150 Jahre Mühlen- und Familiengeschichte in Oberhausen

Die einzige noch funktionstüchtige Mühle in Oberhausen lockte am Pfingstmontag zahlreiche Gäste an.
Die einzige noch funktionstüchtige Mühle in Oberhausen lockte am Pfingstmontag zahlreiche Gäste an.
Foto: Fabian Strauch
Vor 20 Jahren wurde die Baumeister-Mühle in Buschhausen restauriert. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel, was sich am Mühlentag wieder zeigte.

Oberhausen.. Zum 20. Mal beteiligte sich Hermann Baumeister III. am Montag am Deutschen Mühlentag. Er ist Besitzer der gleichnamigen Windmühle an der Homberger Straße. Sie ist die einzige noch funktionstüchtige Windmühle in Oberhausen. Zahlreiche Besucher nutzten wieder die Gelegenheit zum Ausflug nach Buschhausen.

Dort konnten sie nicht nur in die Haube der Mühle mit ihrem beeindruckenden Mahlwerk aufsteigen und es sich erklären lassen. Unten im Hof konnten sie bei Pizza, Stockbrot oder Waffeln auch eine Pause einlegen. 20 Jahre ist es her, dass Hermann Baumeister III. die Windmühle wieder in Betrieb nahm. Seitdem wird sie manchmal noch in Gang gesetzt. Meist dient sie Besuchergruppen zur Besichtigung. Dabei blickt sie auf eine über 150-jährige Geschichte zurück, eng verbunden mit der Familiengeschichte der Baumeisters.

Damit kennt sich Reiner Skoupi (73) aus. Er heiratete vor über 50 Jahren in die Baumeister-Familie ein. „Müller waren meist wohlhabende Leute“, erzählt er. „Denn gegessen wurde immer.“ Jedenfalls konnten sie sich viele Kinder leisten. Bei Hermann Baumeister I. (1864 bis 1946) waren es 14, die seine Frau Maria zur Welt brachte. „Immer um Pfingsten herum kam ein neues“, sagt Skoupi. Elf von ihnen erlebten das Erwachsenenalter. „Die kleine Paula (4) wurde beim Spielen vom Windmühlenflügel erschlagen.“

Kraftfutter fand großen Absatz

Hermann I. hatte die Mühle um 1880 von seinem Vater Heinrich übernommen. Der begnügte sich noch damit, das Getreide für die Bauern aus der Umgebung zu mahlen. Seine Nachkommen entwickelten mehr Geschäftssinn. Hermann I. erweiterte den Betrieb um den Handel mit Mehl und Futtermitteln, zumal es immer weniger Bauern in der Nähe gab. Dazu wurde nach dem Ersten Weltkrieg mit Dampfkraft und Strom die Produktion gesteigert.

Keine große Rolle spielte Hermann II., der älteste Sohn von Hermann I., in der Firmengeschichte. Er starb noch vor dem Vater. Als Genius erwies sich aber Sohn Leo (1905 bis 1981). Er setzte ganz auf Kraftfutter. „Fast jeder Bergmann hielt sich früher Hühner und Tauben“, sagt Reiner Skoupi. Leo gründete mit dem Vater schon 1934 in Sterkrade ein Kraftfutterwerk, das 1937 nach Duisburg verlegt wurde und sich zu einem der führenden Betriebe an Rhein und Ruhr entwickelte. Ihn leitete später Hermann III., ehe er ihn Anfang der 90er Jahre verkaufte.

Mühle an den Bruder verpachtet

Die Mühle in Buschhausen verpachtete Leo an seinen Bruder Karl. Und der spezialisierte sich bald auf das Mahlen von Schrot für Schwarzbrot, verlagerte den Betrieb aber 1961 an die Weidenstraße. Seitdem stand die alte Mühle von 1848 still, verfiel und musste schließlich neu aufgebaut werden.

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