Ziel: Kulturelle Identität der Flüchtlingskinder erhalten

Bürgermeister Vogel (rechts) mit Eli Nechama (Bialik-Rogozin Campus) und  Dr. Brigitte Mohn (Bertelsmannstiftung)
Bürgermeister Vogel (rechts) mit Eli Nechama (Bialik-Rogozin Campus) und Dr. Brigitte Mohn (Bertelsmannstiftung)
Foto: WP

Arnsberg.  Wichtige Impulse für die Integrationsarbeit mit Flüchtlingskindern gab im Neheimer Kaiserhaus die Fachtagung „Bildungsteilhabe von Flüchtlingskindern“. Die Vortragsveranstaltung gehörte zum NRW-Modellvorhaben „Kein Kind zurücklassen. Kommunen in NRW beugen vor.“ Die Stadt Arnsberg ist eine von 18
NRW-Kommunen, die sich dem NRW-Projekt angeschlossen haben. Partner des Projekts ist die Bertelsmann-Stiftung.

Herausragender Redner bei der Fachtagung war Eli Nechama, Leiter der Bialik-Rogozin-School in Tel Aviv, der für die Integrationsarbeit seiner multinationalen und multikulturellen Schule bereits weltweit Anerkennung erhielt. Zu den wichtigsten Zielen der Schule in Tel Aviv gehört es, dass es nicht um Assimilation (Angleichung) der verschiedenen Kulturen an die Kultur des Fluchtziel-Landes, sondern um Anerkennung, Akzeptanz und Toleranz der ursprünglichen Kultur des Flüchtlingskinds gehe.

Aus Mohammed nicht Lukas machen

Natürlich sei auch das Erlernen der neuen Sprache im Fluchtzielland nötig, aber ein Aufgeben der ursprünglichen kulturellen Identität solle es nicht geben. Es sei sicherlich falsch gewesen, dass in früheren Jahren oft eine völlige kulturelle Anpassung ans neue Heimatland angestrebt wurde. Damals habe man sogar Namensänderungen für notwendig gehalten: „Aus Mohammed sollte Lukas werden“, schüttelte Eli Nechama den Kopf.

Demgegenüber setzt sich der Schulleiter aus Tel Aviv für eine Vielfalt der Kulturen innerhalb eines Staates ein. „Flüchtlingskinder sollten nicht nur die Sprache ihres neuen Heimatlandes, sondern auch ihre eigene Muttersprache lernen“, so Eli Nechama.

Mit diesem Anspruch rannte El Nechama beim Arnsberger Bürgermeister offene Türen ein, denn schon seit langem setzt sich Hans-Josef Vogel für eine Vielfalt der Kulturen ein. Auch das Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, Dr. Brigitte Mohn, war von Nechamas Integrationskonzept begeistert.

Wenn die Bialik-Rogozin-School Kindern und Jugendlichen mit dem Anspruch „Wir nehmen dich an so wie du ist!“, sei dies genau der richtige Weg. Umgekehrt appellierte Dr. Mohn aber auch an die Deutschen: „Wir müssen auch die Wertvorstellungen von Menschen aus anderen Kulturen erlernen.“

Bürgermeister Vogel sah in der Integration von Flüchtlingen und deren Familien keine Belastung, sondern eine Chance für die deutsche Gesellschaft. Vogel: „Auch wenn die Stadt Arnsberg wie viele andere deutschen Kommunen nun vor großen Herausforderungen steht, stimme ich Bundeskanzlerin Angela Merkel absolut zu, wenn sie sagt: „Wir schaffen das.“

HINTERGRUND

Der Bialik-Rogozin Campus in Tel Aviv will Kindern aus Familien in herausfordernden sozialen Rahmenbedingungen und insbesondere Flüchtlingskindern Perspektiven für eine bessere Zukunft geben. Grundlage ist ein umfassendes pädagogisches und soziales Konzept, in dem auch kulturelle Aspekte eine wichtige Rolle spielen. Die Bialik Rogozin School wird von 1200 Kindern und Jugendlichen aus 51 Nationen besucht.

Den Vortrag des Leiters der Bialik Rogozin School, Eli Nechama, im Neheimer Kaiserhaus ermöglichte die Bertelsmann-Stiftung in Kooperation mit der Stadt Arnsberg. Bürgermeister Vogel lobte die Schule als eine der weltbesten Schulen für Integration. Der Vortrag gehörte zu einer Fachtagung, an der Vertreter des NRW-Programms „Kein Kind zurücklassen“ teilnahmen.

 
 

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