Sparkassen Herdecke und Hagen verhandeln Fusion

Die Stadtsparkasse Herdecke könnte von der Sparkasse Hagen "geschluckt" werden
Die Stadtsparkasse Herdecke könnte von der Sparkasse Hagen "geschluckt" werden
Foto: WP
Die Verwaltungsräte der Sparkassen Herdecke und Hagen haben grünes Licht für die Aufnahme von Fusionsgesprächen gegeben.

Herdecke/Hagen.  Die Sparkasse Herdecke nimmt mit der Sparkasse Hagen Verhandlungen zur Gründung eines Zweckverbandes auf. Einen entsprechenden Beschluss haben die Verwaltungsräte der jeweiligen Institute getroffen. Würde ein entsprechender Vertrag bis zum 31. August diesen Jahres unterzeichnet, könnte er rückwirkend zum Jahresbeginn in Kraft treten und würde so schon eine gemeinsame Bilanz ermöglichen. Allerdings: „Der Verwaltungsrat setzt dabei mehr auf Gründlichkeit, denn auf Schnelligkeit“, will sich Katja Strauss-Köster, als Bürgermeisterin und Vorsitzende des Verwaltungsrates, nicht treiben lassen. Den letztlichen Beschluss zu einer Fusion trifft der Rat der Stadt.

Schaut man auf die Bilanzen der Institute, gibt es nach Aussage von Franz-Wilhelm Buerdick (61), Vorstand der Herdecker Sparkasse, aktuell keinen Zwang, nach einem Partner zu suchen. Beide Institute seien kerngesund. Doch mit Blick auf die Entwicklungen im europäischen Finanzsektor wie auch auf den demografischen Wandel gelte es, sich auf die Zukunft einzustellen. Und die bringt eine kleinere, mobilere und vor allem digital agierende Kundschaft mit sich. Dazu erwartet der Banker eine weitergehende Regulierung seitens der Europäischen Union, die die Sparkassen in gleicher Weise betreffe wie die Privatbanken. Auch wenn das Geschäftsmodell weit weniger risikoreich ist. „Wir sind schon immer in unseren Geschäften kundenorientiert gewesen“, sagt Buerdick. Das, was die Sparkasse als Einlage von ihren Kunden bekommt, gibt sie an anderer Stelle im Kreditgeschäft wieder heraus.

Gestiegene Regulierung ist ein Aspekt, der Sparkassen auch anderswo zu Zusammenschlüssen treibt. „Ein kleines Institut muss den gleichen Aufwand betreiben wie eine große Sparkasse“, erklärt Buerdick, wo er bei einem Zweckverband Chancen sieht, Kosten zu senken. Die Sparkasse Herdecke hat 100 Mitarbeiter, das Hagener Institut weist 509 Mitarbeiter aus. „Kündigungen schließen wir aber aus, eine Reduzierung ließe sich durch die normale Fluktuation bewältigen“, so Buerdick. Langfristig würde es also auch um die Reduzierung der Mitarbeiterzahl gehen. Bei diesem Thema gerät der Blick auch auf die Vorstandsebene, die mit dem Verhältnis zwei (Herdecke) zu drei (Hagen) bei einer Fusion nicht ganz der Gewichtung der Bilanzsummen entsprechen würde. Die lag in Herdecke 2014 bei 391 Millionen Euro, in Hagen waren es 2,499 Milliarden. Antwort Franz-Wilhelm Buerdick: „Nach dann fast 30 Jahren Vorstandsarbeit kann auch einmal Schluss sein.“

Gespräche auch mit anderen

Wichtig ist Katja Strauss-Köster, dass Herdecke nicht allein in Richtung Hagen schaut. Zumal es immer wieder Gespräche mit anderen Kreisstädten – unter anderem Wetter – gegeben habe. Ein Termin mit einem Institut im Kreis steht noch aus. Doch: „Wenn es um die Ausschüttungen an die Kommune und das gesellschaftliche Engagement geht, haben Hagen und Herdecke eine ähnliche Philosophie“, so die Bürgermeisterin.

Für die Kunden würde sich mit einem Zweckverband nach Aussagen der Beteiligten nichts ändern. Nah dran, flexibel, regional verbunden. Das ist das Credo der Bürgermeister beider Städte. Doch klar ist: Irgendwann muss man sich den veränderten Bedürfnissen der Kunden anpassen. Das heißt: Das Internet dient als Informationsquelle, für einen konkreten Abschluss setzten die Kunden aber nach wie vor auf den Kontakt zu den Mitarbeitern der Filialen, sagt Buerdick. Allerdings: „Wenn wir in den vergangenen Jahren nicht auch Filialen geschlossen hätten, ständen wir nicht so gut da, wie wir es jetzt tun.“

Ein Pfund, mit dem die Herdecker nun wuchern wollen. „Wir sind eine gut aufgestellte Sparkasse“, sagt Katja Strauss-Köster und betont, dass man lieber in einer Zeit verhandelt, in der man noch nicht dazu gezwungen ist.

 
 

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