Terex/Demag will deutschlandweit 196 Stellen streichen

Nach einer zweieinhalbstündigen Betriebsversammlung
Nach einer zweieinhalbstündigen Betriebsversammlung
Foto: WP
Der weltweit agierende Baumaschinen-Hersteller Terex will deutschlandweit von 2000 Stellen 196 bei der früheren Demag streichen. Vor allem das größte Werk in Wetter ist von Kürzungen betroffen und laut Betriebsrat dann „nicht mehr lebensfähig“.

Wetter.. Als vor ziemlich genau zwei Jahren das US-Unternehmen Terex die Mehrheit beim Kranbauer Demag übernahm, fürchteten auch manche der aktuell 1500 Mitarbeiter in Wetter harte Einschnitte. Bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag in der Ruhrstadt erklärte Steve Filipov, der zweite Mann im Gesamtkonzern des amerikanischen Baumaschinen-Herstellers, warum deutschlandweit von 2000 nun 196 Stellen abgebaut werden müssten.

Die Hauptlast wird der größte Produktionsstandort Wetter zu tragen haben. 59 aus Vertrieb und Verwaltung sollen gehen, auch 60 befristete Stellen (darunter Leiharbeit) fallen weg, hinzu kommen 77 aus der Produktion. „Damit sehen wir insgesamt den Standort in Gefahr, diesen Arbeitsplatzabbau verkraften wir hier nicht“, sagten gestern die Betriebsräte Petra Nijhuis und Reinhard Möller. Sie seien in der jüngeren Vergangenheit wegen der schlechten Auftragslage bei Terex zu Gesprächen und flexiblen Umstrukturierungen bereit gewesen, doch die von Filipov gestern skizzierte Entwicklung sei für sie nicht nachvollziehbar.

Zumal sie sich wie die IG Metall auf einen Zukunftstarifvertrag berufen. Der garantiert bis August 2014 keinen Abbau von Arbeitsplätzen sowie bis 2016 Standortsicherheit. Mit dieser Position will die Gewerkschaft in nun vermutlich bald stattfindende Gespräche mit dem Arbeitgeberverband gehen.

Klausel ermöglicht Gespräche

An diesen Vertrag will sich auch Filipov bzw. die Terex-Konzernspitze halten. Er beruft sich auf eine Revisionsklausel, dass bei schlechter wirtschaftlicher Lage Gespräche stattfinden können. In diesen und bei der gestrigen Betriebsversammlung vor mehreren Hundert Mitarbeitern betonte der Manager, dass der globale Markt durch steigende Kosten und immer mehr Wettbewerb zunehmend schwieriger werde. Dem weltweit agierenden Unternehmen, das um den Globus herum 8000 Mitarbeiter beschäftigt, fehlen Aufträge aus China, Indien, Russland dem mittleren Osten sowie aus Südeuropa. „Daher haben wir mit Umstrukturierungen schon beginnen müssen“, erklärte Filipov im Interview mit unserer Redaktion. Die weiteren geplanten Maßnahmen mit dem Stellenabbau würden der Zukunftssicherung der deutschen Standorte dienen. Insgesamt gehe es darum, Kosten einzusparen, um sich bereits 2014 noch wettbewerbsfähiger aufstellen zu können.

Sozialverträglicher Abbau

Lars Brzoska, Vize-Präsident von Terex Material Handling sagte, dass sich der Konzern um einen sozialverträglichen Stellenabbau bemühe, Kurzarbeit etwa würde das Gesamtproblem aber nicht lösen. „Auch wenn der deutsche, österreichische und Schweizer Markt recht stabil seien, wirken sich die weltweiten Entwicklungen auch hier aus.“

Bei vielen Angestellten kam diese Argumentation in der Versammlung nicht an. Manche meinten, dass sie durch die Ausführungen angesichts fehlender zeitlicher Vorgaben „keinen Deut schlauer“ geworden seien, auch wenn sie mit der kurzfristigen Umsetzung rechnen. Andere vermuteten, dass Filipov als Nachfolger des langjährigen Demag-Chefs Aloysius Rauen seit Jahresanfang unter Druck stehe und schnellstmöglich gute Zahlen liefern müsse. „Viele von uns sind jetzt verunsichert, da sie nicht wissen, wie es weiter geht“, sagte ein Mann am Werkstor. Kurzum: Bei Demag/Terex geht die Angst vor Entlassungen um.

 
 

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