Oberhausen

Aidshilfe fordert Toleranz für Homosexuelle

Von Marcel Sroka
Natalie Rudi, Geschäftsführerin der Aidshilfe, fordert Toleranz für Homosexuelle ein.
Natalie Rudi, Geschäftsführerin der Aidshilfe, fordert Toleranz für Homosexuelle ein.
Foto: Ulla Emig wazfotopool
Ein Fünftel der Menschen in NRW hat eine feindselige Einstellung gegenüber Schwulen und Lesben. Kaum Outings in Oberhausen, aus Angst um die berufliche Existenz

Oberhausen. Der heutige internationale Tag der Toleranz, der von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde, steht für Offenheit und Respekt gegenüber Menschen mit anderer Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder auch sexueller Ausrichtung. Dass aber in vielen Lebensbereichen, auch in Oberhausen, immer noch Vorurteile und Diskriminierung ein Thema sind, zeigt eine aktuelle Studie des NRW-Gesundheitsministeriums. So hat ein Fünftel der Menschen in Nordrhein-Westfalen homophobe Einstellungen, legt also eine feindselige Haltung gegenüber Schwulen und Lesben an den Tag. Ein Viertel will homosexuellen Menschen die gleichen Rechte in Bezug auf die Ehe verweigern.

Für Natalie Rudi, Geschäftsführung der örtlichen Aidshilfe, die in ihrer Beratungsstelle ebenfalls Anlaufstelle für Homosexuelle ist, sind diese Zahlen wenig überraschend. „Im privaten Umfeld wird oft gesagt, Homosexualität sei überhaupt kein Problem. Wenn man dann aber fragt, ob Schwule oder Lesben Kinder haben sollten, wendet sich das Bild.“ Rudi spricht hierbei von einer „Pseudo-Toleranz“.

„Schwulsein findet hier nicht in der Öffentlichkeit statt"

Das zeige sich auch besonders in Oberhausen. „Schwulsein findet hier nicht in der Öffentlichkeit statt. Die Szene fühlt sich in Oberhausen nicht wohl, sondern tendiert eher in Richtung Essen oder Köln.“ Das sei vor zehn Jahren noch etwas anders gewesen. Aber heute ist es für Rudi kaum denkbar, dass ein gleichgeschlechtliches Paar mitten auf der Marktstraße Händchen hält und sich küsst.

Das führe zu einem weiteren Problem. „Es gibt kaum ein ganzheitliches Outing.“ Oftmals wisse nur der engste Freundes- und Familienkreis darüber Bescheid. „Vielfach ist es die Angst, seine eigene berufliche Existenz zu gefährden“, so Rudi. So sei ihr in der Beratung ein Paar begegnet, bei dem der eine Partner als katholischer Religionslehrer arbeitet. „Wenn die Beiden unterwegs sind und jemanden aus der Schule treffen, dann wird aus dem Lebenspartner ein guter Freund oder ein Cousin.“ Ein Outing will keiner von ihnen riskieren.

Keine eigene Beratungsstelle

Um diesen Problemen zu begegnen, und an der Situation etwas zu ändern, müsse es irgendwie an die Öffentlichkeit kommen, sagt Rudi. „Es schreit jedoch keiner auf. Wer soll das machen? Die Schwulen erleben selbst Ausgrenzung. Auch gibt es in Oberhausen keine eigene Beratungsstelle für Schwule und Lesben.“ Ein Jugendlicher, der etwa über seine Gefühle reden will, habe so keinen Ort, in dem er offen um Rat suchen kann. „Bei Pro Familia kann man es versuchen“, so Rudi.

„Es wäre gut, wenn die Kinder bereits in jungen Jahren über die Themen Mobbing und Ausgrenzung aufgeklärt würden.“ Sollten Rudi, die auch in Schulklassen geht und über Homosexualität und Aids redet, Vorurteile begegnen, gehe es darum, diese weiter zu hinterfragen und darüber aufzuklären. „Ganz ehrlich und gezielt hinterfragen, wo diese Vorurteile herkommen. Ziel ist es dann, Impulse zu geben, damit die Kinder oder Jugendlichen selbst darüber nachdenken. Ich will niemandem eine Meinung aufdrängen.“