Stadtsaal ist Klotz am Bein der Lichtburg

Koffertheater-Premiere "Zu früh getraut"
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Foto: WR

Wetter.. Knapp 24 000 Besucher in rund 370 Veranstaltungen. Überschüsse in fast allen Geschäftsbereichen. Die Welt könnte in Ordnung sein für den Lichtburg-Verein, wäre da nur nicht der Stadtsaal. „Unser einziges Problemkind“, seufzt Ekkhard Meinecke, erster Vorsitzender des Vereins.

Die Klagen sind nicht neu. Vor einem Jahr schon hatte das Kulturzentrum Lichtburg Alarm geschlagen, weil der Stadtsaal die finanzielle Bilanz verhagelte. Bei 17 000 Euro hatte das Jahresdefizit damals gelegen. Für 2011 ist es auf 22 000 Euro geklettert. Die Betriebskosten sind rasant gestiegen, rechnet Lichtburg-Geschäftsführer Christian Müller-Espey vor. Besonders hoch sind die Ausgaben für Strom und fürs Heizen.

Was den Stadtsaal aber viel mehr zum Klotz am Bein der Lichtburg werden lässt: Es sind überwiegend die Vereine aus Wetter und die Stadt selbst, die den Saal buchen „und keine kostendeckenden Saalmieten zahlen“. So steht es im druckfrisch vorgelegten Geschäftsbericht für 2011. Ekkehard Meinecke hat kein Problem damit, dass die Stadt den Vereinen auf diese Art unter die Arme greift. Nur dürfe das nicht weiter zu Lasten der Lichtburg gehen.

Bleibt die Lichtburg weiter auf den Kosten sitzen, die eigentlich die Vereine verursachen, ist für sie Schluss mit der Trägerschaft. Das hat der Verein die Stadt auch schon wissen lassen. Und noch ein anderer Kostenpunkt spielt eine Rolle. „Der Stadtsaal hat einen gigantischen Investitionsstau“, stellt Meinecke fest. Hier müsse die Stadt als Eigentümer ein klares Sanierungskonzept vorlegen. „Bis zum Sommer müssen Lösungen gefunden sein“, heißt es bei der Lichtburg. Die Stadt hat schon ein Signal gegeben: Wegen der gestiegenen Energiekosten für den Saal hat der Rat 10 000 Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt.

42 000 Euro überweist die Stadt jährlich an die Lichtburg als Kulturdienstleister. Das sind weniger als 10 Prozent der Gesamtausgaben. Der Bundesdurchschnitt liegt beim Dreifachen.

DER KOMMENTAR

Geburtsfehler

Klaus Görzel

Die Lichtburg ist ein Glücksfall für Wetter. Sie sorgt mit einem Mini-Etat für ein Riesenprogramm.

Ein Überschuss in der Gastronomie, ein Überschuss in der Musikschule: Der Kulturverein kann mit Geld umgehen. Das gilt trotz oder gerade wegen des Defizits beim Stadtsaal. Dieses Defizit ist ein Geburtsfehler.

Der Lichtburg-Verein hat von der Stadt die Trägerschaft für den Stadtsaal übernommen - und damit auch die Verpflichtung, den Vereinen den Saal zu Konditionen zur Verfügung zu stellen, die die Kosten nicht decken.

Zieht man den Verlust beim Stadtsaal ab, gibt die Stadt pro Jahr nicht mal einen Euro pro Bürger für die Lichtburg aus, die fast die ganze Kulturarbeit in Wetter schultert. Peinlich wenig ist das.

Wobei die Lichtburg-Arbeit längst zu einem Aushängeschild für die Wetter geworden ist. Der HeartChoir hat es bis ins ZDF geschafft. Die Eigenproduktionen bieten Musik und Theater weit über der Kleinstadt-Liga.

Es wird Zeit, dass die Politik das anerkennt. Mit einem Programm für die Stadtsaalsanierung. Und Lichtburg-Zuschüssen, die auch wirklich für die Lichtburg sind.

 
 

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