Warnecke ruft zu Protest auf – Parteienstreit im Wahlkampf

Der ehemalige Schwimm-Weltmeister Mark Warnecke wohnt in Herdecke und fordert dazu auf, sich gegen die geplante Höchstspannungstrasse von Dortmund-Kruckel nach Hagen-Garenfeld zu wehren.
Der ehemalige Schwimm-Weltmeister Mark Warnecke wohnt in Herdecke und fordert dazu auf, sich gegen die geplante Höchstspannungstrasse von Dortmund-Kruckel nach Hagen-Garenfeld zu wehren.
Foto: WP
Mark Warnecke, ehemaliger Schwimm-Weltmeister und Bürger Herdeckes, unterstützt den Protest gegen die geplante Höchstspannungsfreileitung.

Herdecke..  Im Kampf gegen die von Netzbetreiber Amprion geplanten Riesenmasten für die Höchstspannungsleitung auf Herdecker Stadtgebiet hat sich ein prominenter Einwohner dem Protest angeschlossen: Der einstige Schwimm-Weltmeister Mark Warnecke ruft dazu auf, sich zur Wehr zu setzen. „Noch hat der Ausbau nicht begonnen, es besteht wenigstens noch eine Chance, Einfluss zu nehmen. Selbst wenn man mit wehenden Fahnen untergeht, sollte man solche Projekte nicht einfach hinnehmen, wenn es schädliche Auswirkungen haben kann.“

Der 45-jährige Mediziner sieht im Falle der Umsetzung ab 2017 Gefahren auf die Bürger in Herdecke und in der Umgebung zukommen. Er verweist auf Studien, wonach die Gefahr, an Leukämie zu erkranken, durch die Hochspannung doppelt so hoch sei. „Zudem ist es natürlich belastend für die gesamte Umwelt. Und von den neuen Strommasten sind unmittelbar eine Schule und ein Kindergarten betroffen. Auch meine Kinder besuchen diese Schule“, sagt Warnecke, der sich mit seiner Firma für Nahrungsergänzungsmittel mit Sitz in Witten einen Namen als Unternehmer gemacht hat.

Zu spät informiert

Warnecke bemängelt zudem die unzureichende Initiative sowie Aufklärung seitens der Politik: „Es ist eine Unverschämtheit, dass die Bürger erst vier Jahre nach den ersten Planungen über den Bau informiert wurden. Auch ich habe erst jetzt davon erfahren! So gibt man niemandem die Chance, sich zur Wehr zu setzen. Auch in den aktuellen Wahlen ist ständig eine saubere Umwelt Thema, aber niemand scheint sich wirklich dafür einzusetzen.“ Im Kampf gegen die neuen Masten sei eine Unterstützung seitens der Politik aber natürlich wünschenswert.

Wie auf’s Stichwort äußerten sich gestern und vorgestern fast alle Herdecker Fraktionen. So reichte die Linke für die Sondersitzung des Bau- und Umweltausschusses am 8. September einen Beschlussvorschlag ein, wonach insbesondere in der Nähe zu dicht besiedelten Wohngebieten die Verlegung von Erdkabeln realisiert werden soll.

CDU, Grüne und FDP gehen davon aus, dass es einen klaren Beschluss der Ausschüsse zur Ablehnung der vorliegenden Pläne gibt. In Zeiten des Bürgermeister-Wahlkampfes wird die andere Seite in die Pflicht genommen: „Dafür ist jetzt im Planfeststellungsverfahren auch die Zustimmung der SPD erforderlich“, heißt es in einer Erklärung: „2015 müssten im Gegensatz zu 2011 alle Parteien und Fraktionen im Herdecker Rat an einem Strang ziehen und gegen die Pläne von Amprion stimmen.“ Die SPD habe damals keine Bedenken gegen die Amprion-Pläne geäußert. Mit den Stimmen von CDU, Grünen, FDP und Linken wurde 2011 der Beschlussvorlage der Bürgermeisterin zugestimmt, der eine Alternativtrasse bzw. Erdverkabelung forderte.

SPD einstimmig gegen Trassen-Plan

Der SPD-Vorstand diskutierte nun über die Höchstspannungstrasse und die massiven Proteste in der Bevölkerung. Heraus kamen zwei Beschlussvorschläge: So fordert Herdeckes Stadtverbandsvorstand die SPD-Ratsfraktion auf, die im Planfeststellungsverfahren vorgestellte Realisierung abzulehnen. Sie soll sich für eine Neubearbeitung der Pläne mit dem Ziel einsetzen, insbesondere in der Nähe dicht bebauter Wohngebiete (Schraberg/Semberg) die Höchstspannungsmasten durch Erdkabel zu ersetzen oder eine alternative Trassenführung entlang der A44, A45 und A1 zu realisieren.

Derzeit reiche es laut SPD nicht, sich allein auf die Bürgerproteste und -einwände sowie Ratsbeschlüsse zu verlassen. Daher habe der Stadtverbandsvorstand zwecks Unterstützung auch Kontakt zur Landesregierung und zur SPD-Landtagsfraktion aufgenommen.

Zu ihrer mehrheitlichen Enthaltung 2011 teilt die SPD mit: „Eine Erdverkabelung hätte zum damaligen Zeitpunkt eine Verteuerung auf das 20-fache bedeutet. Diese Kosten wären auf den Verbraucher umgelegt worden.“ Aktuell könne man mit einem Faktor von 2 bis 8 bei den Erdkabel-Kosten gegenüber Freileitungen rechnen. Stadtverbandschef Ulrich Schwellenberg sagt zu den letzten vier Jahren: „Bürgermeisterin, CDU, Grüne und FDP haben die Zeit ohne sichtbare Ergebnisse verstreichen lassen.“ Nun sei ein einstimmiges Votum im Rat wünschenswert. Und: „Wünschenswert wäre es auch gewesen, das Thema aus dem Wahlkampf rauszuhalten.“

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