Umstrittener Ort der Andacht

Herdecke..  Der Grundstein zum Bau einer Kapelle auf dem Semberg in Ende wurde am 7. April 1925 gelegt. Sowohl die Kapelle als auch der dazu gehörende umliegende Waldbestand waren eine Stiftung des späteren belgischen Konsuls Léon Cremer (1877-1951) und seiner Gattin Louisa geb. Esders von der Thier-Brauerei in Dortmund. Bereits drei Monate später, am 21. Juni 1925, konnte das Gotteshaus von dem Paderborner Diözesanbischof Dr. Caspar Klein geweiht werden. Der bekannte und oft prämierte Architekt Karl Pinno aus Dortmund hatte die Pläne zum Bau der Kapelle erstellt.

Teurer Unterhalt

Pinno übernahm auch die Bauaufsicht. Er hat übrigens auch die Pläne für Haus Ende erstellt. Die Ausführung des Baus erfolgte durch die Firma Ehn in Dortmund. Die Kapelle wurde nach einer Tochter Elisabeth der Familie Cremer „St. Elisabeth“ benannt und war für die Katholiken von Ende-Syburg seit der Reformation das erste richtige Kirchengebäude. Allerdings blieb die Kapelle zunächst Eigentum der Familie Cremer.

Doch für den Unterhalt musste die Kirchengemeinde aufkommen. Das verursachte in der Folgezeit mehrmals Probleme, da Léon Cremer ohne Absprache mit der Kirchengemeinde kostenträchtige bauliche und andere Maßnahmen veranlasste und dafür die noch nicht bezahlte Kirchensteuer einsetzte.

Einige Katholiken des Herdecker Ortsteils Ende und der zugehörigen Ortschaften waren aber mit der Standortwahl der Kapelle absolut nicht einverstanden. Sie wollten lieber einen für sie günstigeren Standort, da kaum jemand von ihnen über eine Fahrmöglichkeit verfügte, und die Kapelle doch recht abgelegen war. Man hatte auch schon für den Bau einer Kirche mitsamt Pfarrhaus und sogar einer Schule im „Kirchdorf“, dem Mittelpunkt der Gemeinde, ein Grundstück gekauft.

Proteste nützen nichts

Am Tag der Einweihung der Kapelle riefen daher einige Betroffene, allerdings anonym, zu einer „Trauerfeier“ im alten Betsaal der Ender Katholiken, der Wirtschaft Sporbeck im Kirchdorf, auf. In dem Aufruf heißt es unter anderem: „Dann fiel es einem am Ende der Gemeinde, am schlechten, im Winter unpassierbaren Wege gelegenen größeren Privatbesitz ein, die Kirche in seine Sommerresidenz zu fordern und heute harrt dieselbe, an dieser Stelle, ihrer Zweckbestimmung.“ Doch alle Proteste nutzten nichts, und erst 60 Jahre später wurde die lange gewünschte St. Urban-Kirche in zentraler Lage von Ende gebaut.

Heute finden in St. Elisabeth im Wechsel mit den anderen Kirchen des Pastoralverbunds An den Ruhrseen nur noch samstags und zu besonderen Anlässen heilige Messen statt. Beliebt ist jedoch die romantisch in einem kleinen Wäldchen etwas abseits gelegene Kapelle als Ort für Trauungen.

 
 

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