Streit über Hugo Knauer als Namens-Patron für Schule

Hugo Knauer starb 2008. Er  hat Herdecke als Bürgermeister stark geprägt
Hugo Knauer starb 2008. Er hat Herdecke als Bürgermeister stark geprägt
Foto: WR
Die Grünen in Herdecke sind für Erkundigungen über den langjährigen Bürgermeister. Die SPD findet das „unanständig“.

Herdecke..  33 Jahre war Hugo Knauer ehrenamtlicher Bürgermeister in Herdecke. Jetzt soll eine Grundschule nach ihm benannt werden. Im Schulausschuss hoben sich längst nicht alle Arme für diesen Wunsch. Peter Gerigk von den Grünen: Beim Namens-Patron für eine Schule „sollte man sicher sein, dass nichts nachkommt, was negativ ist.“

Die bisherige Grundschule Vinkenberg, die vor einem Jahr nach Ende gezogen ist, möchte künftig den Namen des früheren SPD-Bürgermeisters tragen. Und weil allen Ausschussmitgliedern der erklärte Wille der Eltern und Lehrer wichtig war, gab es auch keine Stimmen gegen die Umbenennung - aber sechs Enthaltungen bei acht Ja-Stimmen meist von der SPD.

Ja, auch seine Fraktion habe dafür gestimmt, dass Hugo Knauer den Ehrenring der Stadt bekomme, bekannte Gerigk. Bei Namensgebern für eine Schule müssten aber noch strengere Maßstäbe angelegt werden. Und da stehe Knauer „als Garant für Parteibuchzwang in dieser Stadt bis hin zum Hausmeisterposten.“ Auch habe er die Grünen nach ihrer Wahl in den Rat massiv in der politischen Arbeit behindert. Wichtiger aber noch für Gerigk: Knauer sei Jahrgang 1924 und damit im nationalsozialistischen Deutschland beim Militär gewesen. „Auch wenn es Indizien dafür gibt, dass Hugo Knauer in erster Linie Opfer war“, wollten die Grünen „Überraschungen ausschließen“ wie etwa beim Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der spät bekannte, in der Waffen-SS gewesen zu sein. Sie forderten Erkundigungen beim European Document Center oder der Wehrmachtsauskunftsstelle.

Für FDP „kein Vorzeigedemokrat“

Auskünften über Hugo Knauer in der Zeit des Nationalsozialismus wollte sich auch Patrick Wicker (CDU) „nicht verschließen, um mit dem Thema sauber umzugehen.“ Auch Pia Wolf von der Linken befürwortete im Grundsatz verlässliche Auskünfte im Vorfeld von Benennungen, aber nicht nur bei Hugo Knauer. Wilhelm Huck (FDP) wollte zwar „nicht rumwühlen, wo es nichts gibt“, ging aber bei Hugo Knauer als Vorbild auf Distanz: „Für uns Liberale war er nicht der Vorzeigedemokrat“, so Huck.

Jan Schaberick, Schulausschussmitglied der SPD und Bürgermeisterkandiat seiner Partei, zeigte sich „überrascht, mit welchen Mitteln die Grünen die Namensnennung verhindern wollen.“ Auf Facebook werde eine Diskussion befeuert, „um diese Problematik kaputt zu reden.“ Er finde das ganze Verhalten der Grünen „maßlos“. Hans-Jürgen Sellmann, über Jahrzehnte politischer Weggefährte von Hugo Knauer, rief Peter Gerigk zu: „Was Sie hier tun, ist unanständig. Sie flüstern ein, dass Hugo Knauer vor seiner Zeit in Herdecke etwas am Stecken gehabt haben könnte.“ Und das bei einem Mann, der Herdecke in der Nachkriegszeit „maßgeblich geformt“ habe und reich an Verdiensten sei.

Knauer habe die Selbstständigkeit Herdeckes erhalten, als Hagen und auch Dortmund die Stadt schlucken wollten. Er habe sich „mit Macht“ für die Umgehungsstraße ausgesprochen. Und er sei ein wichtiger Wegbereiter des Krankenhauses in Ende. Wie viele andere Vertreter seiner Generation habe Hugo Knauer über den Krieg nie gerne reden wollen, so Hans-Jürgen Sellmann. Aber was er ihm berichtet habe, war, „dass es ihm sehr dreckig gegangen ist in dieser Zeit.“

Die Grünen kündigten einen Vorstoß an, dass auch bei anderen Namensgebern in der Stadt noch einmal deren Vergangenheit gezielt beleuchtet werden und künftig dann auch automatisch so verfahren werden soll. Erst kürzlich war die Grundschule im Dorf auf Wunsch der Schulkonferenz in Werner-Richard-Grundschule umbenannt worden.

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