Selbstmord-Kommentar von Ratsherr sorgt wieder für Aufsehen

Malte Dürr, der für die SPD im Herdecker Rat sitzt, geriet am Donnerstag nach einem Selbstmord-Kommentar in einen Twitter-Streit mit Bild-Chef Diekmann.

Herdecke.. Der Herdecker Ratsherr und das SPD-Mitglied Malte Dürr lieferte sich am Donnerstag eine viel beachtete Online-Auseinandersetzung mit Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Dürr, derzeit Referendar, fiel in der Vergangenheit öfter durch auffällige Kommentare im Internet auf.

Zum aktuellen Fall: Nach dem Besuch eines Facebook-Freundes von Dürr in der Berliner Redaktion der Bild-Zeitung postete der Herdecker den Kommentar „Schade, dass du kein Selbstmordattentäter bist ;)“ auf dessen Seite. „Als ich die leeren Räume gesehen habe, und da ich die Bild-Zeitung auch wegen der Berichterstattung über die Germanwings-Absturz-Katastrophe etwa aus Haltern hasse, habe ich dies mit Blick auf die tägliche Bild-Berichterstattung geschrieben. Es sollte ein Recht auf geschmacklose Witze geben, außerdem habe ich einen Zwinker-Smiley angefügt.“

Er sei sich bewusst, dass sein Sprachduktus befremdlich wirken könne. „Man kann mir Geschmacklosigkeit vorwerfen, aber ich sehe nicht, dass ich jemanden beleidigt habe.“ Bei seinem Facebook-Freund habe er sich vorsorglich entschuldigt. Letztlich sagte der Herdecker: „Wenn die Situation erneut auftreten sollte, würde ich das eher privat schreiben als es öffentlich sichtbar zu posten.“

Dürr: "Im Wahlkampf lobten einige meine Sprüche"

Überrascht war Dürr, dass sich Bild-Chefredakteur Kai Diekmann über den Mikroblogging-Dienst Twitter in die Kommunikation einschaltete: „Hält der Chefredakteur der größten Zeitung Europas mich in Anbetracht anderer Krisenherde für so wichtig?“ Der fragte, ob Dürr tatsächlich Referendar sei und mit Schülern arbeiten dürfe. Diekmann habe sich wie eine „Schulaufsicht“ aufgespielt, das wollte der promovierte Theologe Dürr so nicht hinnehmen.

Angesprochen auf seine Vorgeschichte im Internet, verwies Dürr auf die Vorgänge in einer Kleinstadt wie Herdecke. „Als Ratsmitglied dort empfinde ich mich nicht als wichtig. Und im Wahlkampf lobten einige meine Sprüche, da diese keine 08/15-Zitate wie von anderen Politikern seien.“ Es tue ihm leid, wenn sich manch ein Genosse durch seine Art und Weise diskreditiert fühle, jedoch: „Ich werde mich privat aber weiter so äußern wie bisher.“

Parteigenosse Schaberick „entsetzt“

Dürrs Parteigenosse und stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender Jan Schaberick war „entsetzt, dass er erneut so über die Stränge schlägt“. Die Fraktion missbillige die Äußerung und distanziert sich davon. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass ein Mensch in dem Alter und mit dem Intellekt sich zum wiederholten Male so einen massiven Fehltritt leistet. Es ist ja nicht das erste Mal.“ Es ärgere Schaberick umso mehr, da Dürrs Verhalten bzw. seine Äußerungen immer wieder mit der SPD in Verbindung gebracht würden.

Ulrich Schwellenberg, Stadtverbandsvorsitzender der Herdecker Sozialdemokraten, war befremdet: „Ich werde mit ihm sprechen müssen. Egal, was da für ein Hintergrund ist, solch einen Ausspruch kann ich nicht für gut heißen. Ich erwarte nicht nur von einem Ratsmitglied, sondern von jedem Menschen, dass er sich überlegt, was er schreibt. Und das geht eigentlich gar nicht.“

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