Sorgen für die Feuerwehr Wetter, viele Dramen in Herdecke

Dramatischer Einsatz am Rostesiepen: Der Bewohner eines Appartements im Souterrain überlebte den Brand am 3. April 2014 nicht. Er starb an den Folgen einer Rauchvergiftung.
Dramatischer Einsatz am Rostesiepen: Der Bewohner eines Appartements im Souterrain überlebte den Brand am 3. April 2014 nicht. Er starb an den Folgen einer Rauchvergiftung.
Foto: WP
Nach zwei Einsätzen in Ende am Dienstag zogen beide Feuerwehren Bilanz. Die Herdecker Kameraden mussten 2014 gleich drei tödliche Ereignisse verkraften.

Herdecke/Wetter..  Mit zwei Einsätzen am Dienstag in Herdecke (Wohnungsbrand In der Schlage, Unfall auf der Ender Talstraße) bog die Feuerwehr in den Jahresendspurt ein. Zeit für eine Bilanz aus beiden Ruhrstädten.

Zwei Tote bei Verkehrsunfällen, ein verstorbener Senior nach einem Wohnungsbrand in Ende: Herdeckes Freiwillige Feuerwehr hatte 2014 nach eigenen Angaben „leider einige sehr dramatische und schreckliche Einsätze“ zu bewältigen. Insbesondere die schweren Unfälle auf der Umgehungsstraße am 17. Februar und vor dem Mühlencenter am 11. April hätten selbst erfahrene Einsatzkräfte in ihren Reihen sehr bewegt.

Insgesamt habe die Intensität der Einsätze 2014 sehr zugenommen. Beachtlich sei sicherlich auch die Anzahl der Verletzten durch Kohlenmonoxidvergiftungen in beiden Ruhrstädten gewesen. Viele Brände seien aber in diesem Jahr durch Rauchmelder frühzeitig erkannt worden, was mit Sicherheit einigen das Leben gerettet habe. Am 3. April half im Rostesiepen leider kein Rauchmelder: Das erste Mal nach 15 Jahren starb in Herdecke wieder ein Mensch bei einem Brand.

424 Einsätze in diesem Jahr

2014 habe es bisher 424 Einsätze gegeben. „Für uns fast schon ein normaler Wert“, sagt Tillmanns. Darunter seien viele Kleineinsätze, die der mündige Bürger auch selbst bewältigen könnte (etwa kleinere Äste auf der Fahrbahn) oder die eigentlich keiner sofortigen Handlung durch die Feuerwehr bedürfen; dabei denkt sie an tote Tiere am Straßenrand oder in der Ruhr sowie heimische Schlangen in Gärten.

„Mit Sorge betrachten wir das Verhalten einiger Mitbürger“, meint Tillmanns. Und unterscheidet: Oft gebe es Passanten, die vorbildlich helfen. Aber: „Wir werden jedoch immer wieder auch behindert, beschimpft oder gar körperlich angegangen. Ich selbst wurde geschubst, ein Kamerad sogar mutwillig an einer Absperrung angefahren.“

Zwei neue Großfahrzeuge

Auch die Anzahl der hilflosen Personen in verschlossenen Räumen habe drastisch zugenommen, so Tillmanns persönliche Einschätzung. Weitere Besonderheit in diesem Jahr sei die Übergabe von gleich zwei neuen Großfahrzeugen (Löschfahrzeug und Drehleiter) gewesen. Das Löschfahrzeug rücke zu fast jedem Einsatz aus. Mit der Drehleiter habe man bereits fünf Menschen gerettet. Demnach „eine lohnende Anschaffung“ für die Herdecker Kameraden.

Die Anzahl der freiwilligen Einsatzkräfte sei 2014 auf beachtliche 105 gewachsen. „Wir suchen jedoch immer noch händeringend ehrenamtliche Helfer“, so Tillmanns, der auf den Beginn einer Feuerwehr-Grundausbildung in Herdecke am 5. Februar hinweist.

Freud und Leid in Wetter

Die Freiwillige Feuerwehr Wetter verzeichnete im abgelaufenen Jahr wenig spektakuläre Einsätze. Doch könnten die Sorgen von 2014 auch jene in 2015 sein, wie Ralf Tonetti als Leiter der hiesigen Feuerwehr andeutet.

Ein Problem: „Das Verständnis einiger Bürger bei unseren Einsätzen wird geringer, uns wird immer öfter das Leben schwer gemacht“, berichtet Tonetti. Getroffene Maßnahmen der Feuerwehr würden infrage gestellt, vor allem bei Straßensperrungen stoßen demnach die Hilfskräfte häufiger auf Kritik oder auf Fragen wie „Benötigt ihr wirklich so viele Autos hier?“.

Dieses Phänomen sei aber nicht nur in Wetter zu beobachten. Hier habe der Feuerwehrchef aber zudem festgestellt, dass er und seine Leute öfter zu Bagatellangelegenheiten gerufen würden. „Früher wurde ein kleiner Ast auch mal eben selbst weggeräumt, heutzutage werden wir angefordert. Um nicht missverstanden zu werden: Wir sind für alle möglichen Schadensfälle natürlich stets erreichbar und kommen unserer Aufgabe nach.“

Positiv bewertet Tonetti das eingeführte Punktekonto (Ehrenamtssparbuch). „Ich glaube, dass die Politik hier Verständnis für uns hat. Hoffentlich läuft die Unterstützung und Kommunikation künftig so gut wie in diesem Jahr.“ Das Nachwuchs-Problem bei der hiesigen Feuerwehr will 2015 auch der kurz vor Weihnachten eingerichtete Arbeitskreis Marketing angehen. Etwa zehn Kameraden machen sich Gedanken, wie sie Interessenten anwerben und Mitglieder bei Laune halten können. „Wir planen Aktionen in Schulen und Kindergärten, zudem denken wir über einen Facebook-Auftritt nach“, so Tonetti.

Dessen Rückblick fällt kurz und knapp aus: Besondere Einsätze habe es am 7. August wegen Chlorgas bei der Firma Zeschky und am 4. Februar in der Tischlerei Garthe wegen brennender Späne gegeben. Auch erinnert sich Tonetti noch an das Wasserabpumpen am 20. September in der Breslauer Straße nach starken Regenfällen und an zwei Verletzte am 15. August nach einem Unfall auf der Vogelsanger Straße. Der größte Einsatz 2014 stellte sich am 10. Februar anders als gedacht dar: „Wir gingen von einem Brand des Umspannwerks in Volmarstein aus. Vor Ort stellte sich heraus, dass nebenan das Poco-Lager in Flammen stand, woraufhin wir die Hagener Kollegen unterstützt haben.“

Zwei Personen bei Brand verletzt

Herdeckes Feuerwehr rückte in der Nacht von Montag auf Dienstag um 2.38 Uhr zu einem Brand in einem Wohngebäude „In der Schlage“ aus und löste Sirenenalarm in Herdecke aus. Zwei Hausbewohner wurden leicht verletzt.

Vor Ort brannte es in einer Wohnung des Gebäudekomplexes; Flammen schlugen aus dem Fenster eines Abstellraumes. Die Bewohner retteten sich ins Freie, sie wurden von Rettungsdienst und Notärztin versorgt. Zwei Personen (darunter eine 49 Jahre alte Herdeckerin) wurden leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. Der Wohnungsinhaber (46) blieb unverletzt. Durch die Hitze wurde eine Wasserleitung beschädigt, so dass Wasser auch in die darunter liegende Wohnung lief. Das Feuer war nach Angaben der Wehr relativ schnell unter Kontrolle. Die Helfer retteten aus der Brandwohnung einen blinden Hund, zwei Papageien sowie einen Hasen.

Zwei Löschzüge waren mit 44 Kräften vor Ort. Die Polizei ermittelt zu Brandursache und Sachschaden. Die Brandwohnung ist unbewohnbar, die darunter liegende Wohnung eingeschränkt bewohnbar.

Auto rutscht auf Ender Talstraße in den Graben

Im Tagesverlauf wurde Herdeckes Freiwilliger Feuerwehr dann um 13.34 Uhr ein Verkehrsunfall auf der Ender Talstraße zwischen den Ausfahrten Kirchende und Westende gemeldet. Ein VW Bora hatte sich aus ungeklärter Ursache gedreht und war in den Graben gerutscht. Dabei war die Ölwanne abgerissen. Der Fahrer blieb unverletzt. Die Feuerwehr streute Öl mit Bindemittel ab. Nach dem Abschleppen des Autos rückte der Löschzug wieder ein. Für die Dauer des Einsatzes war die Straße halbseitig gesperrt

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