder „Ich will die Sache nicht unnötig in die Länge ziehen“ nicht in die Top Ten der Charts gelangen.

Keine Feuerwerke mehr

Doch für ihn zählt anderes: „Es geht darum, Dinge sehr bewusst zu tun, keine Angst zu haben und sich nicht zu schämen – und wenn ich mir das in einer bescheidenen, demütigen, respektvollen Art vornehme, kann das Leben sehr viel einfacher sein als zwischen 20 und 30.“ Und so ist es denn auch alles andere als einer jener Musikerstandardsätze, wenn Reincke sich über die musikalische Reduktion seiner Auftritte glücklich zeigt: „Ich habe in meinen Konzerten eine Stufe erreicht, wo ich gerne vor zuhörenden Menschen spiele und mich freue, dass keine Feuerwerke mehr abgebrannt werden müssen.“

Inzwischen ist Michy Reincke frei vom Drang, unbedingt noch einmal Popgeschichte schreiben zu wollen: „Natürlich scheue ich nicht die Popularität, doch mich dafür in meiner Produktionsweise zu verbiegen – so ticke ich nicht.“

Erfolgsparameter interessieren nur am Rande

Was auch der Blick auf sein Musiklabel Rintintin belegt: „Im kaufmännischen Sinn haben wir keinen großen Erfolg“. Und tatsächlich scheinen Reincke gängige Erfolgsparameter wie Chartplätze, Albenverkäufe oder Einschaltquoten nur am Rande zu interessieren: „Eine Kultur, die ihre Qualität irgendwann nur noch über Quantitäten definiert, wird breit sein, aber nicht tief – es macht die Menschen einfach nicht klüger.“

Der Auftritt: 17.4., Oberhausen, Ebertbad, 20 Uhr, Karten (24 Euro) unter 0208/2054028

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