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Absurd, spaßig, schadenfroh

22.05.2012 | 11:12 Uhr
Absurd, spaßig, schadenfroh
Manja Kuhl (Charis), Martin Hohner (Jupiter), Elisabeth Kopp (Alkmene), Henry Meyer (Amphitryon). Foto: Birgit Hupfeld

Oberhausen.   Behauptungen müssen bestätigt werden. Sonst sind sie ungültig. Wie schon bei der Inszenierung von „Iphigenie“ arbeitet Zervoulakos mit Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt zusammen und fügt eigene Elemente hinzu.

Zurück von einer langen Reise, begrüßen Sie Ihre Frau. Die aber fragt Sie, was das soll. Sie seien doch schon gestern Heim gekommen und hätten eine Liebesnacht mit ihr verbracht. Wie reagieren Sie? Wütend, verwirrt, unsicher, verzweifelt?

Vorlage erweitert

„Was macht Sie zu dem Menschen, der Sie sind und was geschieht, wenn Ihnen Ihre Umgebung die Identität verweigert?“ Das interessierte, sagt Dramaturgin Simone Kranz , Heinrich von Kleist besonders an Molières „Amphitryon“. Deshalb habe er sich entschlossen, die Komödie nicht nur zu übersetzen, sondern die Vorlage durch zusätzliche Szenen zu erweitern. 1803 entstand das neue Werk in Dresden, sein Erstdruck erschien 1807. Erst 1899 wurde das Stück in Berlin uraufgeführt.

Regisseur Sarantos Zervoulakos, der mit seiner Inszenierung von Goethes „Iphigenie“ am Oberhausener Theater sehr erfolgreich debütierte, fasziniert die Problematik wie einst Kleist: „Egal, wie viel man über sich weiß, wenn die anderen es nicht akzeptieren, kann man’s vergessen“, sagt er. „Wer bin ich? Diese Frage beantwortet sich durch Ihr Gegenüber.“

Behauptungen seien eben abhängig davon, dass andere sie bestätigten. „Was ist das gelbe Viereck auf dem Bahnsteig? Die Raucherzone. Aber nur so lange, wie das Konsens ist.“ Das Theater sei in der Lage, solche Fragen ad absurdum zu führen. Und genau das passiere in seiner Fassung von „Amphitryon“. Am Freitag, 25. Mai, ist Premiere im Großen Haus.

Elisabeth Kopp spielt Alkmene, Henry Meyer ihren Gatten Amphi­tryon. Als Ehepaar überzeugten beide bereits zu Beginn der Spielzeit in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“.

Zum ersten Mal in einer Komödie zu sehen ist Manja Kuhl als Charis, Ehefrau von Sosias (Diener Amphitryons), den Klaus Zwick spielt. Beide sind zwar erstmalig ein Paar, jedoch habe Zwick sich schon lange danach gesehnt, diese Rolle einmal zu spielen und Kuhl werde beweisen, dass Komödie auch zu ihren Talenten zählt, sagt Kranz.

Wunderbar gehässig

Die Geschichte führt letztlich zur Geburt des Halbgottes Herkules: Jupiter (Martin Hohner) hat sich in Alkmene verliebt. Weil sie eine sehr treue Ehefrau ist, greift er zu einer List, um sie zu verführen: Er kommt zu ihr in Gestalt ihres Mannes. Die Nebengeschichte: Merkur (Peter Waros) trifft – als Sosias verkleidet – Charis.

Was mag der Regisseur an diesem Stoff? Den Humor. „Die Ebenen sind absurd, spaßig, komisch, wunderbar gehässig und schadenfroh.“

Nah am Zuschauer

Wie schon bei der Inszenierung von „Iphigenie“ arbeitet Zervoulakos mit Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt zusammen. Diesmal aber verzichtet der auf Reclam-Hefte, nicht nur, weil „Amphitryon“ kein Abiturstoff ist. „Wir spielen auf einer Fläche aus Aluminium, ohne Rückwand, sehr nah am Zuschauer“, verrät er. Wichtig, um die Behauptung und ihre Bestätigung durch die jeweiligen Personen zu unterstreichen, sei eine Absperrung. Das klinge zwar simpel, sei aber Ergebnis einer langen Denk- und Experimentierphase, die dazu geführt habe, alles immer mehr zu abstrahieren.

Weitere Aufführungen

Für die Premiere am Freitag, 25. Mai um 19.30 Uhr gibt’s noch Karten. Weitere Vorstellungen finden am 26. Mai, 1., 2. und 6. Juni jeweils um 19.30 Uhr statt. In den Spielplan der kommenden Spielzeit 2012/13 wird „Amphitryon“ wieder aufgenommen.


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