50 Euro: Behinderten bleibt in Oberhausen wenig von Boni

Von 200 Euro Bonuszahlungen bleiben Angestelten in Oberhausener Behindertenwerkstätten nur 50 Euro.
Von 200 Euro Bonuszahlungen bleiben Angestelten in Oberhausener Behindertenwerkstätten nur 50 Euro.
Foto: dpa
Die Lebenshilfe zahlt für Mitarbeiter ihrer Werkstätten zweimal im Jahr 200 Euro, doch die Stadt rechnet davon 150 Euro auf Grundsicherung an.

Oberhausen.. Zweimal im Jahr gibt es für die Mitarbeiter in den Werkstätten der Lebenshilfe einen Sonderbonus. Doch von diesen Boni in Höhe von jeweils rund 200 Euro dürfen die Angestellten nur etwa 50 Euro behalten – den Rest kassiert die Stadt.

Sebastian M. (Name geändert) hält das für „total ungerecht“. Sebastian arbeitet seit 2005 im Versandservice einer der Lebenshilfe-Werkstätten. Montags bis donnerstags ist er täglich siebeneinhalb Stunden im Einsatz. Am Freitag sechs Stunden und 40 Minuten. „Damit bin ich fast bei einer 36,5-Stunden-Woche“, sagt der 28-Jährige. Sein Bruttoverdienst für diesen Vollzeitjob beträgt rund 250 Euro.

Dennoch möchte Sebastian der Lebenshilfe wegen des geringen Lohns keinen Vorwurf machen. „Das ist ein Verein, der hat wenig Geld. Außerdem würden viele von uns auf dem freien Arbeitsmarkt gar keine Stelle bekommen.“ Sebastian wohl auch nicht. Er leidet an einer Hirnschädigung, kann sich schlecht konzentrieren, hat Probleme mit dem Schreiben und Lesen. Rechnen aber liegt ihm, und ein besonderer Gerechtigkeitssinn zeichnet ihn ebenfalls aus.

In Frankfurt wird nichts abgezogen

Die Arbeit bei der Lebenshilfe mache ihm Freude, betont Sebastian. Er gehe gerne dorthin, verstehe sich gut mit den Kollegen. Damit Sebastian – er lebt selbstständig in einer Mietwohnung – über die Runden kommt, erhält er von der Stadt eine Grundsicherung plus Regelbedarf. „Ein Großteil meines Verdienstes wird darauf angerechnet“, erklärt er. Als Freibetrag behalten dürfe er nicht einmal 100 Euro monatlich. Damit stehen ihm 620 Euro pro Monat zur Verfügung – für Miete, Nebenkosten, Nahrungsmittel und alles, was er zum Leben benötigt.

Als eine Art Urlaubs- und Weihnachtsgeld zahlt die Lebenshilfe zweimal im Jahr einen Sonderbonus. „Diese jeweils 200 Euro könnten wir gut gebrauchen“, meint Sebastian. Doch da auch diese Zahlung auf die städtischen Leistungen angerechnet werden, bleiben den Mitarbeitern davon unterm Strich nur 50 Euro übrig.

Schlimmer noch: Die Bonusmonate seien für die Beschäftigten zu echten Härtemonaten geworden. Denn die Stadt ziehe bereits am Monatsanfang ab, was von der Einrichtung erst am 20. ausgezahlt werden könne.

„Das ist eine völlig unbefriedigende Situation“, bestätigt auch Lebenshilfe-Geschäftsführer Michael Bollen. Der Vorstand habe bereits das Gespräch mit der Stadt gesucht und dort für seine Beschäftigten um höhere Freibeträge gebeten. Zumal etwa die Werkstatt-Mitarbeiter in Hamburg die Hälfte dieser Zahlungen behalten dürften. Und in Frankfurt nach Verhandlungen mit der Verwaltung nun sogar alles.

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