Schwerhörige Seniorin bemerkt Unfall auf Parkplatz nicht

Manche Senioren – wie hier in Gladbeck – geben angesichts des zunehmenden Alters freiwillig ihren Führerschein ab.
Manche Senioren – wie hier in Gladbeck – geben angesichts des zunehmenden Alters freiwillig ihren Führerschein ab.
Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Se
Eine schwerhörige Seniorin aus Herdecke stand wegen einer Unfallflucht vor Gericht. Die 70-Jährige will den Führerschein abgeben.

Herdecke..  Beim Rangieren auf einem Supermarktparkplatz in Herdecke kollidierte der Wagen einer Rentnerin mit einem anderen Fahrzeug – es entstand erheblicher Schaden. Die 70-Jährige aus Herdecke aber fuhr weiter. Jetzt stand sie wegen Unfallflucht vor dem Amtsgericht Wetter.

Keine Eintragungen im Strafregister, keine Eintragungen im Verkehrsregister – die Bilanz jahrzehntelanger Fahrpraxis sprach deutlich für die Seniorin. Umso härter traf sie ein Bericht, den sie Ende Februar in der Zeitung las. Darin wurde auf die Unfallflucht auf dem Parkplatz verwiesen. Sofort beschlich sie der Verdacht, dass sie die gesuchte Person sein könne. Also fuhr sie schnurstracks zur Polizei, um ihre Befürchtung dort zu offenbaren. Und die traf zu. Fatal dabei nur, dass ihre Identität bereits ermittelt und damit das Verfahren wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort nicht mehr zu verhindern war.

Regelrecht erschüttert erschien die Herdeckerin jetzt zu ihrem Prozess. „Ich kann zu dem Unfall nichts sagen, weil ich ihn nicht bemerkt habe“, erklärte sie und konnte sich lediglich daran erinnern, dass sie gedacht habe, sie sei gegen einen Bordstein gefahren. „Ich wollte wirklich keinen schädigen“, beteuerte die 70-Jährige verzweifelt. Sie sei schwerhörig und ihre Kinder hätten ihr nunmehr geraten, ihr Auto abzugeben. Darauf habe sie gehört. Also fahre sie jetzt nicht mehr. Und den rund 1000 Euro teuren Schaden habe ihre Versicherung bereits reguliert.

Tatsächlich erwies sich die Seniorin als derart schwerhörig, dass sie noch nicht einmal mitbekam, dass Richter Christian Potthast feststellte, dass sie nicht gut hören könne. Dieser Umstand, die leeren Register, die Regulierung des Schadens und ihre Bereitschaft, nicht mehr Auto zu fahren, ließen das Gericht ein Einsehen haben. Nachdem die Herdeckerin erklärte, künftig auf den Führerschein zu verzichten, wurde ihr Verfahren eingestellt. „Ganz ehrlich? Es ist vielleicht ganz gut, dass Sie auf Ihre Kinder hören und nicht mehr fahren“, so Christian Potthast.

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