Zweiter Akt am Herdecker Ruhrufer

Steffen Gerber
An der Ruhraue gehen die Bauarbeiten weiter, dort entstehen vor dem Viadukte neue Rad- und Fußgängerwege sowie Rastplätze für die Spaziergänger.
An der Ruhraue gehen die Bauarbeiten weiter, dort entstehen vor dem Viadukte neue Rad- und Fußgängerwege sowie Rastplätze für die Spaziergänger.
Foto: WP
Die Bagger rollen wieder: Am Herdecker Ruhrufer hat der zweite Bauabschnitt zur Gestaltung der Ruhraue begonnen.

Herdecke.  Als ob es in Herdecke noch nicht genug Baustellen gebe, sind nun weitere Bagger auch am Flussufer im Einsatz. Der zweite Teil der Umgestaltung der Ruhraue steht an. Unterhalb des entstehenden Westfalia-Wohngebiets sollen ab Frühjahr 2016 Fußgänger und Radfahrer auf neuen Wegen unterwegs sein können, eine Pause können sie dann auf drei neuen Plätzen zwischen dem Viadukt und dem Quartier einlegen.

„Wir richten derzeit die Baustelle ein“, berichtet Ralf Grunwald, bei der Stadt Herdecke für die Grünanlagen zuständig. Bis etwa Ende Oktober soll in der Ruhraue ein provisorischer Weg direkt unterhalb des Neubaugebiets mit einer wassergebundenen Decke entstehen. Die etwa 350 Meter lange und knapp drei Meter breite Strecke soll während der Arbeiten und der Sperrung am Flussufer als Ausweichroute dienen. Die Umleitungs-Überlegung, die Fußgänger und Radfahrer zwischen dem Seeweg und der GVS-Seniorenresidenz über die Garten- und Ruhrstraße zu leiten, wurde verworfen. Schilder weisen künftig auf die vorübergehenden Änderungen hin.

Im Prinzip führe die Stadt im zweiten Bauabschnitt das fort, was bereits zwischen Ruderclub und Quartier unterhalb der Promenade entstanden ist. Heißt: Während der neue bzw. fortgesetzte Fußgängerweg (3,50 Meter breit) direkt am Fluss entlang läuft und auch als Wirtschaftsweg dient, sind die Radfahrer etwas versetzt oberhalb des Ufers auf einem drei Meter breiten Abschnitt unterwegs. Dazu soll der Abzweig am Tennisverein vor dem Viadukt entschärft werden. Dort entsteht einer der drei neuen Plätze mit besseren Sichtverhältnissen.

Ein weiterer soll wenige Meter entfernt in der Kurve unterhalb des Segelvereins mit einem Podest angelegt werden. „Von dort sollen die Leute einen schönen Ausblick auf den Viadukt haben, dafür müssen wir noch ein bisschen was am Ufer freischneiden“, so Grunwald. Wer weiter Richtung Quartier Ruhraue geht oder fährt, kann noch einmal auf einer Art Aufenthaltsinsel rasten. Diese liegt in der Verlängerung eines Durchgangs zum Westfalia-Wohngebiet. Über eine Rampe und Stufen können künftige Bewohner und andere dort die Gabionenwand überwinden, wobei dieser Zugang erst im Laufe des nächsten Jahres angelegt werde. Nicht vergessen: Die ganze Fläche ist ein Überschwemmungsgebiet, daher musste die Bezirksregierung den Umgestaltungsplänen zustimmen.

All diese Plätze werden eiförmig angelegt, mit Stauden und Gehölz bepflanzt und mit Sitzgelegenheiten (mit und ohne Lehne) ausgestattet. „Wir wollen dort für eine aufgelockerte Atmosphäre sorgen und für den Blick viel frei lassen“, sagt Herdeckes Grünflächen-Beauftragter, der auch Rasen einsäen lassen will. Hinsichtlich der Verkehrssicherheit wurden im Frühjahr bereits am Ufer Erlen zurückgeschnitten, nun könnten je nach Lage der Dinge noch ein paar zum Teil morsche Weiden folgen. „Aber wir pflanzen ja auch neue Bäume.“

Gesamtkosten: 1,6 Millionen Euro

Eigentlich sollte die Umgestaltung (der gesamte Abschnitt kostet insgesamt 1,6 Millionen Euro, 70 Prozent über Fördergelder finanziert) schon eher weitergeführt werden. Doch viele andere Aufgaben sorgten für Verzug. Grunwald: „Wir können nicht alles gleichzeitig machen, wollen aber jetzt hier den Winter über durcharbeiten.“

Ein wichtiges Kriterium werde auch die künftige Beschilderung sein: „An der Ruhr sind unterschiedliche Gruppen unterwegs.“

In den Plänen ist auch die umstrittene Aussichtsplattform in der Verlängerung der Ruhrstraße eingezeichnet. Noch gilt der Beschluss der Politik, dass die 142 000 Euro teure Einrichtung, über die man etwas erhöht über dem Wasser stehen kann, gebaut wird. Allerdings hatte – wie berichtet – Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster angedeutet, diese Investition noch einmal auf den Prüfstand stellen zu wollen.

Zu klären wird auch sein, wie respektvoll die verschiedenen Nutzer der Wege miteinander umgehen, erst vor einer Woche gab es einen Unfall. „Vor allem Mountainbiker sind jetzt schon recht aggressiv unterwegs und nehmen auf Fußgänger wenig Rücksicht“, berichtet Grunwald. Trotz einzelner Pflasterungen als kleine Bremselemente müsste womöglich auch mal die Polizei die Geschwindigkeiten kontrollieren. Grunwald: „Wir von der Stadt wollen mit ausreichend Schildern darauf hinweisen.“