Therapie-Pferde helfen Menschen mit Morbus Huntington

5000 Euro hat die Sparkassenstiftung für das reittherapeutische Angebot der ESV gespendet.Reittherapeutin Nicole Brenk, Andrea Hinsberger, Christian Becke von der Sparkassenstiftung, Andrea Wittig, Kerstin Brandt, Stephanie Hof zum Berge und Ekkehard Meinecke (von links).
5000 Euro hat die Sparkassenstiftung für das reittherapeutische Angebot der ESV gespendet.Reittherapeutin Nicole Brenk, Andrea Hinsberger, Christian Becke von der Sparkassenstiftung, Andrea Wittig, Kerstin Brandt, Stephanie Hof zum Berge und Ekkehard Meinecke (von links).
Foto: WP
Die seltene und schwere Krankheit Morbus Huntington ist unheilbar. Reittherapeutin Nicole Brenk versucht den Menschen, die an diesem Schicksal leiden, so gut es geht zu helfen. Unterstützt wird sie dabei von drei Therapie-Pferden.

Wetter.  Mit einer blauen Wurzelbürste streicht Andrea Hinsberger über den Rücken von Toady. Von der anderen Seite zieht Andrea Wittig mit einem Plastikstriegel das Fell des Ponys glatt. „Du kannst spüren: Toady hat das weichste Fell aller drei Therapie-Pferde“, ermuntert Reittherapeutin Nicole Brenk einen Schützling zur Kontaktaufnahme. Die Therapie leistet Schwerstkranken wertvolle Hilfe. Eine Spende der Sparkassenstiftung von 5000 Euro hat das Angebot der Evangelischen Stiftung Volmarstein jetzt für ein weiteres Jahr gesichert.

Eine seltene, aber sehr schwere Krankheit

Morbus Huntington ist eine heimtückische Krankheit. Erst im Erwachsenenalter, zwischen 30 und 45 Jahren, tauchen in der Regel die ersten Symptome auf: Die motorischen Fähigkeiten lassen nach, das Sprechen fällt schwer, die Persönlichkeit des bis dato kerngesunden Menschen verändert sich. „Innerhalb von zehn bis 15 Jahren verläuft die Krankheit dann tödlich“, erklärt Ergotherapeutin Stephanie Hof zum Berge. Andreas Hinsberger und Andrea Wittig sind von dieser seltenen Krankheit betroffen. Einmal in der Woche nehmen die beiden jungen Frauen am reittherapeutischen Angebot der Stiftung teil und verbringen einen Nachmittag auf dem Mühlenhof. „Darauf freue ich mich immer sehr“, sagt Andrea Hinsberger, die früher selbst Reiterin war. „Damals, als ich noch gesund war“, sagt sie.

In ganz Deutschland sind rund 8000 Krankheitsfälle der seltenen Gehirnerkrankung bekannt – 40 erkrankte Personen leben allein im Haus Bethanien der Evangelischen Stiftung Volmarstein. „Wir können in Volmarstein also durchaus von einem Zentrum für Morbus-Huntington-Erkrankte sprechen“, sagt Ekkehard Meinecke, Geschäftsbereichsleiter der Behinderten- und Jugendhilfe. Der Verlauf der Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich. Oft treten am ganzen Körper unwillkürliche Zuck-Bewegungen auf, das Schlucken fällt den Betroffenen schwer, sie sind nervös, depressiv, reizbar, im späteren Stadium treten häufig Gedächtnis- und Orientierungsstörungen bis zur Demenz auf.

„Eine Heilung ist nicht möglich“, erklärt Stephanie Hof zum Berge, „aber durch Angebote wie unsere Reittherapie, können wir die Krankheit positiv beeinflussen und die Lebensqualität der betroffenen Patienten verbessern.“ Das Reiten und der Umgang mit den Pferden fördern das Gleichgewicht, die Koordination und wirkt sich positiv auf den Aufbau des Muskelapparates aus.

„Der Kontakt mit unseren feinfühligen und geschulten Pferden hat eine Menge positive Auswirkungen auf die Patienten“, erklärt Reittherapeutin Nicole Brenk, die für die Therapiestunden auch ihre eigenen Pferde zur Verfügung stellt. „Der warme Kontakt zu den Pferdekörpern hat eine beruhigende Wirkung, der gekonnte Umgang mit den großen Tieren fördert das Selbstbewusstsein, Kommunikation zwischen Mensch und Tier ist auch beim Abhandenkommen des Sprechvermögens möglich.“ Aspekte, die den Betroffenen wertvolle Momente schenken, in denen sie ihre Krankheit für einen Moment vergessen können.

 
 

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