Wetter braucht Flächen für Unternehmen

Um die Entwicklung des Gewerbegebiets Am Stork gibt es seit langem Streit. Aus Sicht der Wirtschaftsförderung muss sich aber bald etwas tun, damit die Stadt ihren guten Ruf als Standort nicht verliert.
Um die Entwicklung des Gewerbegebiets Am Stork gibt es seit langem Streit. Aus Sicht der Wirtschaftsförderung muss sich aber bald etwas tun, damit die Stadt ihren guten Ruf als Standort nicht verliert.
Foto: www.blossey.eu
Die Wirtschaftsförderung in Wetter hat Mühe, Anfragen von Unternehmen zu befriedigen. Es fehlen Flächen. Für heimische Betriebe wie für Auswärtige.

Wetter..  Die Bewerber stehen nicht Schlange, doch gibt es sie noch immer. „Es rufen uns Unternehmen an, obwohl wir derzeit keine Flächen anbieten“, sagt Rainer Zimmermann, bei der Stadt Wetter für die Wirtschaftsförderung zuständig. „Wir haben uns seit 1990 einen guten Ruf erarbeitet, immer Flächen anbieten zu können“, sagt der Experte. Und sorgt sich ebenso wie Bürgermeister Frank Hasenberg, dass dieser gute Ruf bei der Wirtschaft in der Region nun langsam leiden könnte. „Wir brauchen die Fläche am Stork“, sind sich Hasenberg und Zimmermann einig. „Und es gibt ja auch eine politische Mehrheit dazu“, sagt der Verwaltungschef und hofft, dass er nicht mehr all zu lange auf die Flächen an der A1 warten muss. „Für das Verfahren gilt allerdings: Genauigkeit vor Schnelligkeit“, so Hasenberg.

Für einen Bewerber aus dem EN-Kreis, der im Februar 7000 Quadratmeter bei der Wirtschaftsförderung angefragt hat, heißt es also ebenso abwarten wie für heimische Unternehmer, die sich weiter ausdehnen wollen. Beim Besuch von Wirtschaftsminister Garrelt Duin hatte AOS-Stahl-Gründer Oliver Schake jüngst betont, dass seine Firma Platz braucht und gerne in Wetter bleiben möchte. Ein Wink mit dem Zaunpfahl durch den Zaun-Experten. „Wir müssen unsere Glaubwürdigkeit bei der Unternehmerschaft behalten, darum muss sich jetzt etwas tun“, sieht der Bürgermeister ein wenig Druck auf dem Kessel.

Dabei wirkt die Lage beim Blick ins Gewerbeflächenportal des Kreises gar nicht so angespannt. 15 000 Quadratmeter stehen dort zum Beispiel als Angebot in der Remestraße. Die Hallen auf dem Grundstück gehören Bernd Wiedemeyer, doch der sucht eigentlich Flächen. „Wenn mir jemand einen guten Preis bietet, kann er gerne kommen“, sagt er mit einem scherzhaften Unterton, fügt aber gleich an, dass er tatsächlich Lagerflächen sucht, um Waren, die nicht sofort verkauft werden können, zwischen zu lagern. Das Spezialunternehmen für Schwertransporte muss auch immer wieder Hallen nutzen, wenn ganze Maschinenparks an den Mann gebracht werden sollen. Dann baut der Spediteur die Anlagen ab, lagert sie ein und transportiert sie später zu einem Käufer. „Dafür benötige ich Flächen“, sagt Wiedemeyer, „am liebsten in Wetter“.

Schwierige Topografie

Die 15 000 Quadratmeter würde Rainer Zimmermann gerne im Portfolio haben. Er weiß aber auch, dass die Spedition dringend selbst Platz benötigt. Ohne dieses nicht wirklich ernst gemeinte Angebot, das nur weit über dem Marktpreis verkauft würde, schrumpfen die aktuell verfügbaren Flächen auf wenige tausend Quadratmeter. „Und da müssen Angebot und Nachfrage dann ganz genau zusammenpassen“, erklärt der Experte, warum manche Restfläche lange nicht vermarktet werden kann. „Am Schöllinger Feld hat es lange gedauert, auch weil bei unserer Topografie nicht immer alles quadratisch, praktisch und gut ist“, sagt Hasenberg, der die Wirtschaftsförderung in Wetter zur Chefsache gemacht hat.

Der gute Ruf in Sachen Gewerbeflächen, den sich die Stadt in der Vergangenheit erworben hat, ist eng mit der Nachnutzung alter Flächen verbunden. Man sei mit der Natur nie verschwenderisch umgegangen, sagt Frank Hasenberg. Stattdessen wurde das Reme-Gelände und auch die Fläche der Knorr-Bremse für Gewerbe erschlossen. An AOS-Stahl sei die letzte große Fläche gegangen, „seitdem haben wir nur noch Stücke von knapp 3000 Quadratmetern vermarktet“, sagt Rainer Zimmermann.

Dabei habe die Stadt nicht nur den Unternehmern gegenüber eine Pflicht zur Daseinsvorsorge, betont der Bürgermeister. „An Gewerbeflächen hängen auch Arbeitsplätze für unsere Bürger“, sagt Hasenberg und führt den Gedanken noch weiter aus: Auch der Handel profitiere letztlich davon, wenn sich Unternehmen in Wetter ansiedeln.

Vier bis fünf Jahre, so die Erfahrung, planen Unternehmen in die Zukunft, vor allem wenn es um den Platzbedarf geht. Tut sich dann nichts, schaut man sich woanders um. Wo, das kann Hasenberg täglich beim Blick über die Ruhr sehen. Die Firma Burg hat dort auf Hagener Seite investiert, weil es in Wetter keinen Platz mehr gab. Immerhin, das Unternehmen ist in der Nähe geblieben. Und der ehemalige Nachbar Abus profitiere nun von dem Wegzug, in dem freie Flächen genutzt werden könnten.

Trend zur Kooperation

Dennoch: „Derzeit müssen wir Unternehmen vertrösten“, sagt Rainer Zimmermann, der in der Wirtschaft einen Trend zur Kooperation und auch zum räumlichen Zusammenrücken feststellt. „Oft fragen Partner-Unternehmen von bestehenden Firmen an, ob wir Flächen anbieten können“, so der Wirtschaftsförderer. Solche geschäftlichen Verbindungen wollen man natürlich gerne fördern.

Doch auch die Lage der Stadt sei für manchen Unternehmer, der Wetter erst auf der Landkarte findet, attraktiv. Und die des Stork um so mehr. Zimmermann wäre froh, wenn er die Anrufer nicht länger in die Warteschleife schicken müsste.

 
 

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