Seniorin beklagt fehlende Briefkästen in Herdecke

Herdecke..  Es war einmal: Ingeborg Meironk wohnt am Herdecker Herrentisch und musste früher nur ein paar Schritte gehen, um ihre Post in einen Briefkasten zu werfen. Das ist lange her. Mittlerweile fährt sie mit dem Bus zum Heinrich-Heine-Platz. Dort an der Zeppelinstraße steht für sie die nächste gelbe Box. „Das bedeutet aber auch eine Wartezeit von einer Stunde, um mit dem Bus zurück fahren zu können“, sagt die Seniorin. „Für mich mit meinem Monatsticket ist das trotz des Aufwands ja noch verkraftbar, aber für andere ältere Leute sind immer weniger Briefkästen ein richtiges Problem.“

Fehlanzeige im Einkaufszentrum

Ingeborg Meironk hat sich auch in der Herdecker Innenstadt umgeschaut, da sie bei ihren Einkäufen auch gerne die Post abschicken möchte. Ergebnis: Nur in der Filiale an der Wetterstraße und an der Brinkstraße (Rückseite Stadtbücherei) gibt es Einwurfmöglichkeiten. Kein Briefkasten am Mühlencenter oder Quartier Ruhraue, Fehlanzeige auch in der gesamten Hauptstraße sowie in der Fußgängerzone. „Über das Ende der Bauarbeiten in der Hauptstraße liegen uns bedauerlicherweise noch keine Informationen vor“, sagt Post-Pressesprecher Alexander Böhm auf Anfrage, „aber nach dem Abschluss soll dort wieder ein Briefkasten aufgebaut werden.“

An 21 Standorten im Herdecker Stadtgebiet stehen laut Deutscher Post Briefkästen. „Auf den ersten Blick sind das recht viele“, so Böhm, der auf gesetzliche Regelungen für die Standorte von 110 000 gelben Boxen in ganz Deutschland verweist. Nach dem großen Aufschrei vor zwölf Jahren, als das Unternehmen an vielen Orten die Einrichtungen abbaute, arbeite der Konzern an dem Aufstellungs-Netz. Böhm: „Ein Briefkasten soll für Bürger in einem erträglichen Maß fußläufig erreichbar sein.“ Heißt: In Wohngebieten etwa mit einer Reichweite von 1000 Metern. „Tatsächlich sind es schon mal unter 500 Meter, wir unterschreiten dauerhaft die Mindestanforderung.“

Aktivitäten je nach Bedarf

Mit Blick auf hügelige Gebiete oder Sorgen von Senioren sagt der Post-Sprecher, „dass wir die Briefkästen nicht dort hinstellen dürfen, wo manch einer es gerne hätte. Wir gucken auch, wie die Auslastung eines einzelnen Standortes ist und reagieren je nach Bedarf darauf, etwa wenn Neubaugebiete entstehen.“ Hinweise von Kunden oder Beschwerden nehme der Konzern ernst, über eine Telefonnummer können Bürger vermeintliche Missstände melden. „Wir können es nicht allen recht machen. Seit dem Abbau vor zwölf Jahren ist die Zahl der aufgestellten Briefkästen nicht gesunken, mancherorts sind auch nach Hinweisen neue aufgebaut worden“, so Böhm. In besonderen Fällen könnten Kunden – sofern es im Rahmen bleibe – auch ihren Zusteller ansprechen und ihn um die Mitnahme der Post bitten.

Informationen im Internet

Ansonsten verweist der Sprecher auf die Internetseite des Unternehmens (www.post.de), wo unter dem Stichwort „Briefkasten finden“, alle aktuellen Standorte in einer Stadt mit zeitlichen Angaben zur Leerung aufgeführt seien. Das hilft Ingeborg Meironk nicht wirklich, denn auch im Zeitalter von Internet und E-Mails gebe es noch viele, die auf den guten, alten Brief setzen. „Und die Geschäftspost ist ja nach wie vor wichtig.“

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