Kostendruck im Klinikum Arnsberg könnte stark zunehmen

Mit einem breiten Angebot an medizinischen Leistungen wartet das Klinikum Arnsberg auf. In Hüsten untersucht Dr. Wilhelm-Friedrich Stahlhoff bei einem Vorsorgetest die Bauchschlagader
Mit einem breiten Angebot an medizinischen Leistungen wartet das Klinikum Arnsberg auf. In Hüsten untersucht Dr. Wilhelm-Friedrich Stahlhoff bei einem Vorsorgetest die Bauchschlagader
Foto: WP

Arnsberg.  Das Klinikum Arnsberg befürchtet einen enormen Kostendruck, falls der Entwurf der Bundesregierung für ein neues Krankenhausstrukturgesetz zum 1. Januar 2016 in Kraft tritt.

Denn die Mehrleistungen, die das Klinikum seit Gründung erbringt, würden dann nur noch zu einem deutlichen reduzierten Anteil von den Krankenkassen bezahlt werden können. Schon heute erhält das Klinikum von den Krankenkassen nur 75 Prozent der Kosten für eine Mehrleistung in den ersten drei Jahren der Vereinbarung. Nach dem neuen Gesetzentwurf wären es nur noch bis zu 50 Prozent in den ersten fünf Jahren. Als Mehrleistung sind Leistungen definiert, die das Klinikum über das Vorjahres-Budget hinaus mit den Krankenkassen vereinbart hat.

Ein solcher neuer Abrechnungsmodus würde die bisherigen erfolgreichen Anstrengungen des Klinikums unterlaufen, Patientenzahl und Bettenauslastung zu steigern. „Wenn wir über unser Budget hinaus mehr Patienten behandeln und für diese Mehrleistungen künftig noch deutlich weniger einnehmen können, müssen wir - falls der Gesetzentwurf Gesetzeskraft erhält - verstärkt kostenreduzierende Maßnahmen im Klinikum einführen“, berichtet Werner Kemper, Sprecher der Geschäftsführung am Klinikum Arnsberg. Er betont aber auch: „Wir planen derzeit keinen Stellenabbau, wir denken über andere Maßnahmen im Sachkostenbereich nach.“

Mit diesen Worten konnte Kemper bereits die 1620-köpfige Belegschaft des Klinikum beruhigen, die in zwei Betriebsversammlungen über das anstehende Krankenhausstrukturgesetz informiert wurde. Klinikum-Geschäftsführer Volker Koch ergänzt: „Wir haben in den vergangenen Jahren 91 VK-Stellen (100-Prozent-Planstellen) geschaffen. Wir tun so etwas nicht, um jetzt Stellen abzubauen.“

Kemper erinnerte daran, dass sich beim Klinikum Arnsberg in den Jahren 2011 bis 2015 bei der Refinanzierung der Löhne und Gehälter durch die Landesbasisfallwerte eine summierte Deckungslücke von 4,49 Prozent am 70 Mio. Euro umfassenden Personalbudget ergab. Dies seien nicht gedeckte Kosten von 3 Mio. Euro, die das Klinikum auffangen müsse. Werner Kemper und Volker Koch appellierten an alle Mitarbeiter, nun gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um dem möglicherweise demnächst stark gestiegenen Kostendruck zu begegnen.

Verschärfte Qualitätskriterien

Der Gesetzentwurf forciert auch die Qualitätskriterien an die medizinischen Behandlungen. Hier sehen die Geschäftsführer das Klinikum allerdings schon gut aufgestellt und bleiben gelassen. Koch und Kemper ärgern sich allerdings über Begriffe im Gesetzentwurf wie „rechtssicherer Qualitätsindikator“ für eine medizinische Behandlung. „Wie will man diesen Begriff sicher definieren, wenn - bei gleicher Behandlung - der Heilungsprozess bei verschiedenen Patienten sehr unterschiedlich verlaufen kann?“, fragt sich Koch.

Förderprogramm schafft pro Haus nur wenige Stellen

Zum Krankenhausstrukturgesetz gehört auch ein Pflegestellenförderprogramm, für das der Bund an 2100 Krankenhäuser in Deutschland innerhalb von drei Jahren 660 Mio. Euro ausgeben will. Für ein einzelnes Haus bleibt nicht viel übrig: Für das Klinikum Arnsberg können im 1. Förderjahr 1,1 Stellen, im 2. Jahr 2,2 Stellen und im 3. Jahr 3,3 Stellen mit 90 Prozent bezuschusst werden. Das Klinikum freut sich zwar über jede Hilfe, doch der verschärfte Kostendruck bei Mehrleistungsabrechnung wiegt viel schwerer.

 
 

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