Als Musik noch echte Handarbeit war

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Oberhausen.. Die „Missfits“ haben es getan. Die Punkband „Emscherkurve 77“. Und zuletzt sogar das Düsseldorfer Star-Ensemble „Die Toten Hosen“. Sie alle haben Oberhausen ein Lied gewidmet. Dabei sind solche Liebesbekundungen - ob ironisch oder herzlich - in der hiesigen Musiklandschaft nicht neu.

Heute steckt in kleiner Technikgleich ein komplettes Orchester

Theo Behle gehört zu den ersten Liedermachern, die sich in Oberhausen auf lokale Inhalte konzentrierten, und damit zahlreiche Tonträger verkaufen konnten. Der heute 74-Jährige hat bereits bekannten Künstler seine Zeilen in den Mund gelegt und nach großen Erfolgen auch im reiferen Alter noch viel vor.

In seinem Arbeitszimmer wirkt die Szenerie ein wenig wie in einem Museum: An der Wand hängen alte Zeichnungen aus dem Stadtleben, die CDs stapeln sich auf dem Schreibtisch. Daneben: Die Schnittgeräte und digitalen Helfer für das Komponieren. Hier gibt es keine Museumsstücke. Behle ist immer mit der Zeit gegangen. „Es ist schon erstaunlich, wie sich die Art des Liederschreibens verändert hat.“ 1956 griff er zum ersten Mal in die Saiten seiner Gitarre. „Das war noch echte Handarbeit!“ Noch mit einem analogen Aufnahmegerät wurde mitgeschnitten. Heute funktioniert alles mit technischen Hilfsmitteln. „Es ist bedeutend komfortabler geworden. In einem kleinen Gerät steckt plötzlich ein ganzes Orchester.“

Songs für die Sterkrader Kirmesund die Landesgartenschau

„Früher traf man sich noch in der Siedlung zum gemeinsamen Singen. Das hat mich immer fasziniert.“ Daher gründete er mit Manfred Koppers und Adolf Gerhards im Jugendalter auch die Gruppe „Die drei Dötze“, in der er letztlich bis 1982 selbst spielte. „Die Dötze“ sind noch heute aktiv - die Stadionhymne „Ri-Ra-Ro, RWO“ gehört zu den großen Erfolgen. „Die Musik sollte immer nah bei den Hörern sein“, sagt Behle. Musik mit Texten, die eine Stadt versteht - oder die aus dem Ruhrgebiet stammt. Auch die Integration lag Behle immer am Herzen. „Egal welche Abstammung einer hat, im Ruhrgebiet gehören alle zusammen.“ So begann Behle zu komponieren. Für die Alte Oberhausener Karnevalsgesellschaft schrieb er Songs mit lokalem Stolz. „Unsere Stadt ist auch schön“ und „Oberhausen, wie lieb ich dich“. Später folgten Hits zur Sterkrader Fronleichnamskirmes oder der Landesgartenschau in Osterfeld.

Wenn Theo Behle durch seine Alben mit Ausschnitten aus Zeitungen und Fotos blättert, bleibt er nicht nur bei den „Drei Dötze“ hängen: Mit der Gruppe hatte er drei TV-Auftritte, etwa bei der Eröffnung der Stadthalle. Zu Karrierebeginn spielte er als 22-Jähriger noch im Vorprogramm eines Mülheimer Kinos.

"Die Musik war immer ein Hobby für mich"

Ein besonderer Teil seiner Karriere: Heino! Der von Behle geschrieben Titel „Einer von uns“ (1996, auch Albumtitel) verkaufte sich stolze 107.017 Mal. Thema: Die Inte­gration im Pott. Ebenfalls aus seiner Feder: „Eine Träne“. Eine Ruhrpott-Liebesgeschichte zwischen einem Schalke-Mädchen und BVB-Jungen. Sechs Lieder schrieb er für den großen Volksmusik-Star. Behle macht bis heute stolz, dass einige der Lieder auch auf den „Best of“-CDs des Künstlers zu finden sind. Doch wie kam Behle überhaupt in die Nähe des Stars? Ein Künstleragent spielte Heino Demos vor. „Heino hat die Lieder im Autoradio gehört - danach wollten wir uns treffen.“ Vor einem Konzert wartete Behle schließlich auf den Sänger. Weil der Weg in Halle aber durch Baustellen versperrt war, wollte der Oberhausener den Sänger vor den Toren abholen und ihn zum Halleneingang geleiten. „Ich war so aufgeregt und habe nur gesagt: ‘Ich bin ihr neuer Songwriter. Ich zeige ihnen, wo es langgeht!’“

Das herrliche Missverständnis wurde aufgeklärt. Heute erhält Behle immer noch kleine Schecks mit Gema-Tantiemen. Keine Reichtümer, wie der gelernte Stahlbauschlosser sagt. „Die Musik war immer ein Hobby für mich.“

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