Wie ein Physiker aus Herdecke Star Wars entzaubert

Nina Grunsky
Der Sternenzerstörer aus dem Film „Krieg der Sterne“ bleibt wohl nur ein Modell: Ben Vetter erklärt, warum solche Technik-Phantasien kaum Wirklichkeit werden können.
Der Sternenzerstörer aus dem Film „Krieg der Sterne“ bleibt wohl nur ein Modell: Ben Vetter erklärt, warum solche Technik-Phantasien kaum Wirklichkeit werden können.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Das Laserschwert bleibt eine stumpfe Waffe: Ben Vetter, Physiker aus Herdecke, erklärt, warum viele der Technik-Phantasien aus Science-Fiction-Filmen niemals Wirklichkeit werden können. Und warum er dennoch wünscht, dass die ein oder andere Vision wahr wird.

Hagen/Herdecke. Er ist mit dem Wagen gekommen, hat sich durchgestaut. Denn Beamen ist nicht möglich. Da macht Ben Vetter, Physiker aus Herdecke, weder sich selbst noch anderen Illusionen.

Dass sich Menschen in Bruchteilen von Sekunden quasi per Fernbedienung von einem Ort im Universum an einen anderen schalten können, wie es Captain James T. Kirk an Bord des Raumschiffs Enterprise vormachte, bleibt also ein Traum. Allen Sensationsmeldungen über die Erfolge in der Quantenteleportation zum Trotz.

10 000 Grad Celsius

Als Ben Vetter noch ein kleiner Junge war, hat der Trickfilmheld „Captain Future“ ihn auf den Science-Fiction-Geschmack gebracht. Später, im Physik-Studium an der Universität Bochum, hat er sich daran gemacht, die Helden seiner Kindheit, Krieger aus Star Trek und Star Wars, zu hinterfragen.

So hat er gemeinsam mit Burkhard Steinrücken von der Sternwarte Recklinghausen in Gedanken versucht, einen Lichtsäbel zu konstruieren, mit dem sich Luke Skywalker und Darth Vader auf der Kinoleinwand bekämpfen. 10 000 Grad Celsius müsste die Luftklinge heiß sein, um so farbig wie im Film zu schillern, überlegt Ben Vetter.

„Das ist doppelt so heiß wie die Sonnenoberfläche“, sagt er. Möglich wäre dies, wenn sich im Griff des Schwertes eine Kathodenstrahlröhre wie in einem alten Fernseher befände. Die von ihr erzeugten Elektronen würden die Luft zum Leuchten bringen – falls es denn gelänge, sie einzufangen.

Leinwand-Spinnereien

Eine magnetische Flasche könnte dafür die Lösung sein, so Vetters Gedankenspiel weiter, wie sie in Kernfusionsreaktoren getestet worden ist. „Das funktioniert allerdings nur wenige Sekunden lang“, erläutert Vetter. Und wäre höchst energieaufwendig: Um wie Obi-Wan Kenobi gar eine Stahltür mit dem Laserschwert zu schmelzen, müsste der Jedi-Meister 100 Autobatterien im Rucksack mit sich herumtragen. Und zudem wenige Zentimeter vom Körper eine Temperatur aushalten doppelt so heiß wie die Sonnenoberfläche. „Eine Steinzeitkeule ist effektiver“, meint der Physiker.

Nur eines von vielen Beispielen, mit denen er allen Trekkies und Jedi-Jüngern in Vorträgen an NRW-Sternwarten und Planetarien deutlich machen möchte, was Science Fiction ist und bleibt: nicht mehr als eine schöne oder spannende Phantasie, in der die Gesetze der Physik nicht gelten.

Straßen in der Luft

Und doch weiß Ben Vetter, dass er die Leinwand-Spinnereien nur nach heutigem Kenntnisstand der Wissenschaft widerlegen kann. Und dass die Geschichte oft gezeigt hat, dass abstruse Ideen doch Wirklichkeit geworden sind. Wie die Reise „Von der Erde zum Mond“ beispielsweise, die sich Jules Verne im Jahre 1865 ausdachte.

Beamen bleibt zwar unmöglich, da ist er sich sicher, weil mit der Quantenteleportation nur Informationen mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen werden können, nicht aber Teilchen. Und selbst wenn sich Moleküle übermitteln ließen, würde es Hunderte Milliarden Jahre dauern, die Quadrilliarden winziger Bausteine eines Menschen zu versenden, betont Vetter weiter.

Möglich aber wird es vielleicht eines nicht so fernen Tages sein, dass Straßen durch die Luft führen – wie im Streifen „Das fünfte Element“. Eine Vorstellung, die Ben Vetter nicht abwegig findet, seitdem vor Kurzem in Deutschland ein bemannter Multicopter vorgestellt worden ist. Damit wäre der Stau für ihn leicht zu umfliegen.