Abschied vom „Schrägen O.“

Vor 27 Jahren ging der Radiosender "Radio Schräges O" in der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung auf Sendung. Seit dem 1. April gibt es ihn nicht mehr.
Vor 27 Jahren ging der Radiosender "Radio Schräges O" in der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung auf Sendung. Seit dem 1. April gibt es ihn nicht mehr.
Nach 27 Jahren geht das Radioprogramm der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung letztmalig auf Sendung. Kein Platz für ein Studio.

Oberhausen.. Nach solch einer langen Zeit, ist die Wehmut nicht auszublenden: Vor 27 Jahren öffnete ein ganz besonderer Radiosender seine Mikrofone. „Radio Schräges O.“ versorgte die Bewohner der Elly-Heuss-Knappstiftung mit schallender Unterhaltung. Doch seit dem 1. April ist alles vorbei – kein Datum zum Scherzen.

Der Grund für das Aus: Der Gebäudeteil der Alteneinrichtung, der auch das Studio beherbergte, wird abgerissen. Eine geeignete Ausweichfläche gibt es jedoch nicht. Die Folge: das Aus!

Radioaktiver Rekord

Dementsprechend ist die Stimmung bei Klaus Müller und seinem Team gedrückt. „Über die Jahre haben sich viele schöne Erinnerungen angesammelt.“ Müller ist seit der ersten Stunde dabei. Und erinnert sich, warum der Radiosender überhaupt auf Sendung ging. Mitarbeiterin Ingeborg Jochems hatte damals in der „Elly“ bereits ein kleines Radioprogramm etabliert – an den Werktagen. Müller: „In der Einrichtung existierten sehr viele Aktivitäten während der Woche. Aber nicht am Wochenende.“ Daher sollte am Sonntag eine Radiosendung Abhilfe schaffen, die vor allem auch die Bewohner erreichen konnte, die – weniger rüstig – in ihren Zimmern verweilten. „Radio Schräges O. sollte ein wenig Freude bringen.“ Bis zu 500 potenzielle Hörer waren am Anfang Anreiz genug.

Mit dem Titel „Wochenend und Sonnenschein“ ging der Sender vor knapp drei Jahrzehnten auf Sendung. Initiiert von einer Handvoll ehrenamtlicher Kräfte. „Es haben sich Personen beteiligt, die Spaß am Radiomachen hatten.“ Die Berufe waren nebensächlich, so waren Zivildienstleistende, Kaufleute, Postangestellte oder – wie Müller – auch Journalisten am Werk. „Wir hatten die Chance, mit unserem Hobby etwas Gutes zu tun.“ Plötzlich waren alle radioaktiv.

Grüße von Hans Rosenthal und Frank Elstner

An Höhepunkten mangelte es nicht: „Sonntags-Journal“, „Oberhausen Aktuell“ oder „Hit Cocktail“ sind nur einige Beispiele für all die Sendungen, die sich die Radioleute einfallen ließen. Immer wieder gab es auch Live-Veranstaltungen. Klaus Müller erinnert sich gerne. An die 50. Sendung im Jahr 1986 etwa. „Damals sendeten wir aus dem großen Veranstaltungssaal und spielten zwischendurch Grüße von Prominenten vom Band ab.“ Hans Rosenthal, Dieter Thomas Heck, Reinhard Mey oder Frank Elstner – die Tonband-Botschaften genießen Nostalgiewert. „Zwischendurch klingelte dann immer das Telefon und wir haben den Gruß eines Promis eingeblendet.“

1994 konnte „Radio Schräges O.“ den Erfolg noch toppen: Zur 500. Sendung wurde die Show sogar per Video in die Zimmer übertragen. Ohne Gage traten Stars wie Margot Hellwig und Heino auf. „Alle waren aufgeregt – beide haben sogar die bettlägerigen Bewohner besucht“, erinnert sich Klaus Müller.

Versuch, einen Weltrekord zu knacken

1996 erhielt Klaus Müller stellvertretend für das gesamte ehrenamtliche Team vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog die „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“. Und 1999 startete der Sender mit der längsten ehrenamtlichen Sendung am Stück einen Weltrekordversuch – eine Woche machten Klaus Müller und seine Mitstreiter ohne Unterbrechung Programm: „Auch nachts – wir haben sogar in der Knapp-Stiftung geschlafen.“ Der Rekordversuch hatte einen Hintergrund – bei der Marathon-Aktion sammelte das Team Geld für ein neues Studio, das im Jahr 2000 eingeweiht wurde.

Am 1. April sollte alles vorbei sein. Und doch blickt Klaus Müller positiv zurück: „Es war eine tolle Zeit.“ Keine Sekunde geht übrigens verloren. Müller: „Ich habe alle Sendungen auf Kassetten bei mir daheim archiviert.“

 
 

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