Adipositas ist auf dem Vormarsch

Simon Rahm
Laut einer Erhebung des statistischen Landesamtes sind Adipositas-Erkrankungen um 83 Prozent gestiegen. Annette Chen-Stute hält die Zahlen
Laut einer Erhebung des statistischen Landesamtes sind Adipositas-Erkrankungen um 83 Prozent gestiegen. Annette Chen-Stute hält die Zahlen
Foto: Ulla Emig WAZFOTOPOOL
Immer mehr Oberhausener haben mit Gewichtsproblemen und krankhafter Fettleibigkeit zu kämpfen. Ein Ausgangsgewicht von 220 Kilogramm oder mehr sei heute keine Seltenheit mehr, sagt Annette Chen-Stute vom Oberhausener Adipositas Zentrum. Sie bietet einjährige Therapien an.

Oberhausen. Es sind alarmierende Zahlen, die das Landesamt für Statistik it.nrw am vergangenen Freitag veröffentlicht hat: Einer aktuellen Erhebung zufolge wurden in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2012 83 Prozent mehr Patienten mit Adipositas, also krankhafter Fettleibigkeit, behandelt als noch im Jahr 2007. Waren es damals landesweit noch 1553 Fälle, betrug die Zahl im Jahr 2012 2838 Fälle. Betroffen waren laut it.nrw vor allem Menschen zwischen 35 und 55 Jahren.

Die Chefin des Oberhausener Adipositas Zentrums, Annette Chen-Stute, bestätigt die Erhebung: „Das Ausgangsgewicht unserer Patienten hat sich extrem erhöht. Früher kamen Menschen mit 140 Kilogramm zu uns und wir waren schockiert.“ Heute sei ein Gewicht von mehr als 220 oder 230 Kilogramm keine Seltenheit mehr, so Chen-Stute weiter.

„Da stecken sehr ungenaue Formulierungen drin“

Allerdings warnt die Medizinerin davor, solche Statistiken für bare Münze zu nehmen, ohne sie zu hinterfragen. „Da stecken sehr ungenaue Formulierungen drin. Es wird zum Beispiel nicht zwischen innerer und chirurgischer Medizin unterschieden.“ Gerade das sei aber im Hinblick auf Adipositas-Fälle wichtig, fährt Chen-Stute fort und nennt ein Beispiel: „Wenn zum Beispiel ein stark adipöser Mann ins Krankenhaus geht, um sich den Magen verkleinern zu lassen, wird er dort wegen seiner Fettleibigkeit behandelt.“

Komme ein adipöser Mensch aber aufgrund einer Folgeerkrankung, zum Beispiel einem Herzinfarkt, ins Krankenhaus, werde er dort primär wegen dieser erfasst. „Auf welche Fälle genau sich die Statistik aber letzten Endes bezieht, geht daraus nicht hervor, deshalb sind die Zahlen meiner Meinung nach mehr als angreifbar“, so Chen-Stute.

Interdisziplinäre Therapie

Im Adipositas Zentrum an der Düppelstraße therapiert sie sowohl an Fettleibigkeit leidende Kinder als auch Erwachsene. „Die Behandlung dauert in der Regel ein Jahr und ist sehr umfangreich“, erklärt die Medizinerin. Da es für Adipositas oft mehr als einen auslösenden Faktor gebe, arbeitet sie mit ihrem Team interdisziplinär. Dazu gehören Psychotherapeuten und Ernährungsberater, ebenso wie Ergo- und Physiotherapeuten, Sportlehrer und Kinderärzte.

Chen-Stute: „Man muss nach allen Gründen suchen, die zugrunde liegen können.“ Besonders Kinder seien heute oft von Adipositas betroffen, trotz aller Präventions- und Aufklärungsprogramme, die an Schulen Angeboten werden. „Die Kinder haben oft mehr Kenntnisse über gesunde Ernährung, als die Eltern.“

Eltern müssen ihre Kinder unterstützen

Dennoch seien 58 Prozent der Patienten im Adipositas-Zentrum Kinder und Jugendliche. „Darum ist es wichtig, dass die Eltern die Therapie gemeinsam mit ihren Kindern machen und sie unterstützen.“ Das sei Grundvoraussetzung für den Kampf gegen die Pfunde.