Sonne verdunkelt sich nur auf dem Bildschirm

Nina-Maria Haupt
Ja wo scheint sie denn? Die Kinder der katholischen Grundschule Sankt Rafael in Wetter warten auf die Sonnenfinsternis, aber der Himmel bleibt bewölkt.
Ja wo scheint sie denn? Die Kinder der katholischen Grundschule Sankt Rafael in Wetter warten auf die Sonnenfinsternis, aber der Himmel bleibt bewölkt.
Foto: WP
Gut ausgerüstet mit Spezialbrillen warteten die St. Rafael-Grundschüler im Freien auf die Sonnenfinsternis. Doch der Himmel blieb bewölkt.

Wetter/Herdecke.  Aufgeregt stehen die Kinder im Gang der katholischen Sankt-Rafael-Grundschule in Wetter und versuchen, ihre viel zu großen Brillen festzuhalten. Immer wieder rutschen die Spezialbrillen zum Ansehen der Sonnenfinsternis von den kleinen Nasen. Manche Kinder nehmen die unbequemen Brillen gleich ab, aber die Lehrerinnen bestehen darauf, dass kein Kind ohne Spezialbrille nach draußen geht.

Dann geht es raus auf den Schulhof, wo sich die Kinder in den Steinkreis setzen und gespannt zum Himmel hinaufsehen. Aber der ist bewölkt. „Ich sehe nichts!“ „Wer hat das Licht ausgemacht?“ „Wo ist denn die Sonne?“, rufen die Kinder durcheinander.

Im Unterricht haben sie sich gründlich auf das Ereignis vorbereitet: „Wir haben mit den Kindern eine Sonnenfinsternis mit verschieden großen Bällen nachgespielt“, erklärt Bettina Michaelis, die Klassenlehrerin der zweiten Klasse. „Wir haben es auch als szenisches Spiel nachgestellt, die Kinder waren Mond und Sonne. Außerdem haben wir einen Text dazu gelesen und Zeitungsausschnitte über die Sonnenfinsternis mitgebracht.“

Auch das Tragen der Sonnenfinsternis-Brillen haben die 104 Kinder der katholischen Grundschule geübt. Trotzdem müssen die Lehrerinnen immer wieder Schüler ermahnen, ihre Brillen wieder aufzusetzen. Wer das nicht will, muss wieder in den Klassenraum zurück gehen. Zu gefährlich wäre es, direkt in die Sonne zu schauen.

Die Spezialbrillen hat der Förderverein finanziert, damit alle Kinder das Spektakel sehen können. Doch dann bleibt es nebelig und trüb. Zuerst sitzen die Kinder noch gespannt auf den Steinen und sehen zum Himmel. Dann springen sie auf und laufen ungeduldig herum, bis die Lehrerinnen sie in die Klassenräume zurück schicken.

Die Kinder der Grundschule im Dorf in Herdecke konnten deutlich mehr sehen - allerdings nur auf dem Bildschirm. „Da die Wettersituation nicht abzusehen war, haben wir uns entschieden, nicht die teuren Brillen zu kaufen, sondern die Sonnenfinsternis im Livestream zu gucken“, sagt Matthias Wittler.

Seine 187 Schüler konnten Live-Übertragungen im Raum für Naturwissenschaften und Technik aus verschiedenen Städten Europas verfolgen. Offenbar war das nicht weniger spannend als das echte Erlebnis: „Schon den ganzen Tag lang gab es kein anderes Thema. Die Kinder waren hellauf begeistert, dieses Naturereignis live mitverfolgen zu können“, so der Lehrer.

In Wetter zeigt sich die Sonne erst mittags wieder - dann aber ganz.