Zwillinge mit Theater-Leidenschaft

Ein neues Stück hat beim Koffertheater am 8. November Premiere. Inszeniert und auch geschrieben wurde es von Heinz (re.) und Michael Westerweller
Ein neues Stück hat beim Koffertheater am 8. November Premiere. Inszeniert und auch geschrieben wurde es von Heinz (re.) und Michael Westerweller
Foto: WP
Für Heinz und Michael Westerweller ist Theater eine Leidenschaft. Das Herdecker und Wittener Brüderpaar zeigt das mit der Inszenierung des neuen Koffertheater-Stückes „Der unsichtbare Gast“. Buch, Regie, Technik und auch ein Stück vom Bühnenbild stammen von den Zwillingen.

Wetter/Herdecke..  Es ist auf die Schnelle nicht leicht, sich zu merken, wer nun Heinz und wer Michael ist. Denn im Interview antworten die beiden Regisseure des neuen Koffertheater-Stückes manchmal so, als säße einem nur ein Mensch gegenüber. Heinz Westerwelle beginnt einen Satz und Michael vollendet ihn. Zwillinge, die in ihrer Duplizität eine Unzahl von Talenten vereinigen.

Vom der Idee bis zur Premiere haben Heinz und Michael Westerweller ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Geschrieben hat Heinz Westerweller das Stück „Der unsichtbare Gast“ eigentlich für seine Verlobte. Ein „kleines Geschenk“, das er als Hörspiel konzipiert hatte. Doch Bruder Michael hatte beim ersten Lesen gleich die passenden Bilder im Kopf und schrieb eine szenische Fassung. „Und die Rollen waren da quasi schon den Mitgliedern des Koffertheaters auf den Leib geschrieben“, sagt Michael Westerweller, der seit 2009 auch auf der wetterschen Bühne steht.

Im Alltag haben Heinz und Michael Westerweller nicht viel mit Kunst und Kultur zu tun. Heinz lebt in Witten und ist als Mitarbeiter der Netzleitstelle der Bochumer Stadtwerke für die Stromversorgung einer Großstadt zuständig, der Herdecker Michael erledigt als kaufmännischer Angestellter beim Ruhrverband die Buchführung. Und nach Feierabend lassen sie nun auf der Bühne morden. „Wir sind schon immer Fans der schwarzen Hollywood-Krimis gewesen“, sagt Michael. Viel Schatten, wenig Licht und ebenso undurchsichtige Gestalten. „Und am Ende ist alles ganz anders als es scheint“, verrät Heinz, und spricht dann nicht länger über das Stück. „Denn wir wollen ja vor der Premiere nicht zuviel verraten.“

Bis am Samstag in der Lichtburg die Scheinwerfer angehen, haben Schauspieler wie Regisseure noch ein Stück Arbeit vor sich. Denn noch sitzt nicht jede Zeile, noch gibt es immer wieder Ideen, um eine Szene besser zu machen. „Wir haben enorm von der Erfahrung des Ensembles profitiert“, sehen Heinz und Michael Westerweller ihre erste Regiearbeit eher als Produkt eines guten Teams.

Kreativer Austausch

Nicht nur die Zwillinge sind dabei perfekt aufeinander eingespielt, auch mit den Schauspielern funktioniert der kreative Austausch. „Bei vielen Szenen haben wir erst auf der Bühne gemerkt, dass sie so nicht funktionieren, und dann etwas geändert“, sagt Michael.

Eine solche Szene wird auch in der Pause der Durchlauf-Probe diskutiert. Sabine Gruß alias Olivia musste lachen, weil sie ihren Mitspieler Chris Köhler in einem Sessel sitzen sah, der Kopf aber durch eine Lampe verdeckt war. „Kann er nicht aufstehen, damit ich ihn sehe, wenn ich mit ihm spreche?“ fragt sie. Mit einem Lampenschirm sei so ein Dialog doch schwierig . . .

Auch das Bühnenbild bekommt an diesem Abend noch einen Feinschliff. „Wir konnten erst spät aufbauen, weil die Lichtburg ja auch für andere Veranstaltungen genutzt wird“, sagt Heinz. Nun steht das etwas abgewohnte Zimmer von Olivia zwar, doch muss die Bühne schnell freigeräumt werden können. Einige Elemente stammen aus älteren Stücken, andere wurden extra für „Der unsichtbare Gast“ angefertigt. Und auch hier haben die Westerwellers Hand angelegt.

Während die Schauspieler des Koffertheaters auf der Bühne den zweiten Teil des Krimis proben, haben sich Heinz und Michael wieder auf den kleinen Technikbalkon oberhalb des Zuschauerraums zurückgezogen. Heinz ist für den Ton zuständig, Michael fürs Licht. Das geht bei der Premiere auch ein wenig für die Verlobte von Heinz Westerweller an. Schließlich ist das Stück ja ein Geschenk für sie. „Eine Kleinigkeit“, wie Heinz betont. Die nächste Inszenierung müsse dann wohl die Hochzeit sein.

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