Schlaflabor kann in 90 Prozent der Fälle helfen

Die leitende Arzthelferin im Neheimer Schlaflabor, Susanne Gebauer, demonstriert die Verkabelung der Patienten für die Untersuchung im Schlaflabor.
Die leitende Arzthelferin im Neheimer Schlaflabor, Susanne Gebauer, demonstriert die Verkabelung der Patienten für die Untersuchung im Schlaflabor.
Foto: WP Ted Jones

Neheim.. Chronisch schlecht schlafende Patienten, die an extremer Tagesmüdigkeit leiden, können sich in Neheim in einem Schlaflabor untersuchen lassen, das sich im Medizinischen Versorgungszentrum am St.-Johannes-Hospital befindet.

„Wir können nach den Untersuchungen etwa 90 Prozent der Patienten helfen“, berichtet der Leiter des Schlaflabors, Dr. Meinolf Nölle. Eine häufige schlafmedizinische Erkrankung ist die „ob-struktive Schlaf-Apnoe“, das heißt: ein während des Schlafes auftretender Atemstillstand von zehn Sekunden und mehr, bei dem sich die oberen Atemwege verschließen. Wegen erschlaffender Schlundmuskulatur kommt es dabei zu einem Verschluss im Rachenraum. Solange es noch einen kleinen freien Spalt im Rachenraum gibt, bleibt es beim Schnarchen. Wer allerdings plötzlich in der Nacht kurze Zeit keine Luft mehr bekommt, macht Schlimmes durch. Die Person schreckt auf, hat Herzrasen und die Angst, dass es wieder passieren könnte. Viele Patienten mit nächtlichen Atemstillständen im Schlaf leiden an erheblicher Tagesmüdigkeit.


Im Schlaflabor können die Atemstillstände und auch andere Vorkommnisse im Schlafverlauf dokumentiert werden. Für den Anschluss der Messinstrumente wird der Körper des Patienten verkabelt. Gemessen werden Hirnströme (EEG), Herzfrequenz (EKG), Sauerstoffsättigung des Blutes sowie Luft-, Brustkorb-, Bauch-, Augen-, Mund- und Beinbewegung des Patienten. All diese Daten aus einem etwa acht- bis neunstündigen, nächtlichen Schlaf werden dann in einem Computersystem erfasst. Auf Basis dieser Daten erfolgt dann die ärztliche Behandlung.

Bei Patienten mit obstruktiver Schlaf-Apnoe hat sich eine Atemmaske als wirksames Behandlungsmittel erwiesen. Bei dieser Atemmaske wird mit einem Gebläse, ähnlich einem Ventilator, über einen Schlauch Luft in die Maske transportiert. Der hierdurch erzielte Überdruck hält die Atemwege während des Schlafs offen. „Nach Beginn der Behandlung kann innerhalb von sechs Wochen eine vollständige Normalisierung der Schlafqualität eintreten“, berichtet der 46-jährige Internist und Schlafmediziner Dr. Nölle. Auch andere spezielle schlafmedizinische Erkrankungen von herzkranken Patienten sowie das so genannte „Restless-Leg-Syndrom“ (Ruhelosigkeit der Beine) werden im Schlaflabor untersucht. Das Neheimer Schlaflabor verfügt über fünf Behandlungsplätze (Schlafplätze). Es wird an sechs Tagen in der Woche gemessen.

Hintergrund-Wissen:

In Deutschland leiden 25 % der Erwachsenen an Schlafstörungen, 10 % aller deutschen Erwachsenen erleben ihren Schlaf sogar häufig oder dauerhaft als nicht erholsam. Spezifische schlafmedizinische Erkrankungen, zu denen z. B. ein mehr als zehnsekündiger Atemstillstand während des Schlafs gehört, gibt es bei etwa 4 % der Männer und 2 % der Frauen. Besonders anfällig für schlafmedizinische Erkrankungen sind Männer ab 50 Jahren, besonders dann, wenn sie auch noch übergewichtig sind und an Bluthochdruck leiden. Im Neheimer Schlaflabor werden jährlich rund 500 Patienten untersucht, wovon etwa 60 % Männer sind. Wegen der starken Nachfrage gibt es - Akutfälle ausgenommen - Wartezeiten von zwei bis drei Monaten, bis ein Patient eine Nacht im Schlaflabor (von 20.30 bis 6 Uhr morgens) verbringt. Das Schlaflabor befindet sich im Neheimer St.-Johannes-Hospital (Haus D gegenüber dem JoHo-Haupteingang); Telefon 02932 / 894501. Schlaflabor-Leiter ist der Neheimer Internist Dr. Meinolf Nölle.

 
 

EURE FAVORITEN