Gesetzliche Betreuer kümmern sich um immer mehr junge Leute

(von links): SkF-Geschäftsführer Bernhard Padberg und die beiden gesetzlichen Betreuer im Auftrag des SkF: Fabian von Bischopink sowie Britta Jäger
(von links): SkF-Geschäftsführer Bernhard Padberg und die beiden gesetzlichen Betreuer im Auftrag des SkF: Fabian von Bischopink sowie Britta Jäger
Foto: WP

Arnsberg..  Immer mehr junge Leute in der Stadt Arnsberg benötigen eine gesetzliche Betreuung, damit sie mit ihrem Leben klarkommen. Die Ursachen liegen tief: Oft waren es zerrüttete Familienverhältnisse, in denen sie ohne eine gefestigte Beziehung zu ihren Eltern aufwuchsen. Als Jugendliche lernten sie keine Regeln fürs Leben, weil ihnen auch keine Grenzen gesetzt wurden. Sie lernten auch nicht, pünktlich und zuverlässig einer geregelten Arbeit nachzugehen. Sie wissen heute nicht, wie man mit Geld auskömmlich umgeht oder wie ein Haushalt zu führen ist.

Sozialwissenschaftler sprechen von „Lebensuntüchtigkeit“, oftmals ausgelöst durch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Borderline-Persönlichkeitsstörungen, deren Ursachen wiederum häufig in desolaten familiären Verhältnissen, aber auch in plötzlichen Lebenskrisen wie Tod des Vaters oder der Mutter zu finden sind. Diese jungen Menschen brauchen dann gesetzliche Betreuer, um ihr Leben regeln zu können.

In Arnsberg kann diese vom Amtsgericht Arnsberg angeordnete Betreuung von freiberuflichen oder vereinsmäßig organisierten Betreuern wahrgenommen werden. Es gibt haupt- und ehrenamtliche Betreuer. Um einen Eindruck von der Arbeit eines hauptamtlichen Betreuers zu erhalten, sprach unsere Zeitung beispielhaft mit Britta Jäger und Fabian von Bischopink, zwei gesetzliche Betreuer, die im Auftrag des Betreuungsvereins des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SkF) Hochsauerland arbeiten. Die beiden Betreuer kümmern sich im Arnsberger Stadtgebiet jeweils um etwa 45 Klienten, von denen etwa die Hälfte junge Leute im Alter von 18 bis 39 Jahre sind. Denn die gesetzliche Betreuung setzt beim Klienten ein Mindestalter von 18 Jahren voraus.

Vermittlung an Fachärzte

„Ein großer Teil unserer Klienten ist psychisch krank, deshalb bildet die Gesundheitsfürsorge einen wesentlicher Teil unserer Arbeit “, berichten übereinstimmend Britta Jäger und Fabian von Bischopink. Da den jungen Klienten oftmals der eigene Antrieb fehlt, vermitteln die Betreuer ihren Klienten Fachärzte, begleiten sie auch zum Arzt oder können bei Drogen- bzw. Alkoholproblemen auch Klinikaufenthalte organisieren.

Gemäß des klar fixierten Auftrags des Gerichts können die Betreuer auch das Geld des Klienten verwalten, „was immer wieder zu Spannungen zwischen dem Klienten und dem Betreuer führen kann“, erklärt Bischopink. So seien die Konsumwünsche des Klienten oft größer als das im Monat zur Verfügung stehende Geld. Damit der Klient aber das Geld nicht nach wenigen Tagen schon ausgegeben hat, teilt der Betreuer dem Klienten das Geld oftmals in Wochen-Raten ein. „Dann muss die Anschaffung eines neuen Handy auch schon mal ausgiebig diskutiert werden“, erzählt Jäger. Einige Klienten sind hoch verschuldet. Manchmal liegen Briefe mit Rechnungen und Mahnungen ungeöffnet in der Wohnung. Dann müssen die Betreuer Wege aus der Schuldenfalle finden. Die Anmeldung von Privat-Insolvenz ist eine Option. Wichtig ist auch die Hilfe bei der Wohnungssuche und die Vermittlung in eine Arbeitsstelle. Für psychisch Kranke könnte sich zum Beispiel eine Arbeit in einer Caritas-Werkstatt, die psychisch Kranke
aufnimmt, eignen.

HINTERGRUND

In der Stadt Arnsberg werden rund 90 junge Menschen vom SkF gesetzlich betreut

„Während vor 15 Jahren in der Stadt Arnsberg vielleicht gerade mal fünf Prozent der gesetzlich Betreuten junge Leute zwischen 18 und 39 Jahren waren , sind es heute über 30 Prozent“, berichtet Bernhard Padberg, Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) im Hochsauerland, zu dem auch ein Betreuungsverein gehört.

2014 wurden im Stadtgebiet Arnsberg von den hier tätigen sechs hauptamtlichen gesetzlichen Betreuern im SKF-Betreuungsverein insgesamt 270 Klienten betreut. Davon waren etwa ein Drittel (rund 90 Klienten) zwischen 18 und 39 Jahren alt. Oft schloss sich die Betreuung für junge Erwachsene direkt an die städt. Jugendhilfe bzw. sozialpädagogische Familienhilfe an.

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