Zwischen praktischer Hilfe für Ärzte und Forschung

Professor Peter Heusser.
Professor Peter Heusser.
Foto: WP
Peter Heusser leitet an der Uni Witten/Herdecke den Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin. Lange war er die Schnittstelle zwischen Uni und praktizierenden Ärzten am Gemeinschaftskrankenhaus.

Herdecke.. Es ist d i e Schnittstelle zwischen Gemeinschaftskrankenhaus (GKH) und Privatuniversität Witten/Herdecke, was schon im Namen deutlich wird: der Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin, obendrein nach dem berühmten Arzt und Uni-Gründer Gerhard Kienle benannt. Der Schweizer Mediziner Peter Heusser sitzt in dessen alten, aber erneuerten Büro und leitet seit dem 1. Juli 2009 als Nachfolger von Peter Matthiessen diesen Lehrstuhl.

Ein bisschen Klischee muss sein: In Heussers Büro am GKH hängen Bilder von Bergen, der Schweizer Akzent ist auch eindeutig, die Artikulation ebenfalls eher bedächtig und ruhig. Bei seinen Aufgaben und dem Arbeitsumfang würde manch einer hektischer agieren.

Dabei hat der 62-jährige Professor sein Pensum schon etwas drosseln müssen. Bis 2012 war er die Schnittstelle zwischen praktischer Medizin am GKH und dem Lehrstuhl. Als Konsiliar und erfahrener Mediziner mit anthroposophischer Grundausrichtung bot er Ärzten zwei halbe Tage pro Woche für Konsile und Lehrvisiten an. „Gerade bei Schwerkranken, bei denen auch die Schulmedizin an ihre Grenze angelangt war, konnten wir für einzelne Fälle nachweislich hilfreiche medizinische Therapie-Konzepte erstellen.“ Immer wieder herausfordernd und spannend sei das gewesen. Zudem bot er gemeinsam mit Dr. Scheffer vom Integrierten Begleitstudium Anthroposophische Medizin Fortbildungen und Lehrveranstaltungen für die Klinikärzte an.

Auch wenn er seit den Umstrukturierungen am GKH nach 35 Jahren als Praktiker seit kurzem nicht mehr ärztlich aktiv ist, so ist Heusser doch auch als Uni-Vertreter weiter ein Verfechter der gemeinsamen Grundideen. „Es gibt trotz gleichen Krankheiten letztlich keine zwei gleichen Patienten, die individualisierte Medizin wird immer wichtiger.“ Das vermittelt er den Medizin-Studenten in Seminaren des Integrierten Begleitstudiums und des Studium fundamentale. Neben der Lehre ist er in verschiedenen, Forschungsprojekten tätig, leitet Dissertationen, und bringt den Lehrstuhl in verschiedenen Kommissionen der Fakultät für Gesundheit ein. . Auf seine Initiative hin wurde am GKH das Forschungs- und Lehrzentrum Herdecke eingerichtet, in dem sein Lehrstuhl und das Integrierte Begleitstudium als Institutionen der Uni zusammen mit dem GKH die klinische Forschung und die Ausbildungsforschung aufbauen, gestützt durch einen, vertraglich geregelten Forschungsverbund zwischen Uni und Klinik in Ende.

Klinische Forschung weiter wichtig

Denn auch für dieses Vorreiter-Krankenhaus in Sachen anthroposophischer Medizin sei die klinische Forschung weiter wichtig, die schon in zwei früheren Phasen des GKH existierte, damals vor allem zu Tumor- und Rhythmusforschung. „Unsere neue Grundkonstruktion bewährt sich: Der Lehrstuhl stellt seine wissenschaftlichen Möglichkeiten zur Verfügung und die Ärzte bringen klinische Expertise, Forschungsfragen und Patienten ein. Die meisten Fragestellungen kommen bisher von Pratikern, wir beantworten diese nicht aus dem Elfenbeinturm. Hier wirken Uni und Krankenhaus gewissermaßen als Einheit.“ Den Ärzten im Alltag fehlt oft schlicht die Zeit für Wissenschaft, deshalb dieses innovative Gemeinschaftskonzept.

Den eingeschlagenen Weg will Heusser fortsetzen, verweist auf rund 20 klinische gemeinsame Projekte, an denen seine Mitarbeiter und er beteiligt sind: Prof. Büssing (Psychometrie, Lebensqualität und Spiritualitätsforschung), Prof Ostermann (Biometrie, Statistik, Dokumentation), Frau Dr. Berger (Studienkoordination, qualitative Forschung), Christa Raak (Homöopathie, Bibliothek), Annette Weninger (Studienassistentin), Dr. Weinzirl (Medizinische Anthropologie, und Marina Frieben, (Lehrstuhlorganisation). Vieles sei längerfristig angelegt, „unabhängig von meiner Person“, sagt Heusser.

Der Schweizer Professor selbst bemüht sich, die Ideen Gerhard Kienles fortzuführen, versteht er doch die anthroposophische Medizin als Beitrag zur gesamten Weiterentwicklung dieser Disziplin. Bei der 30-Jahr-Feier der Privatuniversität habe sich gezeigt, wie aktuell die Ideen und Prinzipien (Urteilsfähigkeit, Kreativität, Mut zum Querdenken, ganzheitliches Menschenverständnis) aus der Gründerzeit der Uni und des Krankenhauses seien. „Die Uni bietet mit ihren innovativen Ideen deutschland- und europaweit nach wie vor eine Top-Ausbildung an, die Schule macht.“

 
 

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